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Nach der Rettung jetzt die Insolvenz: Warum Vartas Scheitern Anleger wachrütteln sollte

Westfrisco (CC0), Pixabay

Die erneute Insolvenz des traditionsreichen Batterieherstellers Varta markiert einen der spektakulärsten Zusammenbrüche der deutschen Industrie in den vergangenen Jahren. Noch 2024 galt das Unternehmen nach der Sanierung im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes (StaRUG) als gerettet. Nun folgt dennoch der Gang zum Insolvenzgericht. Für Anleger zeigt der Fall eindrucksvoll, dass eine finanzielle Restrukturierung allein nicht ausreicht, wenn die operativen Probleme ungelöst bleiben.

Im Mittelpunkt der aktuellen Entwicklung steht die Entscheidung der beiden Eigentümer – des österreichischen Investors Michael Tojner und des Sportwagenherstellers Porsche –, keine weiteren finanziellen Mittel bereitzustellen. Beide halten jeweils 50 Prozent an Varta und hätten den dringend benötigten Kapitalbedarf decken können. Dass sie darauf verzichten, ist ein deutliches Signal: Offenbar sehen selbst die Eigentümer derzeit keine ausreichende Perspektive für eine umfassende Sanierung des gesamten Unternehmens.

Besonders schwer wiegt der Verlust des wichtigsten Kunden im Bereich der wiederaufladbaren Knopfzellen. Das Werk in Nördlingen produzierte nahezu ausschließlich sogenannte CoinPower-Zellen, die unter anderem in den kabellosen Kopfhörern von Apple eingesetzt wurden. Mit dem Wegfall dieses Großkunden brach ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells weg. Ersatzkunden konnten offenbar nicht gewonnen werden, sodass nun die Produktion eingestellt und rund 350 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen.

Für Anleger ist dies ein klassisches Beispiel für das Risiko einer zu hohen Kundenabhängigkeit. Wer einen erheblichen Teil seines Umsatzes mit einem einzigen Großkunden erzielt, macht sich wirtschaftlich verwundbar. Kündigt dieser die Zusammenarbeit, lassen sich Produktion und Kosten häufig nicht schnell genug anpassen.

Positiv ist allerdings, dass Varta keineswegs über wertlose Geschäftsbereiche verfügt. Nach Angaben der Gläubiger soll insbesondere das profitable Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Insolvenzverfahren herausgelöst werden. Gleichzeitig zeigt Michael Tojner Interesse an der Sparte für Mikrobatterien, etwa für Hörgeräte. Das deutet darauf hin, dass einzelne Unternehmensteile durchaus wirtschaftlich attraktiv sind und eine Zukunft haben könnten.

Auch technologisch besitzt Varta weiterhin Potenzial. Das Unternehmen arbeitet an Natrium-Ionen-Batterien, die als vielversprechende Alternative zu klassischen Lithium-Ionen-Akkus gelten. Gerade für stationäre Energiespeicher könnten sich daraus langfristig interessante Marktchancen ergeben.

Genau hier liegt jedoch das zentrale Problem: Zukunftstechnologien benötigen erhebliche Investitionen. Nach Angaben der Gläubiger fehlt kurzfristig bereits ein Finanzierungsbedarf im mittleren zweistelligen Millionenbereich, um den laufenden Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Hinzu kommen hohe Entwicklungs- und Investitionskosten in den kommenden Jahren. Ohne ausreichend Kapital können selbst technologisch aussichtsreiche Projekte nicht erfolgreich umgesetzt werden.

Besonders kritisch ist aus Anlegersicht, dass bereits die Restrukturierung im Jahr 2024 die grundlegenden Probleme nicht lösen konnte. Damals verloren die bisherigen Aktionäre ihr gesamtes Investment, während Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichteten. Die neue Eigentümerstruktur verschaffte Varta zwar Zeit, änderte aber nichts an der schwachen operativen Entwicklung. Die jetzige Insolvenz macht deutlich, dass eine Bilanzsanierung allein kein tragfähiges Geschäftsmodell ersetzt.

Für die Gläubiger könnte die Insolvenz dennoch bessere Perspektiven bieten als für frühere Aktionäre. Da profitable Geschäftsbereiche vorhanden sind, erscheint eine Zerschlagung mit Verkauf einzelner Unternehmensteile wahrscheinlicher als eine vollständige Liquidation. Dadurch könnten zumindest Teile der Vermögenswerte erhalten bleiben.

Fazit

Die erneute Insolvenz von Varta ist weit mehr als das Scheitern eines einzelnen Unternehmens. Sie zeigt, wie gefährlich die Kombination aus hoher Kundenabhängigkeit, starkem Investitionsbedarf und unzureichender operativer Erholung sein kann. Trotz moderner Technologien und einer bekannten Marke reichte die wirtschaftliche Basis nicht aus, um dauerhaft profitabel zu arbeiten.

Aus Anlegersicht ist der Fall eine wichtige Erinnerung daran, dass Restrukturierungen allein keine Garantie für eine erfolgreiche Unternehmenswende sind. Entscheidend bleibt, ob ein Unternehmen nachhaltig Gewinne erwirtschaften und seine Kundenbasis verbreitern kann. Bei Varta ist genau das nicht gelungen. Die nun geplante Aufspaltung könnte zwar einzelne Geschäftsbereiche retten, für das Unternehmen in seiner bisherigen Form dürfte die Insolvenz jedoch das Ende bedeuten.

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