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DAX unter 26.000 Punkten: Ölpreis und Zinsen bremsen die Börse

geralt (CC0), Pixabay

Der deutsche Leitindex beendete den Handel bei 25.983,04 Punkten, ein Minus von 0,42 Prozent. Noch in der Vorwoche hatte der DAX bei rund 26.573 Punkten ein Rekordhoch erreicht. Der MDAX verlor ebenfalls und schloss 0,34 Prozent tiefer bei 31.715,53 Punkten.

Öl wird wieder zum Börsenrisiko

Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist der Ölmarkt. Die geopolitischen Spannungen rund um den Iran und die Unsicherheit über die freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus halten eine erhebliche Risikoprämie im Ölpreis.

Für Unternehmen ist ein dauerhaft hoher Ölpreis problematisch: Transport, Logistik und teilweise auch Produktion verteuern sich. Gleichzeitig können höhere Energiepreise die Inflation verstärken.

Für die Börse entsteht dadurch eine unangenehme Kombination: steigende Kosten für Unternehmen und gleichzeitig weniger Spielraum für sinkende Zinsen.

Höhere Renditen konkurrieren mit Aktien

Der zweite Belastungsfaktor kommt vom Anleihemarkt. Steigende Renditen machen festverzinsliche Anlagen für Investoren attraktiver und erhöhen gleichzeitig die Finanzierungskosten von Unternehmen.

Besonders empfindlich reagieren häufig Aktien, deren Bewertung stark auf zukünftigen Gewinnen basiert. Werden diese Gewinne mit einem höheren Zinssatz abgezinst, sinkt rechnerisch ihr heutiger Wert. Wachstums- und Technologietitel können deshalb besonders unter einem höheren Zinsniveau leiden.

Vom Rekordhoch zur Konsolidierung

Bemerkenswert ist vor allem die Geschwindigkeit des Stimmungswechsels. Vom jüngsten Rekordhoch bei etwa 26.573 Punkten bis zum Schlussstand von 25.983 Punkten hat der DAX rund 590 Punkte beziehungsweise gut zwei Prozent abgegeben.

Das ist für sich genommen noch keine außergewöhnlich große Korrektur. Vier Verlusttage hintereinander zeigen aber, dass Anleger nach der vorangegangenen Rally vorsichtiger geworden sind.

Dabei fällt die Schwäche nicht nur in Deutschland auf: Auch europäische Aktien insgesamt verzeichneten zuletzt eine längere Verlustserie.

Sachwerte rücken erneut in den Fokus

Für Anleger ist die Entwicklung auch unter dem Gesichtspunkt der Sachwertanlage interessant.

Hohe Energiepreise und Inflationsrisiken verändern den Vergleich zwischen Aktien, Immobilien, Gold, Infrastruktur und Energieinvestments. Allerdings reagieren diese Anlageklassen sehr unterschiedlich.

Bei Immobilien können höhere Zinsen Finanzierung und Bewertungen belasten. Gold kann von Unsicherheit profitieren, liefert aber keine laufenden operativen Erträge. Infrastruktur- und Energieanlagen können teilweise von höheren Preisen beziehungsweise langfristigen Nutzungsentgelten profitieren, tragen dafür Projekt-, Regulierungs- und Betriebsrisiken.

Auch Photovoltaik, Windenergie und andere erneuerbare Infrastruktur werden dadurch nicht automatisch attraktiver. Entscheidend sind Finanzierungskosten, Strompreise, Laufzeiten, Standortqualität und die konkrete Vergütungsstruktur.

Öl nahe 100 Dollar wäre eine wichtige Marke

Besonders aufmerksam dürfte der Markt beobachten, ob Brent wieder dauerhaft in Richtung 100 US-Dollar je Barrel steigt. Ein längerer Aufenthalt auf diesem Niveau könnte die Inflationsaussichten verändern und damit auch Erwartungen an die Geldpolitik beeinflussen.

Die aktuellen Kurse zeigen allerdings, wie schnell sich die Lage bewegen kann: Am Freitagmorgen wird Brent auf verschiedenen Kursplattformen bereits wieder nur im Bereich von rund 93 bis 94 Dollar angezeigt.

Damit bleibt Öl vorerst vor allem ein Volatilitätsfaktor und kein eindeutiger Trend.

Für Anleger wird Diversifikation wichtiger

Die jüngsten Börsentage zeigen damit ein grundsätzliches Problem: Mehrere Risikofaktoren können gleichzeitig wirken. Steigt Öl, kann die Inflation zunehmen. Bleiben deshalb die Zinsen höher, geraten Aktienbewertungen und kreditfinanzierte Immobilien unter Druck.

Sachwerte sollten deshalb nicht als einheitliche Anlageklasse betrachtet werden. Immobilien, Aktien, Gold, Photovoltaik, Windparks und Infrastruktur reagieren auf Inflation, Zinsen und Konjunktur teilweise völlig unterschiedlich.

Gerade deshalb wird der Vergleich wichtiger: Nicht allein die erwartete Rendite zählt, sondern das Verhältnis aus Rendite, laufendem Cashflow, Liquidität, Kosten, Verschuldung und Risiko.

Für den DAX dürfte kurzfristig entscheidend sein, ob sich Öl- und Anleihemärkte beruhigen. Nach vier Verlusttagen und dem Fall unter 26.000 Punkte ist die zuvor sehr optimistische Börsenstimmung jedenfalls spürbar vorsichtiger geworden.

Ich kann die Entwicklung von DAX und Ölpreis weiter beobachten und bei größeren Bewegungen berichten.

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