Gold kaufen mit 72% Rabatt? Das verspricht das Goldhandelshaus Trust Gold International, kurz TGI. Ganz schön offensiv wirbt TGI mit diesem Angebot auf etlichen Social-Media-Kanälen. Und das auch noch mit bekannten Gesichtern von deutschen Promis wie Oliver Pocher. Angeblich haben bereits 35.000 Menschen zugeschlagen. Das ist nicht überraschend, denn gerade in Krisenzeiten und Kriegen wie jetzt, da gilt Gold für viele Anleger als sicherer Hafen.
Auch wenn der Goldpreis im letzten Monat ungewöhnlich stark geschwankt hat, ist er doch innerhalb eines Jahres um rund 50% gestiegen. Da ziehen solche lockenden Angebote eben viele Menschen an, die gerade von diesem Trend profitieren wollen. Aber 72% Rabatt, kann das wirklich sein? Beim Handelsblatt werden wir bei solchen Angeboten ja erstmal stutzig. Und deswegen wollen wir uns das heute mal genauer anschauen. Zusammen mit Judith Henke, die im Team Geldanlage und Märkte über Rohstoffe berichtet, und zusammen mit meinem Kollegen Lars Martennagel aus dem Investigativ-Team.
In diesem Podcast sprechen wir alle zwei Wochen über die großen Streitfälle der deutschen Wirtschaft. Wer dahinter steckt, wie sie dahin gekommen sind und welches System das zugelassen hat. Mein Name ist Solvay Gode und damit herzlich willkommen zu Handelsblatt Crime.
Hallo nach Berlin, Lars.
Hallo nach Düsseldorf, Solvay.
Und wir haben heute noch einen zweiten Gast, unsere Kollegin Judith Henke. Die ist uns aus Frankfurt heute zugeschaltet. Sie berichtet von dort aus als Geldanlageredakteurin über Rohstoffe. Also zum Beispiel, wenn wir in unserem Finanz- und Nachrichten-Podcast Handelsblatt Today, wenn es da mal wieder um den Goldpreis geht, dann rufen wir immer Judith an. Also hallo Judith, schön, dass du da bist.
Ja, hallo, danke, dass ich dabei sein kann.
Ihr beiden, bevor wir jetzt ins Thema einsteigen, will ich noch ganz kurz eine tolle Nachricht mit unseren Hörern teilen. Wir verlängern nämlich unsere Live-Tour mit Handelsblatt Crime und wir kommen in drei neue Städte. Wir kommen nach Hamburg ins traditionelle Unsorgtheater und zwar am Montag, den 8. Juni 2026. Am 9. Juni, einen Tag später, kommen wir nach Köln ins Gloria Theater. Da war ich auch schon mal. Das ist auch ein sehr schöner Club. Und dann auch wieder einen Tag später am 10. Juni nach Frankfurt in den Club der MyTicket Jahrhunderthalle.
Und Lars, wir zwei, wir waren ja jetzt auch schon mal bei einem Live-Podcast in Berlin zusammen und in Düsseldorf. Das war ja total schön, da mit unseren Fans persönlich in Kontakt zu kommen. Wie fandest du es denn?
Ja, es ist eine ganz neue Erfahrung, ja. Die Nähe und die Begeisterung bei den Hörern für diese doch durchaus komplizierten Wirtschaftsthemen ist wirklich total faszinierend und schön zu sehen. Das hat uns wirklich total viel Spaß gemacht, mit Ihnen da persönlich auch danach noch mal lange ins Gespräch zu gehen und ihm Fragen zu beantworten. Also ja, wir hoffen, dass wir da viele von Ihnen sehen.
Übrigens, der Club in der Jahrhunderthalle, der hat ja auch eine sehr lange Historie. Das ist, der hat auch so eine Bar im Sixties-Style. Und ich habe gehört, da hat angeblich Frank Sinatra früher schon seinen Gin getrunken.
Also heute geht es aber um einen aktuelleren Fall, nicht um einen Fall aus den 60ern. Lars, rum geht es heute?
Ja, das Thema ist heute sehr ernst, aber trotzdem zugleich auch ziemlich abgefahren. Vielleicht wird das auch sogar mal irgendwann ein Fall für die Bühne. Also kleiner Teaser, uns begegnet heute in der Sendung ein Mann, der angelt mit seinem Ehering nach Fischen. Das ist kein Witz. Ich will das noch nicht auflösen. Wir kommen dann nachher einfach mal drauf zurück.
Genau, auf diesen Clip kann man sich auf jeden Fall noch freuen. Das kommt aber später. Lasst uns jetzt mal von vorne anfangen.
Anfang März habt ihr ja gemeinsam mit Sönke Iversen, also dem Leiter unseres Investigativteams, eine große Geschichte über TGI veröffentlicht. Und ihr habt mir vor der Aufnahme erzählt, dass ihr eigentlich erst durch einen Werbefilm mit Oliver Pocher, also dem deutschen Komiker, auf diesen Goldhändler in Liechtenstein aufmerksam geworden seid. Was sieht man denn in diesem Clip?
Also der Film, das Filmchen, das ist bei Instagram veröffentlicht worden von der Firma TGI. Und zu sehen ist eben der Herr Pocher und der TGI-Chef Helmut Kaltenegger. Das ist ein Mann, so Anfang 60, mit einer großen, runden, markanten Brille. Und die beiden hantieren in diesem Clip mit so einem kleinen 50 Gramm Goldbarren. Und ich glaube, den Rest können wir uns einfach mal anhören. Bis zum nächsten Mal.
Okay, dazu auch diese epische Musik. Das klingt ja echt so, als hätte der Helmut Kaltenegger richtig was zu verschenken und als ob es quasi ein No-Brainer sei.
Judith, du berichtest ja für uns seit Jahren über den Goldpreis zum Beispiel. Wenn du jetzt diese Werbung hörst, was geht dir da durch den Kopf?
Also mein erster Impuls war, dass da etwas nicht stimmen kann. Denn kein Goldhändler der Welt verschenkt sein Edelmetall oder verkauft es mit absurden Rabatten von 72 Prozent. Also wenn Herr Kaltenegger solche Kampfpreise bieten könnte, dann müssten die ganz großen Investoren der Welt bei ihm Schlange stehen. Mehr noch, dann würden wahrscheinlich Deutschland und andere Staaten bei ihm ihre nationalen Goldreserven auffüllen. Und ja, da dachte ich mir, die Sache hat sehr wahrscheinlich einen Haken.
Ja, es ist ja oft so, wenn die Dinge zu gut klingen, um wahr zu sein. Aber da gehen wir nachher noch mal darauf ein. Der Werbeclip hier, der war jetzt, naja, sagen wir mal sehr komprimiert. Erzählt doch mal, was ist die TGI, über die wir heute sprechen wollen, für eine Firma und wie sieht ihr Geschäftsmodell eigentlich konkret aus?
Ja, die TGI, das ist eine Aktiengesellschaft. Die sitzt in Lichtenstein, dort in der Hauptstadt Waduz, in einer Fußgängerzone, direkt unterhalb des Schlosses des Fürsten. Also der kann sozusagen dem Goldhändler von oben aufs Dach schauen. Ja, in Lichtenstein sicherlich einer der besten Adressen. Die TGI-Anteile, also die Aktien, die gehören mehrheitlich Herrn Kaltenegger und seiner Frau. Der Helmut Kaltenegger, der Helmut aus dem Clip, der ist dann auch der Präsident des Verwaltungsrats.
Und ja, zu den Geschäften, die TGI handelt ganz normal mit Gold, wie man das kennt, durch Ankauf und Verkauf. Aber das eigentlich Besondere sind so Rabattmodelle, die, die vertreiben. Und vielleicht noch, weil wir ganz viel TGI sagen werden in diesem Podcast, die Abkürzung steht für Trust Gold International. Und Trust, das wissen, glaube ich, die meisten Hörerinnen und Hörer, das ist das englische Wort für Vertrauen.
