Siemens Energy schlägt ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte auf. Der Energietechnikkonzern wird künftig unter dem Namen „Omterra“ auftreten und verabschiedet sich damit endgültig von einer der bekanntesten Industriemarken Deutschlands. Mit dem Namenswechsel beendet das Unternehmen eine jahrzehntelange Verbindung zum Siemens-Konzern – und spart gleichzeitig erhebliche Lizenzkosten.
Der neue Markenname soll noch im Laufe dieses Jahres schrittweise eingeführt werden. Nach Angaben des Unternehmens wird der vollständige Übergang rund eineinhalb Jahre dauern. Mit dem Kunstwort „Omterra“ will sich der Konzern als eigenständiger globaler Energietechnikanbieter positionieren und seine Unabhängigkeit auch nach außen sichtbar machen.
Schlussstrich unter die Siemens-Vergangenheit
Die Umbenennung markiert einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des Unternehmens. Siemens Energy war 2020 aus dem Siemens-Konzern hervorgegangen, trug den traditionsreichen Namen jedoch weiterhin auf Basis eines Lizenzvertrags. Diese Markenlizenz kostete das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 300 Millionen Euro pro Jahr.
Mit der Einführung des neuen Namens entfällt diese finanzielle Belastung künftig. Gleichzeitig gewinnt das Unternehmen größere Freiheit bei der eigenen Markenstrategie und kann seine Identität unabhängig vom ehemaligen Mutterkonzern weiterentwickeln.
Bewusst gewählter Zeitpunkt
Konzernchef Christian Bruch betonte, dass der Zeitpunkt für den Namenswechsel bewusst gewählt worden sei. Nach schwierigen Jahren stehe das Unternehmen heute wirtschaftlich deutlich stabiler da als noch vor kurzer Zeit.
Vor allem die Krise bei der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa hatte Siemens Energy zeitweise massiv belastet. Qualitätsprobleme bei Windkraftanlagen führten zu milliardenschweren Rückstellungen und sorgten für erhebliche Unsicherheit an den Finanzmärkten. Zeitweise musste sogar der Bund gemeinsam mit Banken umfangreiche Garantien bereitstellen, um das Unternehmen abzusichern.
Rekordgewinn als neues Ziel
Inzwischen hat sich die wirtschaftliche Lage deutlich verbessert. Der Konzern profitiert von der weltweit steigenden Nachfrage nach Energieinfrastruktur, Stromnetzen und Lösungen für die Energiewende. Insbesondere Investitionen in den Ausbau der Stromübertragung sowie moderne Kraftwerks- und Netztechnik sorgen für volle Auftragsbücher.
Für das laufende Geschäftsjahr strebt das Unternehmen einen Rekordgewinn von rund vier Milliarden Euro an. Die erfolgreiche operative Entwicklung bildet damit die Grundlage für den umfassenden Markenwechsel.
Mehr als nur ein neuer Name
Der neue Unternehmensname soll nicht nur eine optische Veränderung sein. Vielmehr verfolgt der Konzern das Ziel, sich weltweit als eigenständige Marke für Energie- und Infrastrukturtechnologien zu etablieren. Das Kunstwort „Omterra“ soll für globale Energieversorgung, Nachhaltigkeit und technologische Innovation stehen.
Der Übergang wird schrittweise erfolgen. Firmenlogos, Gebäude, Produkte, Geschäftsdokumente und digitale Plattformen werden nach und nach auf den neuen Markenauftritt umgestellt. Für Kunden und Geschäftspartner sollen bestehende Verträge und laufende Projekte davon unberührt bleiben.
Symbol für den Neuanfang
Die Umbenennung kann auch als symbolischer Schlussstrich unter eine turbulente Phase verstanden werden. Nach Milliardenverlusten, Problemen im Windkraftgeschäft und existenziellen Herausforderungen präsentiert sich das Unternehmen heute wieder als wachstumsstarker Akteur der internationalen Energiebranche.
Mit dem Namen Omterra möchte der Konzern diesen Neustart sichtbar machen und sich zugleich von der historischen Abhängigkeit von der Marke Siemens lösen. Ob sich der neue Name weltweit ähnlich etabliert wie sein traditionsreicher Vorgänger, dürfte sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen.