Online-Dating gehört für Millionen Menschen längst zum Alltag. Auf Plattformen und Apps entscheidet oft der erste Eindruck darüber, ob ein Kontakt zustande kommt oder nicht. Genau dieser Druck führt jedoch zunehmend zu einem Phänomen, das Experten als „Kittenfishing“ bezeichnen. Dabei handelt es sich um kleine Übertreibungen oder geschönte Angaben im Dating-Profil, die harmlos erscheinen mögen, aber häufig das Vertrauen zwischen potenziellen Partnern belasten.
Zwischen Wahrheit und Selbstdarstellung
Anders als beim sogenannten „Catfishing“, bei dem Personen bewusst eine komplett erfundene Identität erschaffen, bewegt sich Kittenfishing in einer Grauzone. Die Betroffenen geben meist nicht vor, jemand völlig anderes zu sein. Stattdessen werden einzelne Details geschönt oder übertrieben dargestellt.
Typische Beispiele sind einige Zentimeter mehr Körpergröße, ein etwas jüngeres Alter, berufliche Erfolge, die größer dargestellt werden als sie tatsächlich sind, oder stark bearbeitete beziehungsweise veraltete Fotos. Ziel ist es, attraktiver zu wirken und die Chancen auf ein Match zu erhöhen.
Für viele Nutzer erscheint dies zunächst als harmlose Optimierung der eigenen Darstellung. Dating-Experten sehen darin jedoch ein wachsendes Problem.
Konkurrenzdruck auf Dating-Plattformen
Die Ursachen liegen vor allem im starken Wettbewerb auf Dating-Apps. Nutzer stehen dort in direkter Konkurrenz zu Tausenden anderen Singles. Oft entscheiden wenige Sekunden darüber, ob ein Profil interessant erscheint oder weggewischt wird.
Dieser Druck verleitet manche dazu, kleine Unwahrheiten einzubauen. Die Hoffnung dahinter: Sobald ein persönliches Treffen stattfindet, spiele die geschönte Angabe keine Rolle mehr.
Psychologen und Dating-Coaches beobachten jedoch, dass genau dieser Ansatz häufig scheitert. Bereits kleine Abweichungen zwischen Profil und Realität können beim ersten Treffen Misstrauen auslösen.
Vertrauensverlust schon beim Kennenlernen
Das eigentliche Problem des Kittenfishings liegt weniger in der konkreten Lüge als in ihrer Wirkung. Wer beim ersten Date feststellt, dass das Gegenüber deutlich älter ist als angegeben, die Fotos nicht mehr aktuell sind oder berufliche Angaben nicht stimmen, fühlt sich häufig getäuscht.
Dadurch entsteht ein Vertrauensproblem, noch bevor eine echte Beziehung überhaupt beginnen kann.
Experten weisen darauf hin, dass erfolgreiche Partnerschaften auf Ehrlichkeit und Authentizität beruhen. Selbst kleine Täuschungen können deshalb dazu führen, dass ein vielversprechender Kontakt bereits in der Anfangsphase scheitert.
Social Media fördert den Trend
Beobachter sehen einen Zusammenhang zwischen Kittenfishing und der allgemeinen Kultur sozialer Netzwerke. Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook fördern häufig die Darstellung einer möglichst perfekten Version des eigenen Lebens.
Viele Menschen gewöhnen sich daran, nur ihre besten Seiten zu zeigen und weniger attraktive Aspekte auszublenden. Dieses Verhalten wird anschließend auch auf Dating-Plattformen übertragen.
Der Unterschied besteht allerdings darin, dass es beim Dating nicht um Likes oder Reichweite geht, sondern um echte zwischenmenschliche Beziehungen. Dort können geschönte Darstellungen langfristig zum Hindernis werden.
Authentizität statt Perfektion
Dating-Coaches raten deshalb dazu, bei Profilen auf Ehrlichkeit zu setzen. Statt ausschließlich perfekt inszenierte Fotos zu verwenden, sollten Nutzer Bilder wählen, die unterschiedliche Facetten ihrer Persönlichkeit zeigen.
Neben einem aktuellen Porträtbild können beispielsweise Aufnahmen von Hobbys, Reisen oder besonderen Interessen helfen, einen authentischen Eindruck zu vermitteln. Solche Fotos bieten zudem Gesprächsanlässe und ermöglichen einen tieferen Einblick in die Persönlichkeit.
Auch bei Angaben zu Alter, Ausbildung oder Beruf empfehlen Experten, auf Übertreibungen zu verzichten. Wer von Anfang an ehrlich auftritt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, Menschen kennenzulernen, die tatsächlich zur eigenen Persönlichkeit passen.
Ausdruck einer wachsenden Verunsicherung
Hinter dem Trend sehen Fachleute auch eine zunehmende Unsicherheit vieler Singles. Zahlreiche Menschen berichten von Frustration im Online-Dating und dem Gefühl, in einer überfüllten digitalen Partnersuche kaum wahrgenommen zu werden.
Kittenfishing wird deshalb von manchen als Versuch verstanden, sich im Wettbewerb sichtbarer zu machen. Langfristig verschärft dieses Verhalten jedoch häufig genau jene Probleme, die viele Singles beklagen: Misstrauen, Enttäuschungen und oberflächliche Begegnungen.
Fazit
Kittenfishing mag auf den ersten Blick harmlos wirken, doch die kleinen Unwahrheiten können erhebliche Auswirkungen auf das Kennenlernen haben. Während die geschönten Angaben kurzfristig zu mehr Aufmerksamkeit führen können, gefährden sie häufig das Vertrauen, das für eine erfolgreiche Beziehung notwendig ist.
Experten empfehlen daher, sich authentisch zu präsentieren und auf künstliche Optimierungen zu verzichten. Wer ehrlich auftritt, mag möglicherweise weniger Matches erhalten – erhöht jedoch die Chancen auf echte Verbindungen und langfristige Beziehungen.