Ja, und Vertrauen ist bei diesen Rabattmodellen wirklich sehr nötig. Also der Kunde bezahlt zwar gleich zum Vertragsabschluss sein Gold, aber erhält es erst zum Teil drei Jahre später geliefert, je nach Rabattmodell. Es ist also ein Vorkassegeschäft. Und in diesen drei Jahren, da will dann die TGI die monatlichen Rabatte ausschütten. Also das sind dann diese zwei Prozent Rabatt über 36 Monate, die Helmut Kaltenegger da eben in diesem Video mit Oliver Pocher versprochen hat.
Ja, genau. Und dieses Geschäft soll laut TGI ausgezeichnet laufen. Also auf der Homepage, da ist von 35.000 Kunden die Rede, die würden sich schon über die Rabatte freuen. Und rund 70 Millionen Euro habe man bereits ausgezahlt.
Und kriegt man diese Rabatte dann auch in Gold oder in welcher Form?
Nein, die gibt es in Cash. Also Helmut Kaltenegger nenne ich das einen Zielkaufrabatt. Ja, wir können uns eben anhören, was er selbst dazu sagt. Die TGI, die veröffentlicht so kleine Clips von ihm auf ihrer Webseite. Also sozusagen der Chef persönlich spricht zum Kunden. Und das Muster ist dann immer gleich. Er stellt sich selbst die Frage und gibt dann die Antwort darauf.
Was ist ein Zielkaufvertrag? Sie bestellen Ihre Grammatur nach Ihrem Wunsch. Sie zahlen und gehen einen Vertrag ein mit TGI auf 36 Monaten. In den 36 Monaten, wo Sie auf Ihr Gold warten, bekommen Sie jedes Monat einen Zielkaufrabatt. Das heißt, Sie bekommen rückwirkend jedes Monat einen Rabatt auf Ihre Kaufsumme. Und das Monat für Monat. Und nach 36 Monaten haben Sie immerhin bei 2 Prozent 72 Prozent Rabatt wieder bekommen an Ihrer Kaufsumme. Und dann wird das Gold geliefert.
Okay, also abgesehen jetzt mal davon, dass die Grammatik vielleicht ein wenig holprig klingt. Aber als mir persönlich wäre das jetzt ein bisschen zu riskant. Also man weiß ja nie, ob man dann nach drei Jahren wirklich das Gold bekommt.
Ja, das ist alles eine Frage des Vertrauens eben. Helmut Kaltenegger ahnt natürlich, welche Sorgen du und auch andere potenzielle Käufer haben. Und deshalb bietet er eine ganz besondere Sicherheit an. Er sagt nämlich, dass das Gold direkt nach dem Vertragsabschluss gekauft werde und dann für die Wartezeit eingelagert werde.
Ja, wo wird er Gold gelagert? Nach der Bestellung und Zahlung sind Sie ja Besitzer des Goldes und beauftragen uns, das Gold zu lagern und deponieren bei unseren Partnern.
Okay, das Dergold lassen wir jetzt auch mal so stehen. Aber wer sind denn diese Partner?
Also laut Webseite sind es drei Unternehmen und eine eigene Mine. Also die zwei Unternehmen sollen in Ghana sein. Das sind angeblich langjährige Partner. Dann gibt es eine Beteiligung in Sambia und angeblich eben auch diese eigene Mine in Guayana. Und das alles sind natürlich ganz solide Firmen, sagt jedenfalls der Herr Kaltenegger.
Ja, von wo stammt das Gold? Das Gold kommt aus Ghana, wo das Rohgold zu unserem Partner in die eigene Raffinerie kommt. Dort wird dann das Bulliengold gemacht, kommt dann zu uns nach Europa und somit zu Ihnen.
Also das Gold der Kunden wird also offenbar bei Partnern in Ghana eingelagert. Also eine dieser Firmen heißt Gold Crest Refinery Limited, die andere Golden Empire Legacy Limited. Und wir sind hier im Prinzip schon wieder gleich beim Thema Vertrauen. Also diese Partnerfirmen, das ist alles ziemlich weit weg von Deutschland und auch ziemlich weit weg von Lichtenstein.
Und nun ist es ja so, wir haben es jetzt bei Handelsblatt Crime nicht so mit blindem Vertrauen. Deswegen haben wir natürlich den Herrn Kaltenegger gefragt, ob wir mal Belege einsehen können, dass es denn das Gold auch wirklich gibt bei seinen Partnern. Und haben ihn auch gebeten, dass er uns vielleicht mal erklärt, wie die Dokumentation geführt wird und wo genau das Gold eingelagert ist und so. Aber zu solchen Detailfragen hat er uns vor unserem ersten Bericht nichts geantwortet.
Ich kann kurz aus den AGB zitieren. Darin heißt es, das verwahrte Gold wird dabei klar dem jeweiligen Vertragspartner zugewiesen und getrennt vom Eigen- und Handelsbestand der TGI verwahrt. Mit Vertragspartner ist in dem Fall nicht die Firma in Ghana gemeint, sondern tatsächlich der Goldkäufer. Das heißt, das Gold ist nach Goldkäufern sortiert irgendwo aufbewahrt.
Ja und so würde man das jetzt auch vermuten. Also eigentlich müsste man sich so vorstellen, man hat einen Safe-Raum und jeder Goldkäufer hat da seinen Namen oder seine Kundennummer mit einem kleinen Fach und da liegt dann das Gold drin. So und das müsste sich ja eigentlich jetzt prüfen und dokumentieren lassen, beispielsweise von Wirtschaftsprüfern oder so. Aber wie gesagt, auf unsere Fragen hin sind wir da nicht viel weitergekommen.
Ja, was auch merkwürdig ist, ist, dass es gibt noch einen weiteren Satz auf der Website der TGI. Ja und da steht, ich lese vor, wir liefern ausschließlich 24 Karat Feingold-Barren. Je nach Grammatur erhalten Sie entweder handelsübliche Barren nach Good Delivery Standard oder Barren aus LBMA-akkreditierten Raffinerien.
Okay, das sind jetzt für mich ein paar Begriffe, die musst du einmal bitte erklären.
Ja, LBMA und Good Delivery, das sind Qualitätsstandards beim Gold. Die erreichen nur bestimmte Raffinerien. Also LBMA ist die London Bullion Market Association. Das ist der wichtigste außerbörsliche Handelsplatz für Gold. Dort wird auch täglich der Goldpreis ermittelt. Und Standardbarren der LBMA haben ein hohes Gewicht und eine hohe Feinheit. Ja, ein Feinheit, die Marke des Herstellers und die Barrennummer müssen auf dem Barren eingestanzt sein.
Und die Feinheit ist wahrscheinlich so der Reinheitsgrad, also wie viel reiner Goldanteil in so einem Barren drin ist?
Ja, genau. Und dann gibt es eben noch dieses internationale Gütesiegel, Good Delivery. Und das garantiert die aufgeprägten und eingestanzten Merkmale wie Feinheit und Gewicht sowie die, das ist auch noch wichtig, ständige ununterbrochene Aufbewahrung in akzeptierten Lageranstalten und nur diese Barren mit diesem Good Delivery-Status. Die werden weltweit akzeptiert und gehandelt.
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Okay, verstehe. Daran erkennt man dann also quasi, was so sicheres Gold ist, würde ich jetzt mal sagen. Das ist dann aber ja doch eigentlich eine gute Nachricht für die TGI-Kunden, wenn sie ihr Gold nach diesen höchsten Gütekriterien bekommen, oder?
Ja, nur das Problem ist, die angeblichen Partner der TGI können Barren dieser Qualität gar nicht herstellen. Die fehlen nämlich in den offiziellen Listen der LBMA für diese Standards. Wir haben da extra nachgeschaut.
Okay, also verstehe ich das jetzt richtig? Die TGI lagert für die Kunden angeblich Gold einer vermeintlich versprochenen Qualität ein, das die eigenen Partner aber gar nicht herstellen können. Das geht ja dann gar nicht.
