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Falsche Versicherungen, teure Folgen: Warum viele Haushalte ihre Policen jetzt überprüfen sollten

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Ob Haftpflicht-, Hausrat-, Berufsunfähigkeits- oder Handyversicherung – viele Haushalte verfügen über eine Vielzahl unterschiedlicher Policen. Doch die Anzahl der Versicherungsverträge sagt wenig darüber aus, wie gut Verbraucher tatsächlich abgesichert sind. Viel wichtiger ist die Frage, welche finanziellen Risiken eine Person oder Familie im Ernstfall aus eigener Kraft bewältigen könnte und welche Schäden die wirtschaftliche Existenz bedrohen würden.

Nach Einschätzung von Verbraucherschützern wird genau dieser Unterschied häufig unterschätzt. Viele Menschen schließen vergleichsweise günstige Versicherungen für Smartphones, Elektrogeräte oder verlängerte Garantien ab, verzichten aber gleichzeitig auf Versicherungen, die sie im Ernstfall vor existenziellen finanziellen Belastungen schützen könnten.

Existenzielle Risiken sollten Vorrang haben

Zu den wichtigsten Versicherungen zählt nach Einschätzung von Fachleuten die private Haftpflichtversicherung. Bereits eine kleine Unachtsamkeit kann hohe Schadenersatzforderungen nach sich ziehen – etwa wenn eine andere Person verletzt oder fremdes Eigentum erheblich beschädigt wird. Ohne Versicherung müssen Betroffene unter Umständen lebenslang für entstandene Schäden aufkommen.

Je nach persönlicher Lebenssituation können darüber hinaus weitere Policen unverzichtbar sein. Dazu gehören insbesondere die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Wohngebäudeversicherung für Immobilieneigentümer, die Hausratversicherung, eine Risikolebensversicherung zur Absicherung der Familie sowie eine Auslandsreisekrankenversicherung für Reisen ins Ausland.

Demgegenüber stehen zahlreiche sogenannte Kleinversicherungen. Handy-, Elektronik- oder Garantieversicherungen decken häufig Schäden ab, deren finanzielle Folgen viele Verbraucher selbst tragen könnten. Über Jahre summieren sich die Beiträge oftmals auf Beträge, die den möglichen Schaden sogar übersteigen.

Lebensveränderungen machen neue Prüfung notwendig

Versicherungsexperten weisen darauf hin, dass Policen nicht nur beim Abschluss, sondern regelmäßig überprüft werden sollten. Der persönliche Versicherungsbedarf verändert sich häufig mit wichtigen Lebensereignissen.

Ein Umzug kann beispielsweise den Wert des Hausrats verändern oder neue Risiken für die Immobilie mit sich bringen. Nach einer Heirat oder der Geburt eines Kindes gewinnt die Absicherung der Familie häufig deutlich an Bedeutung. Wer eine Immobilie kauft, benötigt andere Versicherungen als ein Mieter. Auch ein Berufswechsel kann Auswirkungen auf den bestehenden Berufsunfähigkeitsschutz haben.

Ebenso können eine Scheidung, der Eintritt in den Ruhestand oder der Auszug der Kinder dazu führen, dass einzelne Versicherungen angepasst oder sogar entbehrlich werden.

Alte Verträge bieten nicht immer ausreichenden Schutz

Nicht nur der Versicherungsbedarf verändert sich im Laufe der Jahre – auch die bestehenden Verträge selbst sollten regelmäßig überprüft werden. Viele Policen wurden vor langer Zeit abgeschlossen und enthalten Versicherungssummen, die heute nicht mehr ausreichen.

Steigende Baukosten, höhere Wiederbeschaffungspreise oder veränderte Vermögenswerte können dazu führen, dass Versicherte im Schadensfall trotz bestehender Police nicht vollständig entschädigt werden. Experten empfehlen deshalb, Deckungssummen und Leistungsumfang regelmäßig mit der aktuellen Lebenssituation abzugleichen.

Vorsicht vor vorschnellen Kündigungen

Besondere Zurückhaltung ist bei langfristigen Personenversicherungen geboten. Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine private Krankenversicherung vorschnell kündigt, riskiert erhebliche Nachteile.

Mit zunehmendem Alter steigen häufig die Versicherungsbeiträge. Hinzu kommt, dass neu aufgetretene Erkrankungen den Abschluss eines neuen Vertrags erschweren oder sogar unmöglich machen können. Fachleute raten daher, einen bestehenden Vertrag erst dann zu kündigen, wenn ein neuer Versicherungsschutz verbindlich zugesagt wurde.

Auch bei Sachversicherungen sollte nicht allein der Preis ausschlaggebend sein. Ein günstigerer Tarif kann geringere Leistungen, niedrigere Versicherungssummen oder höhere Selbstbeteiligungen enthalten. Ein Vergleich sollte deshalb stets den gesamten Leistungsumfang berücksichtigen.

Mit einem einfachen Check den Überblick gewinnen

Die BaFin empfiehlt Verbraucherinnen und Verbrauchern, ihre Versicherungen systematisch zu überprüfen. Dazu sollten zunächst sämtliche Verträge mit Beiträgen, Laufzeiten, Kündigungsfristen, Versicherungssummen und möglichen Selbstbeteiligungen erfasst werden.

Anschließend empfiehlt sich eine kritische Bewertung jeder einzelnen Police:

  • Welches Risiko wird tatsächlich abgesichert?
  • Könnte ein möglicher Schaden aus eigenen finanziellen Rücklagen bezahlt werden?
  • Entspricht die Versicherungssumme noch der aktuellen Lebenssituation?
  • Bestehen Überschneidungen mit anderen Versicherungen?
  • Haben sich persönliche oder familiäre Lebensumstände verändert?

Erst auf Grundlage dieser Bestandsaufnahme sollte entschieden werden, ob ein Vertrag angepasst, ersetzt oder gekündigt werden sollte.

BaFin informiert Verbraucher kostenlos

Um Verbraucher für dieses Thema zu sensibilisieren, veranstaltet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am 14. Juli 2026 um 11 Uhr ein digitales Informationsangebot zum Thema Versicherungscheck. Dort soll erläutert werden, welche Versicherungen als besonders wichtig gelten, wie Verbraucher ihren individuellen Absicherungsbedarf bewerten können und worauf bei bestehenden Verträgen zu achten ist.

Gute Absicherung statt möglichst vieler Policen

Der Umfang eines Versicherungsordners ist kein Maßstab für guten Versicherungsschutz. Entscheidend ist vielmehr, dass die tatsächlich existenzbedrohenden Risiken ausreichend abgesichert sind und bestehende Verträge regelmäßig an die persönliche Lebenssituation angepasst werden.

Ein sorgfältiger Versicherungscheck kann deshalb nicht nur unnötige Ausgaben vermeiden, sondern im Ernstfall auch vor erheblichen finanziellen Belastungen schützen. Gerade angesichts steigender Lebenshaltungskosten und wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten gewinnt eine ausgewogene und bedarfsgerechte Absicherung zunehmend an Bedeutung.

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