Steigende Kraftstoffpreise treiben immer mehr Autofahrer über die Grenze. Ob nach Polen, Tschechien, Österreich oder Luxemburg – vielerorts kostet Benzin oder Diesel deutlich weniger als in Deutschland. Preisunterschiede von bis zu 40 Cent pro Liter machen den sogenannten Tanktourismus wieder attraktiv. Doch wer den günstigen Sprit gleich kanisterweise mit nach Hause bringen möchte, sollte die gesetzlichen Grenzen kennen. Denn beim Kraftstoffimport gelten innerhalb der Europäischen Union ebenso wie aus Nicht-EU-Staaten klare Vorschriften. Verstöße können nicht nur teuer werden, sondern im schlimmsten Fall auch Bußgelder oder Steuernachforderungen nach sich ziehen.
Für viele Autofahrer ist der Blick auf die Preistafeln an den Tankstellen inzwischen zu einem täglichen Ritual geworden. Gerade in Grenzregionen beobachten Verbraucher aufmerksam, wie sich die Preisunterschiede zwischen Deutschland und den Nachbarstaaten entwickeln. Während die Kraftstoffpreise hierzulande unter anderem durch Energiesteuern und CO₂-Abgaben vergleichsweise hoch bleiben, lassen sich im benachbarten Ausland häufig erhebliche Einsparungen erzielen.
Preisunterschiede locken über die Grenze
Je nach Region kostet ein Liter Benzin oder Diesel in Polen, Tschechien, Österreich oder Luxemburg häufig 30 bis 40 Cent weniger als in Deutschland. Wer einen 60-Liter-Tank vollständig füllt, kann dadurch auf einen Schlag bis zu 20 Euro sparen.
Besonders für Bewohner grenznaher Regionen lohnt sich die Fahrt oftmals regelmäßig. Anders sieht die Rechnung jedoch für Autofahrer aus, die längere Strecken ausschließlich zum Tanken zurücklegen. Bereits eine Anfahrt von rund 100 Kilometern verursacht erhebliche Kraftstoffkosten, die den Preisvorteil schnell wieder aufzehren können.
Experten empfehlen deshalb, Tanktouren möglichst mit anderen Erledigungen oder Einkäufen zu verbinden, anstatt ausschließlich wegen des Kraftstoffs ins Ausland zu fahren.
Volltanken ist grundsätzlich erlaubt
Viele Autofahrer fragen sich, ob der im Ausland getankte Kraftstoff überhaupt legal nach Deutschland eingeführt werden darf.
Die Antwort lautet: Ja.
Innerhalb der Europäischen Union darf sich Kraftstoff im fest eingebauten Fahrzeugtank grundsätzlich ohne zusätzliche Steuern oder Abgaben befinden. Dabei spielt es keine Rolle, wie oft ein Autofahrer die Grenze überquert oder in welchem EU-Mitgliedstaat getankt wurde.
Regelmäßige Tankfahrten sind daher grundsätzlich zulässig, solange der Kraftstoff ausschließlich im serienmäßigen Fahrzeugtank transportiert wird.
Beim Reservekanister gelten klare Grenzen
Anders sieht die Situation aus, wenn zusätzlich Kraftstoff in Kanistern transportiert werden soll.
Innerhalb der Europäischen Union dürfen grundsätzlich bis zu 20 Liter Kraftstoff in einem Reservekanister eingeführt werden. Wer aus einem Nicht-EU-Staat nach Deutschland einreist, darf dagegen lediglich zehn Liter abgabenfrei mitführen.
Allerdings weisen Fachleute darauf hin, dass einzelne Staaten eigene Transportvorschriften haben können. Deshalb empfiehlt es sich, vor der Reise auch die jeweiligen nationalen Bestimmungen zu prüfen.
Der ADAC rät aus Sicherheitsgründen sogar dazu, grundsätzlich nicht mehr als zehn Liter Reservekraftstoff mitzuführen.
Fünf Kanister im Kofferraum können teuer werden
Manche Autofahrer möchten den Preisvorteil möglichst umfassend nutzen und gleich mehrere Kanister befüllen.