Naja, vielleicht schon. Also mal rein hypothetisch, wenn die TGI das Geld der Kunden eingenommen hat und mit diesem Geld bei dritten Händlern jetzt LBMA und Good Delivery Gold kauft, also das Gold dieser Qualität, ja, das dann zu den Partnern in Ghana bringt und dort für drei Jahre einlagert, dann könnte das natürlich stimmen. Aber in dem Fall geht die Rechnung halt an einer anderen Stelle nicht auf. Denn jetzt ist ja so, die TGI muss ja irgendwie Geld verdienen. Und dieses ganze Geschäft erweckt ja den Eindruck, dass man das Kapital der Kunden nimmt, um damit zu wirtschaften. Aber das geht ja nicht, wenn man sozusagen mit dem Geld gleich Gold kauft, das Gold in Safe tut, dann sind die Barren halt weg. Es liegt alles still und das Kapital ist gebunden.
Ja, verstehe. Aus welchem Kapital erwirtschaftet denn die TGI dann die Gelder, die jetzt als Rabatte dann ja in Cash an die Kunden ausgezahlt werden?
Ja, das ist die große Frage. Also die TGI sagt, sie betreibt ein operatives Geschäft. Da sei Goldhandel dabei, da sei Goldförderung dabei, Schürfen. Aber wie gesagt, wenn das Kapital der Kunden im Goldbarren am Safe liegt, dann steht es ja dafür nicht zur Verfügung. Also ich kann die Frage nicht so einfach beantworten.
Und selbst wenn wir annehmen, dass dieses operative Geschäft für die TGI wahnsinnige Gewinne abwirft, sodass Kaltenegger damit den Kunden ihre Rabatte querfinanzieren könnte, dann stellt sich die Frage, warum soll er das tun? Also das wäre ja völlig unsinnig. Also erst parke ich Geld von Goldkäufern in LBMA-zertifizierten Goldbarren. Dann mache ich davon völlig unabhängig ein Megageschäft mit Minen und im Goldhandel. Und dann gebe ich aber meine Profite einfach als Subvention weg, indem ich sie als Rabatte an die Kunden ausschütte, an denen ich wiederum nichts verdiene.
Ja, also das entbehrt jetzt irgendwie auch für mich jeder Logik. Es müsste doch eigentlich vielleicht Herr Kaltenegger erklären können, oder?
Ja, richtig. Aber wie gesagt, ist was Auskünfte angeht uns gegenüber sehr zurückhaltend.
Wir haben uns dann mal die allgemeinen Geschäftsbedingungen angesehen und da sind wir dann auf ein paar andere auffällige Regelungen gestoßen. Also da steht dann unter anderem Folgendes, obwohl die Kunden halt drei Jahre lang ihr Gold nicht zu sehen bekommen, tragen sie offenbar nach dem Vertragsabschluss schon die volle Verantwortung dafür. Also in den AGBs heißt es dann, ich zitiere, alle wesentlichen Risiken der Lagerung und der Verwahrung und der späteren Auslieferung, die gingen auf den Käufer über. Und die Lager, die könnten dann im In- und Ausland liegen und die Käufer übernehmen zusätzlich laut diesen AGBs auch die, Zitat, politischen und wirtschaftlichen Länderrisiken sowie Transportrisiken.
Wir haben auch einen Absatz aus dem AGB mal mitgebracht, können wir auch mal reinhören. TGI verpflichtet sich, die Auswahl des Lagerpartners und die Organisation der Verwahrung mit der gebotenen kaufmännischen Sorgfalt vorzunehmen. TGI übernimmt keine weitergehende Haftung für den Bestand, die Unversehrtheit oder die jederzeitige Auslieferbarkeit des eingelagerten Goldes, sofern keine vorsätzliche Pflichtverletzung oder grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen wird. Insbesondere haftet TGI nicht für Umstände, die im Einflussbereich des Lagerpartners oder durch höhere Gewalt eintreten.
Ja, und da sind wir wieder beim Thema Vertrauen. Wir erfahren zwar nicht, wo das Kundengold genau ist, aber der Kunde trägt wesentliche Risiken. In den AGB gibt es 14 Risikohinweise und Haftungsausschlüsse, wofür die TGI keine Verantwortung übernehmen will. Aber immerhin, das Maximalrisiko ist dort angegeben. Das heißt dort, ein wirtschaftlicher Verlust bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist nicht ausgeschlossen, insbesondere bei einem späteren Verkauf unter dem Einstandspreis.
Naja, immerhin dieses Totalausfallrisiko ist da angegeben. Aber diese insgesamt ja 14 Risikopunkte, was ja nicht wenig ist. Ich vermute mal, dass Herr Kaltenegger dazu hoffentlich auf der Website in diesen kurzen Frage- und Antwortclips, wo er ja auf alles die Antwort hat scheinbar, dass er darauf hinweist.
Ja, so richtig geht es da nicht um die Risiken. Aber wir können ja gerne mal reinhören, was er zum Thema Sicherheit zu sagen hat.
Ja, die TGI AG steht auf unglaublich sicheren Beinen. Durch unsere zwei Partner, die wir gewonnen haben und vielen Jahren schon jetzt sehr, sehr erfolgreich zusammenarbeiten. Und durch die eigenen Minen, die wir in Südamerika und jetzt dann in Kürze auch in Ghana besitzen.
Tja, heißt wohl so viel wie alles ganz sicher. Diese 14 Punkte hat er nicht einzeln aufgelistet. Also vertrau mir, alles wird gut. Aber das Risikotricks hat doch besser du Kunde.
Okay, also auch wieder hier eine Sache des Vertrauens. Aber Kontrolle ist ja eigentlich besser. Was sagen denn Experten und Verbraucherschützer dazu?
Ja, die sind tatsächlich alle extrem skeptisch. Wir haben auch über die Widersprüche der Geschäftslogik gesprochen und die sehen die natürlich auch. Also ich zitiere zum Beispiel hier Nils Nauhauser. Das ist der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der sagt, ich zitiere, kein seriöser Anbieter kann solche Zusagen über mehrere Jahre garantieren. Derartige Versprechen sind ein absolut eindeutiges Warnsignal.
Und er verweist dann auch nochmal auf die Kosten. Denn TGI bezahlt nach eigener Darstellung zusätzlich Provisionen an Vermittler und sogenannte Empfehlungsgeber. Da kommen wir noch gleich drauf. Und was auch wichtig ist, die sichere Lagerung von Gold, die müsste eigentlich Kosten verursachen. Das sagt zum Beispiel Michael Eubel, der Leiter der Abteilung Sorten und Edelmetalle bei der Bayerischen Landesbank. Er wählt da sehr deutliche Worte. Er sagt, ich zitiere, das stinkt doch zum Himmel. Denn es ist in Finanzkreisen eine Binsenweisheit. Gold wirft keine laufenden Erträge ab, wie zum Beispiel Anleihen oder Tagesgeld, sondern Gold verursacht erstmal durch die Lagerung zusätzliche Kosten. Weil es eben etwas physisches ist. Das darf man ja nicht vergessen.
Genau. Und man will ja, dass es sicher gelagert ist und nicht gestohlen wird. Kam ja auch schon vor.
Ja, und im März 2025 hat die Stiftung Warentest die TGI auch in ihre Warenliste Geldanlage aufgenommen.
Ja, okay. Also die sind jetzt zum Beispiel auch schon mal auf die TGI aufmerksam geworden. Das ist ja auch immer nicht so ein gutes Zeichen. Was sagt denn Oliver Pocher dazu?
Ja, der ist offenbar recht entspannt. Sein Sprecher schrieb uns, es habe sich bei dem Spot für die TGI um einen Zitat einzelnen Auftritt im Rahmen des Wiener Opernballs gehandelt. Zumindest, das können wir insofern prüfen. Wir haben Fotos gefunden, wo das Ehepaar Kaltenegger so wie Herr Pocher und an der Begleitung in Abendgarderobe zu sehen sind, da beim Opernball. Pochers Sprecher war es dann aber doch wichtig, ein bisschen herauszustreichen, dass man jetzt jenseits des Feierns nicht so eng sei.
