Der Fonds verfolgt eine spezialisierte Absolute-Return-Strategie: Er kombiniert ein sehr defensives Rentenportfolio mit systematischen Volatilitätsstrategien. Ziel ist es, sogenannte „Volatilitätsrisikoprämien“ abzuschöpfen – also die Differenz zwischen der impliziten Volatilität von Optionen und der tatsächlich realisierten Schwankung der Märkte. Dafür nutzt der Fonds vor allem Varianz-Swaps, Volatilitätsswaps und Optionen auf Aktienindizes wie den EURO STOXX 50 oder den S&P 500.
Positives Gesamtbild 2025
Aus Anlegersicht war 2025 für den Fonds insgesamt erfolgreich. Trotz der erheblichen Marktverwerfungen im Frühjahr – ausgelöst durch US-Zolldrohungen und starke Aktienmarktschwankungen – konnte das Management das Volatilitäts-Exposure offenbar kontrolliert steuern. Besonders bemerkenswert ist, dass gerade in einem schwierigen Umfeld ein positiver Renditebeitrag aus der Kernstrategie erzielt wurde. Der Fonds erzielte im Gesamtjahr eine Rendite von +3,47 %.
Zusätzlich stieg das Fondsvermögen deutlich von rund 439 Mio. EUR auf knapp 610 Mio. EUR an. Dies deutet auf starke Mittelzuflüsse und ein wachsendes Anlegervertrauen hin.
Sehr defensives Grundportfolio
Der Fonds ist zu über 90 % in kurzlaufenden Investment-Grade-Anleihen investiert. Viele Emittenten stammen aus dem öffentlichen Sektor oder aus dem Bankenbereich mit hoher Bonität, darunter deutsche Bundesanleihen, europäische Förderbanken sowie große internationale Finanzinstitute und Konzerne wie Apple, Allianz oder Procter & Gamble.
Positiv aus Risikosicht:
sehr breite Diversifikation,
überwiegend kurze Laufzeiten,
hoher Anteil an staatsnahen oder besicherten Papieren,
begrenztes klassisches Kreditrisiko.
Das Rentenportfolio dient primär als stabiler Ertrags- und Liquiditätspuffer für die eigentliche Volatilitätsstrategie.
Attraktive, aber komplexe Ertragsquelle
Die eigentliche Renditequelle liegt im Verkauf von Volatilität über OTC-Swaps und Optionen. Der Fonds verdient typischerweise Geld, wenn die erwartete Marktvolatilität höher ist als die tatsächlich eintretende Schwankung. Diese Strategie funktioniert langfristig häufig gut, da Anleger bereit sind, für Absicherung dauerhaft Risikoprämien zu bezahlen.
2025 lieferte diese Strategie laut Bericht einen positiven Beitrag von +2,7 %.
Das zeigt:
Das Risikomanagement funktionierte im Krisenumfeld.
Der Fonds konnte erhöhte Volatilitätsprämien nach dem Marktschock nutzen.
Die Strategie besitzt offenbar eine gewisse Robustheit gegenüber kurzfristigen Marktpaniken.
Kritische Risikobetrachtung
Trotz der defensiven Anleihenstruktur ist der Fonds keineswegs risikoarm. Die größten Risiken liegen nicht im Anleiheportfolio, sondern in den Derivatepositionen.
Besonders wichtig:
Der Fonds verkauft systematisch Volatilität („Short Volatility“). Solche Strategien erzeugen oft über lange Zeit stabile Erträge, können jedoch in extremen Marktphasen plötzlich hohe Verluste verursachen. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass Volatilitätsstrategien bei abrupten Marktcrashs massiv unter Druck geraten können.
Der Fonds selbst weist auf folgende Risiken hin:
starke Hebelwirkungen durch Derivate,
mögliche Verluste bei extremen Marktbewegungen,
Kontrahentenrisiken bei OTC-Swaps,
erhöhte Sensitivität gegenüber Marktstress.
Die durchschnittliche Hebelwirkung lag 2025 bei knapp 3. Das ist moderat, zeigt aber, dass die Strategie deutlich stärker wirkt als ein klassischer Rentenfonds.
Rendite-Risiko-Profil
Der Fonds eignet sich aus Anlegersicht eher als:
alternative Ertragsstrategie,
Beimischung im Multi-Asset-Portfolio,
stabilisierende Renditequelle in Seitwärts- oder moderat volatilen Märkten.
Weniger geeignet ist er für:
sehr konservative Anleger,
Investoren ohne Verständnis für Derivate,
Anleger mit geringer Risikotoleranz in Stressphasen.
Die bisherige Entwicklung wirkt solide:
Anteilwertanstieg von 101,28 EUR (2022) auf 122,89 EUR (2025),
kontinuierliches Wachstum des Fondsvolumens,
positive Jahresergebnisse auch in schwierigen Marktphasen.
Gebührenbewertung
Die Verwaltungsvergütung von rund 0,74 % p.a. erscheint angesichts der komplexen Strategie akzeptabel, aber nicht günstig. Für einen spezialisierten Volatilitätsfonds liegt dies allerdings im marktüblichen Bereich.
Fazit aus Investorensicht
Der „finccam Volatility Premium“ präsentiert sich als professionell gemanagte Alternative-Return-Strategie mit defensivem Rentenunterbau und aktiver Nutzung von Volatilitätsprämien. Die Ergebnisse 2025 zeigen, dass das Management auch in turbulenten Marktphasen kontrolliert agieren konnte.
Die Strategie besitzt jedoch ein wesentliches Merkmal, das Anleger verstehen müssen: Sie sammelt kontinuierlich kleine Risikoprämien ein, trägt dafür aber das Risiko seltener, potenziell heftiger Verlustphasen. Genau deshalb ist der Fonds eher als Ergänzung eines diversifizierten Portfolios geeignet – nicht als alleinige Kernanlage.
Für erfahrene Anleger mit Verständnis für alternative Risikoprämien kann der Fonds eine interessante Quelle stabiler Zusatzerträge darstellen. Für klassische Sicherheitsinvestoren bleibt die Komplexität und das Tail-Risiko jedoch ein wichtiger Vorbehalt.