Sachsen könnte schon bald eine Schlüsselrolle bei der Versorgung Europas mit strategisch wichtigen Rohstoffen einnehmen. Das Sächsische Oberbergamt hat dem Münchner Start-up Hades die Lizenz zur Ausbeutung eines Vorkommens Seltener Erden bei Delitzsch in Nordsachsen erteilt. Damit rückt ein Rohstofflager in den Fokus, das bereits zu DDR-Zeiten entdeckt wurde, dessen wirtschaftliche Nutzung damals jedoch als nicht rentabel galt.
Seltene Erden zählen heute zu den begehrtesten Rohstoffen der Welt. Sie werden unter anderem für Elektromotoren, Windkraftanlagen, Smartphones, Computerchips sowie zahlreiche Anwendungen in der Rüstungs- und Raumfahrttechnik benötigt. Die weltweite Nachfrage steigt seit Jahren kontinuierlich, während Europa bei der Versorgung bislang in hohem Maße von Importen – insbesondere aus China – abhängig ist.
Das Unternehmen Hades setzt nun auf eine neue Technologie, die den wirtschaftlichen Abbau des Vorkommens ermöglichen soll. Nach Angaben des Unternehmens kommt ein neu entwickelter Laser-Bohrer zum Einsatz, der die Kosten für Bohrungen im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren um rund die Hälfte reduzieren soll. Dadurch könnten Lagerstätten erschlossen werden, deren Abbau bislang als zu teuer galt.
Bereits in der DDR war das Vorkommen bei Delitzsch bekannt. Damals verhinderten jedoch die hohen Erschließungskosten eine wirtschaftliche Nutzung. Erst die technischen Fortschritte der vergangenen Jahre eröffnen nun neue Perspektiven für den Rohstoffabbau.
Die Lizenzvergabe ist zugleich ein Signal für die wachsende Bedeutung heimischer Rohstoffvorkommen. Angesichts geopolitischer Spannungen und zunehmender Lieferkettenrisiken bemühen sich Deutschland und die Europäische Union verstärkt darum, kritische Rohstoffe künftig stärker aus eigenen Quellen zu gewinnen. Projekte wie das bei Delitzsch könnten deshalb künftig eine wichtige Rolle für die Versorgung der Industrie spielen.
Ob und wann tatsächlich mit einer kommerziellen Förderung begonnen werden kann, hängt jedoch von weiteren Untersuchungen sowie den erforderlichen Genehmigungsverfahren ab. Auch Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und die Akzeptanz in der Region werden dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Fest steht jedoch schon jetzt: Mit der erteilten Abbaugenehmigung rückt Sachsen stärker in den Mittelpunkt der europäischen Rohstoffstrategie. Sollte sich die neue Bohrtechnik bewähren, könnte das bislang ungenutzte Vorkommen bei Delitzsch zu einem wichtigen Baustein für die Versorgung mit Seltenen Erden werden – und die Abhängigkeit von Importen langfristig zumindest teilweise verringern.