Ja, also er hat uns dann geschrieben, Herr Pocher ist weder Gesellschafter noch operativ in das Unternehmen TGI eingebunden. Eine Investition liegt nicht vor. Was er nicht beantworten wollte, ist die Frage, wir sind ja neugierig, was Herr Pocher eigentlich mit diesem Werbegig verdient hat.
Ja, das hätte mich jetzt auch interessiert, das wäre meine Frage gewesen, weil er ist ja bestimmt für Werbung wahrscheinlich entlohnt worden. Na gut, aber was ich da auch raushöre, also die Kalteneggers gehen zum Opernball. Das klingt ja schon nach guter Vernetzung in feinster Wiener Gesellschaft.
Ja gut, ich wundere mich manchmal, wer sich da so rumtreibt. Aber ja, die beiden sind in Österreich durchaus bekannt, aber eher so wie bei uns die angeblichen TV-Millionäre die Geissens. Die Kalteneggers haben sogar eine TV-Show. Der Streamingdienst Join veröffentlicht eine Serie mit dem Titel Die Kalteneggers, eine Familie wie ein Goldrausch.
Lass uns doch mal in einen Zusammenschnitt der ersten Folge reinhören. Mit dem Lambo zum Porsche kaufen. 79.900, 25 machen wir Anzahlung. Nur Bares ist Wahres. Wenn das die Katharina weiß, dass ich so mit dem E-Ring umgehe. Angelblei für 5.000 Euro. Oh Mama mia, habe ich heute glaube ich den Stress mit der Katharina.
Also man sieht Herrn Kaltenegger, wie er mit Bargeld einen Porsche kauft und am Ende, wie er mit seinem 5.000 Euro teuren Ehring angelt und dabei einen winzigen Fisch an Land zieht.
Ja und da haben wir doch ein ganz gutes Bild, was das für eine Doku ist. Die Serie funktioniert so nach dem Muster wie die Geissens. Es wird die ganze Zeit geprotzt, geprahlt, Geld ausgegeben, schrill gestritten. Und es soll also sozusagen zeigen, was das für eine ganz tolle, erfolgreiche Geschäftsfamilie ist.
Und wie sollte es anders sein? Es geht dann auch um Rennwagen. Denn die TGI, die sponsert auch ein Rennteam bei der DTM. Die Rennserie ist früher bekannt als Deutsche Tourenwagen Masters. Und die Autos, die mit TGI-Logo fahren, was könnte das anderes sein als Lamborghinis? Natürlich.
Und man muss einfach sagen, das sind natürlich auch alles Werbewege. Das sind auch Wege, Menschen anzusprechen. Auch diese Fernsehserie ist letzten Endes, weil der Familie Kaltenegger so präsent ist und die heißt ja auch wie im Goldrausch. Das kannst du fast gar nicht trennen von dem eigentlichen Geschäft vom Herrn Kaltenegger.
Ja, wir kennen das ja auch aus anderen anderen Fällen hier im Podcast. Also Statussymbole und das Bild nach außen, das beeindruckt die Leute, das zieht sie an, das veranlasst sie vielleicht auch dazu eben Kunde zu werden. Und dann kommt ja auch noch dieser koordinierte Auftritt über die Social Media Accounts von denen hinzu. Also auf TikTok sind sie aktiv, Instagram und YouTube. Und da inszeniert sich das Unternehmen als moderner Goldhändler, kann man sagen. Und auch auf Facebook, LinkedIn und X sind sie unterwegs. Und da hat TGI laut eigener Auskunft mehr als 10.000 Follower.
Ja, die machen da schon richtig Ballett. Und man kann, wenn man da dann reinguckt in die Kanäle auch sehen, wie sich so Kontroversen im Zweifel ja möglicherweise auch ganz gut fürs Geschäft auswirken. Also nehmen wir nur mal diesen Pocher-Post in ihrem Instagram-Kanal. Da gibt es dann also jede Menge Kommentare daneben und das schwankt halt zwischen irgendwie ganz scharfer Ablehnung. Also Zitat, das kann nur ein Scam sein, Ausrufezeichen. Und komplett blinden Vertrauen andererseits. Ja, sowas wie Best Investment Ever. Einer hat da den Kaltenegger direkt angesprochen und geschrieben, danke du geiler Typ.
Und was uns aufgefallen ist, wenn man so durchscrollt, viele, die da positiv kommentieren, die scheinen selbst Gold gekauft zu haben, weil die das halt dann sich auch da outen und sagen, ja, bin schon seit Jahren dabei und das funktioniert bestens. Aber wenn die natürlich schreiben, es funktioniert bestens, dann meinen die in erster Regel natürlich die Rabatte, die sie Monat an Monat auf dem Konto sehen.
Ja, beim Vertrieb macht mich noch etwas anderes misstrauisch.
Was denn? Ich ahne schon, was es ist. Du hast es vorhin kurz angerissen, glaube ich. Da geht es ja um dieses Weiterempfehlungsmodell, oder?
Ja, genau. Also neben Social Media gibt es eine Art Strukturvertrieb, der allen Interessenten offen steht. Die Vertriebspartner werden sogenannte Empfehlungsgeber. Und Herr Kaltenegger erzählt auf der Website, dass die Partner ausgezeichnet verdienen können.
Ja, was kann man als Empfehlungsgeber verdienen? Also wir haben in den letzten Jahren viele Empfehlungsgeber, die jedes Monat hunderte Euros dazu verdienen. Natürlich auch schon sehr viele mit vielen Tausenden jedes Monat dazu verdienen. Und wir haben auch stolze Empfehlungsgeber, die finanziell unabhängig werden und die im Jahre jenseits von über Millionen verdienen.
Stolze Summen. Auf jeden Fall. Das viele Geld für den Vertrieb muss auch irgendwoher kommen. Die TGI bedient sich der klassischen Akquise. Am 30. Oktober 2025 hat der Goldhändler ins Abacus Tierparkhotel in Berlin eingeladen. Ziel der Veranstaltung war offenbar der Ausbau des Vertriebs. Rund 80 Gäste kamen. Und damals war ein TGI-Geschäftsführer namens Michael Ewi in Berlin und der erklärte die hohen Gewinnmargen mit, wir sind ständig am schürfen. Also Gold schürfen.
Ja, ja, genau. Übrigens dürfen Vertriebler selbst dann Honorar abrechnen, wenn sie innerhalb der eigenen Familie TGI Gold verkaufen. Im FAQ auf der Website heißt es dazu, ich lese das vor, ja, die Empfehlung von Familienmitgliedern ist zulässig.
Oh je, wir haben hier oft im Podcast besprochen, dass man sich vielleicht lieber nicht von Familienmitgliedern in Investments locken lassen sollte.
Tja, das ist auch irgendwie wieder die Frage des Vertrauens. Also ist ja klar, wem vertrauen die Menschen am meisten, wenn nicht den Liebsten. Und wenn da mal ein Tipp kommt und offenbar weiß man das bei der TGI auch.
Wenn ich jetzt einmal so ein bisschen das resümiere, was wir hier sehen. Also eine angeblich sichere Einlagung von Gold, aber ohne Belege, die man uns zeigt. Ja, eine Art Verzinsung, während die Käufer auf die Auslieferung warten. Ein sehr umtriebiger Strukturvertrieb, auch in Social Media. Und ein ziemlich schwer zu durchschauendes Geschäftsmodell. Ja, dann, wie soll ich sagen, ich habe sowas schon mal so ähnlich erlebt. Das war 2019 bei der PIM-Gold. Das ist mir halt noch sehr präsent, weil ich damals mit Judiths Vorgänger, dem, als Rohstoffreporter, dem Jakob Blume dazu sehr viel berichtet habe.
Ah ja, stimmt. Das war doch der Fall, bei dem am Ende zwei Tonnen Gold weg waren, oder? Also ich weiß noch, dazu habt ihr auch damals eine Handelsbad Crime-Folge gemacht. Die verlinken wir auch in den Shownotes, wenn man die mal nochmal hören will. Kannst du aber nochmal kurz erzählen, worum ging es bei diesem PIM-Skandal damals?
