Die Grundsteuerreform hat in den vergangenen Monaten für erhebliche Unruhe unter Thüringens Immobilienbesitzern gesorgt. Teilweise mussten Eigentümer von Wohnimmobilien nach der bundesweiten Neuberechnung drastische Erhöhungen hinnehmen. Nun folgt die politische Kehrtwende: Hunderttausende Bürgerinnen und Bürger können auf eine spürbare Entlastung hoffen.
Der Freistaat Thüringen startet in den kommenden Wochen und Monaten den Versand neuer Grundsteuerbescheide. Grundlage dafür ist eine vom Thüringer Landtag beschlossene Neuberechnung der Grundsteuer, die nach Angaben von Finanzministerin Katja Wolf (BSW) vor allem Eigentümer von Wohnimmobilien entlasten soll. Damit reagiert die Landesregierung auf die Kritik an den Auswirkungen der bisherigen Grundsteuerreform, die in vielen Fällen zu erheblichen Mehrbelastungen geführt hatte.
Teilweise Verdreifachung der Steuerlast
Nach Angaben des Thüringer Finanzministeriums hatten zahlreiche Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern nach Einführung des Bundesmodells deutlich höhere Steuerbescheide erhalten. In einzelnen Fällen stiegen die Belastungen um bis zu 300 Prozent. Die Reform hatte landesweit zu massivem Unmut geführt und rund 110.000 Widersprüche bei den Finanzämtern ausgelöst.
Finanzministerin Katja Wolf sprach von einer „Verteuerung der Grundsteuer für Wohnimmobilien“, die nun zurückgedreht werden solle. Ziel sei es, die finanzielle Belastung von Eigentümern und Mietern zu reduzieren und die durch das Bundesmodell entstandenen Verschiebungen zwischen Wohn- und Gewerbeimmobilien auszugleichen.
760.000 neue Bescheide werden verschickt
Die Umsetzung der Reform läuft bereits auf Hochtouren. Nach Angaben des Finanzministeriums sollen rund 760.000 Grundsteuermessbescheide neu berechnet und verschickt werden. Die Finanzämter greifen dabei auf bereits vorhandene Daten zurück. Grundstückseigentümer müssen keine neuen Erklärungen abgeben und keine zusätzlichen Formulare ausfüllen.
Der Druck der neuen Bescheide hat begonnen, die ersten Schreiben werden bereits in den kommenden Wochen verschickt. Die eigentlichen Grundsteuerbescheide erhalten die Eigentümer anschließend von ihren jeweiligen Städten und Gemeinden.
Wohnen soll günstiger werden
Kern der Reform ist die Anpassung der sogenannten Steuermesszahlen. Für Wohngrundstücke wird diese abgesenkt, während sie für Nichtwohngrundstücke und Gewerbeimmobilien wieder angehoben wird. Nach Angaben des Finanzministeriums soll dadurch die durch das Bundesmodell entstandene Mehrbelastung von Wohnimmobilien weitgehend beseitigt werden.
Die Landesregierung verfolgt dabei das Ziel, das Wohnen dauerhaft günstiger zu machen. Nach Berechnungen des Finanzministeriums werden die meisten Eigentümer von Wohnimmobilien künftig niedrigere Grundsteuerbeträge zahlen als bisher. Auch Mieter könnten profitieren, da die Grundsteuer über die Nebenkosten auf die Wohnkosten wirkt.
Gewerbeimmobilien tragen einen größeren Anteil
Die Entlastung für Wohnimmobilien erfolgt allerdings nicht ohne Gegenfinanzierung. Im Gegenzug wird die Grundsteuer für Gewerbeimmobilien wieder auf das Niveau des Jahres 2024 angehoben. Unternehmen und Eigentümer gewerblich genutzter Grundstücke müssen daher künftig mit höheren Belastungen rechnen.
Nach Angaben der Landesregierung soll das Gesamtaufkommen der Grundsteuer für die Kommunen dabei unverändert bleiben. Die Städte und Gemeinden sollen weder zusätzliche Einnahmen erzielen noch Einnahmeausfälle erleiden. Die Verschiebung betrifft vielmehr die Verteilung der Steuerlast zwischen Wohn- und Gewerbeimmobilien.
Kommunen behalten wichtigen Einfluss
Trotz der Reform bleibt ein wichtiger Faktor bestehen: die Hebesätze der Kommunen. Diese werden von den Städten und Gemeinden eigenständig festgelegt und beeinflussen maßgeblich die Höhe der späteren Steuerzahlung. Finanzministerin Wolf betonte daher, dass die tatsächliche Entlastung vor Ort auch von den Entscheidungen der Kommunen abhängen werde. Gleichzeitig zeigte sie sich überzeugt, dass Wohneigentümer insgesamt von der Reform profitieren werden.
Politisches Signal mit großer Wirkung
Die Neuberechnung der Grundsteuer gehört zu den zentralen Vorhaben der Thüringer Regierungskoalition aus CDU, BSW und SPD. Mit der Reform reagiert die Landespolitik auf die breite Kritik an der bisherigen Ausgestaltung der Grundsteuer und setzt ein deutliches Signal zugunsten von Eigentümern und Mietern.
Für viele Immobilienbesitzer in Thüringen dürfte nun vor allem eine Frage entscheidend sein: Wie stark fällt die persönliche Entlastung tatsächlich aus? Die Antwort darauf werden die neuen Bescheide liefern, die in den kommenden Wochen und Monaten in den Briefkästen der Betroffenen landen werden.