Davon raten Experten jedoch dringend ab.
Zum einen überschreiten größere Mengen schnell die zollrechtlich zulässigen Freimengen. Zum anderen führen Zollbehörden nach eigenen Angaben verstärkt Stichproben durch. Wird zu viel Kraftstoff eingeführt, können nicht nur die in Deutschland geltenden Steuern nacherhoben werden. Je nach Einzelfall drohen zusätzlich Bußgelder oder weitere rechtliche Konsequenzen.
Sicherheit spielt eine entscheidende Rolle
Neben den zollrechtlichen Vorschriften steht vor allem der Brandschutz im Mittelpunkt.
Benzin entwickelt leicht entzündliche Dämpfe, die sich bereits durch Funken oder hohe Temperaturen entzünden können. Deshalb dürfen ausschließlich geeignete Reservekraftstoffkanister verwendet werden, die über eine entsprechende UN- oder Reservekraftstoff-Zulassung verfügen.
Undichte oder ungeeignete Behälter stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar und können sowohl bei Verkehrskontrollen als auch im Schadensfall erhebliche Probleme verursachen.
Kraftstoff zu Hause lagern – nur begrenzt erlaubt
Auch nach der Heimfahrt gelten strenge Vorschriften.
In Bayern dürfen in privaten Garagen bis zu 200 Liter Diesel, jedoch lediglich 20 Liter Benzin gelagert werden. Voraussetzung ist, dass die Kanister dicht verschlossen und für die Lagerung zugelassen sind.
Im Keller sind ebenfalls höchstens 20 Liter Kraftstoff zulässig – unabhängig davon, wie viele Bewohner sich das Gebäude teilen. Die zulässige Gesamtmenge gilt für den gesamten gemeinschaftlich genutzten Kellerbereich und nicht pro Wohnung.
In Wohnräumen ist die Lagerung praktisch ausgeschlossen. Dort darf lediglich maximal ein Liter Wasch- oder Feuerzeugbenzin aufbewahrt werden.
Besonderheit in Österreich
Wer mit einem älteren Fahrzeug nach Österreich fährt, sollte außerdem auf die Kraftstoffqualität achten.
Viele österreichische Tankstellen bieten inzwischen kaum noch den Kraftstoff Super E5 an und setzen überwiegend auf E10. Für moderne Fahrzeuge stellt dies meist kein Problem dar. Besitzer älterer Fahrzeuge sollten jedoch vor der Fahrt prüfen, welche Kraftstoffsorte vom Hersteller freigegeben ist.
Rechnet sich der Tanktourismus überhaupt?
Ob sich der Weg ins Ausland finanziell lohnt, hängt letztlich von mehreren Faktoren ab.
Neben den aktuellen Preisunterschieden spielen die Entfernung zur Grenze, der Kraftstoffverbrauch des eigenen Fahrzeugs und mögliche Zusatzkosten eine entscheidende Rolle. Wer lediglich zum Tanken weite Strecken zurücklegt, spart häufig deutlich weniger als zunächst erwartet.
Für Bewohner grenznaher Regionen kann der Preisvorteil dagegen durchaus spürbar sein – insbesondere wenn gleichzeitig Einkäufe oder andere Besorgungen erledigt werden.
Sparen ja – aber innerhalb der gesetzlichen Grenzen
Der aktuelle Preisunterschied zwischen Deutschland und einigen Nachbarstaaten macht den Tanktourismus für viele Autofahrer erneut attraktiv. Das Volltanken im Ausland ist innerhalb der Europäischen Union grundsätzlich problemlos möglich und legal. Wer jedoch versucht, den Preisvorteil durch größere Kraftstoffvorräte auszunutzen, bewegt sich schnell außerhalb der zulässigen Grenzen.
Autofahrer sollten deshalb nicht nur auf den Literpreis achten, sondern auch die Zoll-, Sicherheits- und Lagerungsvorschriften kennen. So lässt sich der günstigere Kraftstoff legal nutzen – ohne das Risiko von Bußgeldern, Steuernachforderungen oder Sicherheitsproblemen.