Ja, PIM war ein Goldhändler in Heusenstamm in Deutschland. Und die hatten dann auch so ein Geschäftsmodell. Die Kunden mussten da ein Jahr auf ihr Edelmetall warten und haben in dieser Zeit sogenanntes Bonusgold erhalten. Das Konzept nannte sich irgendwie so Goldsparplan. Und die nötigen Erträge, die wollte PIM mit dem Handel von Altgold und Schmuck erwirtschaften. Und auch damals war schon das Problem, dass man so ein Sicherungsversprechen getätigt hat. Dass man gesagt hat, das Gold liegt ja eigentlich im Safe, sicher. Und dass wir uns gefragt haben, ja womit wird denn dann diese Rendite eigentlich erwirtschaftet, wenn das Geld der Kunden im Goldbarren im Safe liegt, ja?
Ja.
Und als die Polizei dann später zur Razzia anrückte und den Tresorraum durchsuchte, da fiel dann eben auf, dass da, ich glaube es waren sogar fast drei Tonnen Gold gefehlt haben. Ja. Und das war ein Megaskandal. Da waren 7000 Kunden betroffen. Schaden roundabout 150 Millionen Euro. Und das hat auch für die Verantwortlichen von PIM-Gold nicht gut geändert. Im Dezember 2022 hat das Landgericht Darmstadt den Ex-Chef wegen tausendfachen Betrugs zu fast sieben Jahren Haft verurteilt.
Wir haben jetzt also auch die TGI mal nach PIM gefragt und ob man den Fall kennt und ob sie dazu vielleicht was sagen möchten. Und das wollten sie dann auch. Und ich lese das vor. Die Suggestion einer strafbaren Handlung, insbesondere die implizite Gleichsetzung der TGI AG mit verurteilten Betrügern, weisen wir auf das Schärfste zurück. Es könnte ja auch noch bei der TGI ganz anders ausgehen.
Die Kalten Eggers haben ja aber tatsächlich schon Erfahrung mit der Justiz, aber eigentlich eine gute Erfahrung für sie.
Ja, denn vor der TGI in Lichtenstein betrieb das Ehepaar den Goldhändler GGMT in Österreich. Und auch dort wurde Kunden ein Modell mit hohen Rabatten versprochen, so fern sie nach dem Kauf eine längere Zeit auf die Auslieferung ihres Goldes warteten. Und als die Käufer ihr Edelmetall aber nicht erhielten, landete der Fall vor dem Landgericht in Wien.
Aha, also wir haben schon mal einen sehr ähnlichen Fall und da haben die Kunden in diesem Fall das Gold nicht bekommen?
Ja, also die Staatsanwaltschaft hatte dem Ehepaar vorgeworfen, rund 21.000 Kunden geschädigt zu haben. Das Verfahren am Landgericht Wien endete aber mit einem Freispruch.
Okay, ich meine, sowas kann natürlich sein. Okay, ich meine, sowas kann natürlich sein. Es gibt immer wirtschaftliche Gründe, warum sowas passieren kann. Aber das mag jetzt wahrscheinlich wenige Anleger trösten, aber die Kalten Eggers dürften sich wahrscheinlich gefreut haben.
Ja, das ist halt mit Hochrisikoinvestments so. Also wenn man jetzt in ein Geschäftsmodell investiert, das ganz klassisch irgendwie das Goldschürfen im Ausland vorsieht, Geld dafür einsammelt und dann geht da irgendwas schief bei der Mine, die wird geflutet, dann kann das natürlich in die Katastrophe führen.
Interessant fand ich, wie der Helmut Kaltenegger dann auf dieses Urteil reagiert hat. Ja, der hat da so regelrecht gejubelt und das kann man auch ein Stück weit verstehen. Ja, also so Wirtschaftsstrafprozesse, das dauert ja. Der hat da irgendwie mehrere Jahre so ein Prozess über sich ergehen lassen. Ja, und das ist natürlich unangenehm und bis in Medien. Und er hat dann aber relativ schnell und ziemlich konsequent sozusagen auch begonnen, den Freispruch, sag ich mal, zu seinen Gunsten und zum Gunsten seines Geschäfts umzumünzen.
Ja, also nur so eins zum Beispiel. Er hatte in Österreich recht prominente Strafverteidigerin, die Linda Poppenwimmer und die hat er dann nach dem Freispruch zu seinem YouTube-Kanal geholt und hat sie dort interviewt. Also die Linda Poppenwimmer, die ist in Wien eine Größe, weil sie auch früher mal als Staatsanwältin bei der Wirtschaftsstaatsanwaltschaft war. Ja, das ist die Behörde, die auch beispielsweise hier den Benko verfolgt und so. Das ist schon eine Hausnummer.
Und nun sitzt sie da im März 25 nach diesem Freispruch im Sessel dem Ehepaar Kaltenegger gegenüber, hinter sich so ein riesen TGI-Logo an der Wand und hört den beiden zu, wie sie also gegen die Medien wettern und zum Prozess was sagen. Und es wird eigentlich ganz deutlich, dass die beiden Kalteneggers sich da schon als Opfer auch gesehen haben.
Und ich sage, wir haben vier Jahre gelitten, die Medien haben uns zerlegt, die Reputation ist tot und, und, und. Ich meine, es kann sich niemand vorstellen. Ja? Weil alle haben gesagt, Helmut, wird schon gut gehen, super, was geht? Das wird schon toll gehen, weil du hast ja nichts gemacht, wir wissen, alles sauber etc. Aber wenn man mal auf der Anklagebank sitzt, ja, ist eine ganz andere Nummer.
Einerseits das und vor allem hatten sie eine doppelte Hürde zu nehmen. Es war ja nicht nur die Aufgabe, einen Freispruch zu bekommen, weil es gibt ja einen Freispruch im Zweifel. Naja, das Ganze ist nicht sauber gelaufen, aber wir glauben ihnen, dass sie es nicht böse gemeint haben. Ja? Das wäre ja nichts gewesen. Das hätte sie ja trotzdem ruiniert in ihrer Reputation. Dann wären sie zwar keine verurteilten Verbrecher, aber schlechte Geschäftsleute. Und daher war ja unser erklärtes Ziel, das wirklich lupenrein darzulegen, dass das Ganze auch hätte funktionieren können und sie nicht nur an etwas ganz fest geglaubt haben. Und das ist uns gelungen.
Ja, und dann passiert in dem Video noch etwas ganz Interessantes. Der Goldhändler überträgt den Freispruch auf seine neue Firma TGI und nimmt seine Interviewpartnerin gleich mal mit in die Verantwortung für die Geschäfte der TGI.
Ja, die Leute während der Verfahren lassen die Maske schon fallen. Nur, was wir gelernt haben ist, dass wir jetzt dreifach hinschauen. Und darum sind wir auch stolz, liebe Katharina, dass wir jetzt die Frau Mag. Poppenwimmer auch bei uns im Boot haben als Firmen. Anwältin. Und da wissen wir, alles was wir jetzt machen, geht durch ihre Hände, schaut sich das noch an, wird es prüfen. Sie werden dann auch, und da bin ich sehr dankbar, mit meiner Frau auch nach Ghana gehen. Goldpreist wird jetzt dann, obwohl vier Jahre funktioniert Goldpreist wirklich sauer. Pünktliche Auszahlungen, alles toll. Aber ich bin sehr froh, wenn unsere Frau Mag. Poppenwimmer das auch noch prüfen wird. Und das jetzt in regelmäßigen Abständen. Modell wie das andere, weil da waren sie Betrüger, das steht überall in der Zeitung etc. Und trotzdem haben wir es geschafft, weil wir immer sauber gearbeitet haben, die Firma zum pushen, zum pushen, zum pushen. Und jetzt gehen wir in ganz andere Galaxien hinein. Weil jetzt, dass das Geschäftsmodell in der anderen Firma bewiesen ist, dass wir sauber gearbeitet haben, dass wir sauberer sind. Und genau das überträgt sich jetzt auf die TGI. Und jetzt geht es jetzt mit der TGI richtig los. So richtig los.
Aber eins ist mir noch ganz wichtig, das muss ich anbringen. Ich habe das Geschäftsmodell nicht geprüft. Das war jetzt eben der Bergbauspezialist vom Gericht, der gesagt hat, das hätte funktionieren können. Das neue Geschäftsmodell kann und darf ich nicht beurteilen. Ich bin kein Bergbausachverständiger. Meine Aufgabe ist und wird sein, und darauf freue ich mich natürlich, dass wir das Problem nicht mehr haben mit mangelnder Dokumentation, sondern dass wirklich lückenlos alle Dokumente, Verträge vorhanden sind, damit man in so eine Situation überhaupt nicht mehr kommt. Und vor allem, dass auch dokumentiert ist, eben wenn ich dann in Zukunft mit Ihnen reise, wie schaut das dort aus vor Ort? Wie ist dort der Schürfbetrieb? Das sind die Dinge, die ich mitmachen kann. Aber eben das Geschäftsmodell selber kann ich und darf ich vom Berufswegen nicht prüfen.
Also es klingt so, als hätte sie da wirklich nochmal Klarstellungsbedarf gehabt. Klingt auch irgendwie so ein bisschen wie nach einem Eiertanz, irgendwie so nach dem Motto, also wie distanziere ich mich jetzt von den Geschäften meines Mandanten und seinen Aussagen, ohne ihn dabei jetzt zu verärgern vor einer laufenden Kamera? Aber ich weiß nicht, vielleicht war ja die Frau Magister Poppenwimmer zwischenzeitlich in Afrika schon und hat die eingelagerten Goldbestände bestätigen können?
Verwies auf die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht.
Ja, das können wir natürlich auch aus anderen Fällen. Sie hat aber nochmal auch sehr deutlich gesagt, dass sie weder wirtschaftlich beteiligt war, noch für das Geschäftsmodell eine inhaltliche Verantwortung getragen hat. Ich zitiere das eben: Auch eine rechtliche Prüfung des Geschäftsmodells der TGI AG durch mich hat nicht stattgefunden. Im Prinzip sagt sie, sie hat nur bei konkreten Einzelaufträgen Prüfungen durchgeführt, vorgenommen, also immer wenn die TGI mit irgendwelchen Fragen zu ihr gekommen ist. Zu Afrika hat sie nichts explizit geschrieben. Aber das ist vielleicht auch einfach nur so ein Gedankenspiel, wenn wir jetzt irgendwie sehen, wie massiv die TGI in Social Media und bei YouTube mit eigener Sendung immer wieder donnerstags und so aktiv ist. Ist es aber insofern vielleicht interessant zu sehen, dass es nie ein Video gegeben hat von der Strafverteidigerin in Afrika. Also das gibt es nicht. Und jetzt kann ja jeder daraus sozusagen seine eigenen Sachen daraus ableiten.
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Ja, ich meine, so aktiv, wie Sie Ihr Leben da dokumentieren, hätte man vielleicht auch die ein oder andere Instagram-Story oder sowas vielleicht dazu gesehen.
Na gut, jetzt habt ihr den ersten Artikel dazu Anfang März dieses Jahres im Handelsblatt veröffentlicht. Das war ein Donnerstag und TGI hatte ja Fragen damals nicht beantwortet, bevor der Artikel online gegangen ist. Dann sendete aber Herr Kaltenegger an diesem Donnerstagabend immer bei YouTube seine Sendung TGI-TV und hat er da vielleicht was zu dem Handelsblatt-Text gesagt? Hat er darauf reagiert?
Also der Begriff Handelsblatt ist in der Sendung nicht gefallen. Kann man jetzt nur mutmaßen, warum nicht? Er hat ein paar Dinge gesagt, wo mich schon das Gefühl beschleicht, dass er damit irgendwie auch uns gemeint haben könnte.
Das funktioniert so. Und darum haben wir ständig den Kampf, ständig die Erklärungen. Ja, gibt es denn die Firma noch in drei Jahren? Ja, die 72 Prozent äußere Blödsinn. Schauen sich aber das nicht an, dass sich das ja in drei Jahren aufbaut. In drei Jahren baut sich das auf. Ja, weil wir könnten auch nicht hergehen und sagen, so, wir geben dir jetzt gleich 72 Prozent Rabatt. Geht ja nicht. Aber es wird uns so hineingedrückt. Ja, überall, wenn du aus diese Journalisten, die keine Ahnung haben, aber nur eine Meinung haben, ja, sagen immer, ja, 72 Prozent aufs Geld. Ja, geht ja eh nicht, Freunde. Liebe Journalisten, das geht nicht. Ja, du kannst nicht 72 Prozent jetzt geben, sondern das baut sich auf, auf drei Jahre.
Ja, also das ist jetzt, da ist jetzt irgendwie viel Medienschelte dabei. Mein Gott, so ist es halt.
Ja, ich habe aber drei andere Dinge da aus diesem Teil der Sendung mitgenommen, die ich irgendwie für ziemlich wichtig halte. Also erstens, Herr Kaltenegger steht zu seinem Geschäftsmodell. Ja, er sagt ja ganz klar, das geht so. Nach drei Jahren, die 72 Prozent, ist das kein Problem. So, das Zweite ist schon wieder so eine Sache, wo ich sage, naja, da bist du nicht ganz ehrlich. Also ich meine, wenn er im Video sich beklagt, dass er ständig den Journalisten was erklären muss.
Hat er ja nicht. Wir aber wissen, dass er unsere Fragen nicht antwortet.
Genau. Dann hat er uns ja nichts erklärt. Ja. So, und sich dann hinzusetzen und darüber zu wettern, das ist schon mal irgendwie, ich nenne es unredlich.
Ja. Und das Dritte, das fände ich auch total faszinierend, was er da macht. Er sagt, die Medien würden so tun, als würde die TGI diesen Rabatt sofort zahlen. Also gleich am Anfang. Und dass das doch ein No-Brainer sei, dass das gar nicht geht und dass man da diese drei Jahre für braucht. Nur, also zumindest wir haben das so nie formuliert. Das ist ein ganz alter Kniff im Bereich von Propaganda, im Bereich von Desinformation, indem man einfach sich hinstellt und was dementiert, was nie behauptet wurde. Ja, da sieht man immer gut bei aus. So muss es ja nicht belegen. Aber ich kann ja nur jedem empfehlen, dann bitte lest auch die Handelsblatt-Berichterstattung dazu und guckt mal, ob das da so steht, was Herr Kaltenegger bestreitet.
Ja, genau. Diese Taktik ist eine alte, die wir schon kennen aus dem Podcast.
Wir haben jetzt viel über Kaltenegger selbst und die TGI gesprochen, aber wir haben noch gar nicht über womöglich Geschädigte gesprochen. Ich frage mich jetzt natürlich, ob es die gibt. Seid ihr da mit Kunden von TGI in Kontakt gekommen?
Ja, das stimmt. Wir haben bislang überhaupt noch nicht über mutmaßliche Geschädigte geschrieben. Wir wissen nicht einmal genau, wie viele Goldkäufer die TGI überhaupt hat. Und auch beim Blick ins Geschäftsmodell liegt auf der Hand, dass es aktuell vielleicht keine Geschädigten geben muss. Denn bislang fließen ja erstmal nur die Rabatte und das Gold muss in den überwiegenden Fällen erstmal nicht ausgeliefert werden. Ob das in den nächsten drei Jahren so bleibt, wird man dann natürlich sehen.
Okay, ich verstehe. Also das liegt auch zum Teil daran, dass die TGI offenbar ein sehr junges Unternehmen noch ist und diese neuen Rabattverträge quasi jetzt gerade erst losgegangen sind und wir eh drei Jahre warten müssten, um zu gucken, ob es dann ausgeliefert wird oder nicht.
Richtig, richtig. Also wenn wir uns erinnern, der Videofilm mit dem Freispruch und dem Interview mit der Strafverteidigerin, das ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her. Selbst wenn man jetzt ein ganz früher Goldkäufer ist bei der TGI, hat man sehr wahrscheinlich noch zwei Jahre zu warten, wenn man so ein Rabattmodell gemacht hat, bis das Gold überhaupt geliefert werden muss. Deshalb ist es halt so wichtig, dass diese Goldbestände sich mal irgendwie nachweisen lassen.
Und eine andere Sache ist mir in diesem Video noch aufgefallen, jenseits der Journalistenschelter und so, hat der Goldhändler dann aber ein neues Finanzprodukt angekündigt, was jetzt zeitnah rauskommen soll und was sie den TGI-Urknall nennen.
Und darum komme ich in zwei Wochen mit was, dass das nicht mehr gibt, ja, dass man, auf einmal werden sie weg sein. Dann werden wir sagen, oh, wo sind sie denn die Journalisten? Oh, gibt es keine mehr. Da werden wir suchen, wie die Sioux, da kennst du die Indiana, die wir immer so geschaut haben, wir es keine mehr finden von denen, ja. Weil das wird dann denen entsprechend das sagen, das glaube ich.
Okay, das klingt jetzt ja sehr spektakulär, aber er bleibt ja sehr vage. Also erklärt er, worum es da eigentlich überhaupt gehen soll in diesem Produkt, womit er dann vermeintlich in die Offensive gehen soll, weil mir wird das jetzt daraus nicht klar.
Das ist wieder so Social-Media-Strategie, man gibt die Salami scheibchenweise rüber, hier wird ein bisschen angeteasert, aber die Details werden noch nicht verraten. Übrigens, man hört da im Hintergrund immer noch eine zweite Stimme, das ist ein Mitarbeiter der TGI, der sozusagen als Interviewer, als Stichwortgeber für den Herrn Kaltenegger dann da bei TGI TV sitzt, ja.
Herr Kaltenegger spricht davon, dass er also da sozusagen dem Produkt so einen neuen Mantel geben will, ja, so ein neues Kleidungsstück ist, neu anziehen will. Und ein wichtiges Detail hat er aber blicken lassen.
Darum habe ich meinen Kopf richtig rauchen lassen, ja. Das muss man sagen, ja. Haben wir auch das nicht mehr, dass man sagt, ja, das Gold wird jetzt hinterlegt im Depot und so weiter, ja, jetzt gebe ich schon ein paar Brocken raus, ja. Das brauchst du nicht mehr hinterlegen, weil…
Mehr sagen wir noch nicht.
Weil…
Ja, und das finde ich halt total spannend, ja, weil während wir und möglicherweise andere Journalisten darauf drängen, dass er jetzt mal einen Nachweis bringt, wo das Gold eigentlich ist, bringt er ein neues Produkt an den Markt, das angeblich ohne Goldlagerung auskommt, ja. Das lassen wir einfach mal so stehen. Klingt praktisch.
Und für diese Ankündigung am Donnerstagabend war die Woche für TGI dann noch nicht vorbei, denn am Freitag passierte dann noch etwas Überraschendes.
Okay, was denn? Erzähl mal.
Die deutsche Finanzaufsicht BaFin veröffentlicht einen Verbraucherschutzhinweis. Diesen hier. Die Finanzaufsicht BaFin hat Anhaltspunkte dafür, dass die TGI AG mit Sitz in Waduz, Fürstentum Lichtenstein, unter der Oberbezeichnung Goldkauf mit Rabatt Vermögensanlagen in Deutschland öffentlich anbietet. Es handelt sich dabei um Anlagen, die im Austausch für die zeitweise Überlassung von Geld eine Verzinsung sowie die Herausgabe von Gold gewähren. Entgegen Paragraf 6 Vermögensanlagegesetz wurde für keine der angebotenen Vermögensanlagen ein Verkaufsprospekt veröffentlicht.
Also die BaFin weist darauf hin, dass dieses Rabattmodell auch eine Art Vermögensanlage sein könnte. Der Kunde wartet drei Jahre und erhält in dieser Zeit so lange Ausschüttungen wie eine Art Zins. In diesem Szenario müsste die TGI aber den Anlegern dann Prospekte vorlegen, die von der BaFin hätten gebilligt werden müssen. Im Rahmen einer solchen Billigung prüft die BaFin, ob der Verkaufsprospekt die gesetzlich geforderten Mindestangaben enthält und ob der Inhalt verständlich und kohärent, also widerspruchsfrei ist.
Okay, verstehe. Und für so einen normalen Goldkauf muss sowas quasi nicht passieren, ja?
Genau. Das ist auch was, was früher bei Pimgold, man hat dann als Goldhändler immer sozusagen sich da rausgezogen und gesagt, das ist ja kein Anlageprodukt. Das ist ja ein ganz klassischer Edelmetallkauf, eben nur mit einer besonderen Strukturierung, mit besonderen Konditionen. Deswegen ist die Finanzaufsicht für uns eigentlich gar nicht zuständig.
Ah, das ist natürlich super praktisch, wenn die BaFin da gar nicht zuständig ist in so einem Fall. Aber bei Geldanlageprodukten? Also, ich kann dir das auch noch an einem anderen Beispiel erklären. Also, wenn jetzt sozusagen ein Unternehmen sagt, ich habe hier eine Mine in Afrika und ich möchte dafür Geld einsammeln und bezahle einen Zins am Ende aus den Gewinnen der Mine. Und das hat einen Zeitraum von, weiß ich nicht, drei Jahren, fünf Jahren, acht Jahren. Und es gibt dazu sozusagen Prospekte und die sind von der BaFin genehmigt, dann ist das überhaupt kein Problem, ja? Das ist dann ein Risikoprodukt, aber sowas kann man theoretisch aufsetzen.
Okay. Und ich vermute mal so einen Hinweis, den werden viele Kunden und Vermittler eher wie eine Warnung lesen. Wie geht denn TGI damit jetzt um?
Ja, das ist tatsächlich für TGI eine sehr missliche Situation jetzt, ja? Also, diese Warnhinweise, sie veröffentlicht die BaFin in der Regel im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens. Das heißt, da gibt es Beamte, die prüfen gerade, ob dieses Angebot ja verboten werden muss. So, das ist also, dieser Warnhinweis ist sozusagen nur das, was man nach außen sieht. Aber wenn man ihn sieht, kann man davon ausgehen, dass bei der BaFin intern noch ganz andere Prozesse laufen.
Okay.
Ja, also, die TGI AG hat dann eine Pressemitteilung veröffentlicht. Und eine Woche später hat Herr Kaltenegger selbst bei TGI TV Stellung genommen. Achtet mal darauf, mit welchem Duktus er da spricht. Das ist nicht mehr der lässige Goldringangler, sondern das klingt jetzt ziemlich einstudiert. Er guckt auch dabei immer wieder direkt in die Kamera. Vermutlich liest er vom Teleprompter ab.
Wir nehmen das gerne zur Kenntnis und wir kooperieren immer vollumfänglich. Die TGI AG steht im aktiven Dialog mit der BaFin. Für uns gilt nämlich immer, regulatorische Hinweise werden stets ernst genommen und sorgfältig geprüft. Intern wie auch durch externe Experten. Im Kern geht es um die Frage, ob eine Prospektpflicht besteht. Das ist eine rechtliche Fachfrage, die jederzeit sowohl unsere externen Rechtsexperten als auch die BaFin selbst prüfen. Es liegt schlicht noch kein abschließendes Ergebnis vor. Aber wir sind zuversichtlich, dass eine sachliche Aufarbeitung zu einer klaren Einordnung noch führen wird.
Jetzt frage ich mich natürlich, ob die TGI diese rechtliche Lage nicht hätte prüfen sollen oder auch müssen, bevor diese Goldrabattverträge an den Markt gebracht wurden.
Ja, finde ich, ist eine total legitime Frage. Es wäre ja aus meiner Sicht auch überhaupt nicht abwegig, wenn sie jetzt eine Art Vertriebsstopp für Deutschland verkünden und sagen, okay, jetzt gibt es hier diesen Hinweis der BaFin. Wir setzen das jetzt mal aus, bis das geklärt ist. Man müsste sogar überlegen, ob man nicht schon intern auch mal Pläne sich überlegt für den Fall, dass man das zurückabwickeln muss. Da könnte ja noch richtig Arbeit und richtig Probleme auf die TGI zukommen. Aber anders als wir sieht der Herr Kaltenegger da jetzt noch nicht so viel Handlungsbedarf.
Und dann hat sich doch etwas geändert. Ganz kurz vor unserem Redaktionsschluss am 23.03. hat der Goldhändler dann bei TGI TV das neue Finanzprodukt vorgestellt. Da war der ganze Bombast wieder da. Vom Urknall war auch gleich wieder die Rede. Es gebe jetzt nämlich noch einen neuen Partner, diesmal in Sierra Leone. Er zeigt dann ein Video, in dem ein Afrikaner etwas wiegt, das wie ein Doré, also ein Goldbarren aussieht und dazu deren Gewichte nennt. Die Skala der Waage ist allerdings nicht im Bild. Und das Ganze spielt in einem Büro. Und später sieht man dann die Skala. Da wiegen die Säcke, die angeblich Goldstaub enthalten. Und angeblich liegen da 700.000 Dollar in Gold auf dem Tisch. Dann sieht man noch einen Bachmann mit einer Kalaschnikow im Hintergrund. Und ja, das Haus sei gesichert wie eine Festung.
Das klingt jetzt aber wie aus einem Actionfilm mit der Kalaschnikow auch noch. Und okay, Sierra Leone ist jetzt nicht ein Land, das bei Korruptions- und Demokratieindexen ganz vorne liegt, sag ich mal. Also der letzte Putschversuch in dem Land, der ist ja auch erst drei Jahre her.
Ja, das ist auch eines der ärmsten Länder der Erde. Aber ausgerechnet da will TGI jetzt die neuen goldenen Geschäfte machen.
Aber mal weg von Sierra Leone, Kaltenegger hat auch ein neues Modell für seine Kunden verkündet. Das nennt sich dann Feingoldbarren mit Sofort-Rabatt. Und das soll so laufen. Der Kunde kauft Gold zum Tageskurs und erhält sofort zwei bis drei Prozent Rabatt. Geliefert werde das Gold danach vier Wochen. Statt zu liefern, macht TGI dem Kunden aber auch das Angebot, das Gold ihm wieder zum ursprünglichen Preis abzukaufen. Und hier hören wir Kaltenegger, wie sich das für den Kunden darstellen soll.
Und was für einen Vorteil habe ich dann? Dass diese zwei oder drei Prozent mir mehr überbleiben, oder? Und jetzt entscheidet der Kunde, wie oft er es machen will. Will er einmal kaufen? Und am Monat fünfmal kaufen? Oder will er nur einmal im Monat kaufen? Ja, das entscheidet der Kunde. Das Einzige, was ich machen muss, ich muss es sowieso in mein Backoffice rein, weil ich fordere jetzt ja immer meinen Kohle an. Ich entscheide ja, wie viel Geld alles oder weniger oder oder. Und da mache ich halt wieder eine Bestellung.
Ja, dieses Modell muss man sich auch nochmal so ein bisschen durchdenken. Ja, also es handelt sich um eine Art Kettenkauf, der mit diesen vier Wochen Versandzeit spielt. Ja, also mal einmal aus der Sicht des Kunden betrachtet, dann klingt das sicherlich lukrativ. Ja, also du kaufst für 10.000 Euro Gold, kriegst also gleich mal zwei Prozent Rabatt, das sind das, 200 Euro. Und dann verkaufst du es nach vier Wochen an die TGI zurück für wieder 10.000 Euro. Das heißt, du hast Anfang des Monats 10.000 Euro gehabt, hast Ende des Monats 10.200 Euro. Und dann kannst du das Spiel wieder von vorne anfangen. Und die TGI inzentiviert, dass der Kunde sich das Gold nicht ausliefern lässt.
Und jetzt wäre ich total gespannt, was die BaFin denn dazu sagt. Weil vielleicht sieht die BaFin darin auch eine Vermögensanlage. Also das muss man abwarten, das dauert noch ein bisschen, die dann soweit sind. Das einzuschätzen.
Dann stellt sich mir jetzt aber auch noch die Frage, wo kommen diese zwei bis drei Prozent Rabatt denn her? Weil das sind ja dann, wenn man das aufs Jahr rechnet, absurde 24 bis 36 Prozent Profit. Wo sollen die Kalten Eggers dieses Geld, was sie den Nutzern dann vermeintlich auszahlen wollen, wo sollen die das denn hernehmen?
Ja, berechtigte Frage. Kann man bloß hoffen, dass in Sierra Leone geschürft wird und wahre Goldberge sich wahrscheinlich aus der Erde heraus pullen lassen. So klingt das zumindest.
Wir haben das vorhin gehört, dass er eigentlich ja angekündigt hatte, dass sich diese Lagerungsthematik für ihn erledigt mit dem neuen Produkt. Erinnert ihr euch?
Ja.
Ja, da habe ich auch gestaunt, weil hier ist es ja jetzt auch so, wenn der Kunde sozusagen eigentlich inzentiviert wird, das Gold nicht abzurufen, aber das Gold ja trotzdem für ihn bereit gehalten werden muss, für den Fall, dass er es doch abruft. Dann muss ja irgendwo gelagert werden. Dann gibt es die Lagerungsproblematik nach wie vor. Und es gibt in dem Video eine Stelle, da geht der Kaltenegger so ein bisschen nonchalant drüber hinweg, was mit der Lagerung. Der sagt, das Gold, das liegt dann, wortwörtlich, Zitat, ja, im Versand.
Das ist dann wie so ein Postbüro dazwischen oder? Wie kann ich mir das vorstellen?
Keine Ahnung, ob er damit den Postausgang in Lichtenstein meint oder so.
Okay, also selbst dann, wenn ich quasi jeden Monat für Monat verlängere, dann liegt mein Gold da im Versand.
Ja, das ist dann wohl ein besonders gut gesicherter Versand.
Kaltenegger hat im letzten Video dann auch tatsächlich mal etwas zu den aktuellen Goldbeständen gesagt.
Wir haben ständig immer Anfragen bekommen von Journalisten, Artikeln, wo immer gestanden ist, ja, wird ein Pyramidenspiel sein, das kann nicht gehen, das System, wer weiß, ob das überhaupt geht mit Rabatte und hin und her. Also, es ist ja unglaublich, was da immer war. Wir haben ja gewusst, dass durch die vielen, vielen Webinare, durch Sitzungen, Meetings, haben wir eigentlich immer gewusst, dass das Gold ja da ist. Ja, aber jetzt haben wir das Ganze bestätigen lassen und haben gesagt, gut, wir wollen jetzt eine sichere Verwahrung, ja, wo aber auch das bestätigt wird über eine sogenannte SKR. Ja, und was wir auch haben, wir haben eine Goldmenge natürlich zum Verwahren, ja, für unsere Kunden, aber wir haben sogar einiges draufgesetzt, ja.
Einiges ist gut.
Natürlich, einiges. Über eine halbe Tonne, glaube ich.
Über eine halbe Tonne haben wir sogar mehr jetzt hinterlegt, ja, für unsere Kunden.
Ja, im Film wird dann noch geklärt, dass die Abkürzung SKR für Safekeeping Receipt steht, also eine Art Urkunde, die die Aufbewahrung belegen soll. Also, das ist total faszinierend, diese Passage zu hören. Es ist auch so unlogisch. Er muss ja eigentlich nur das Gold, das er für die Kunden gekauft hat, weil es Rabattverträge gibt, das muss er vorhalten. Er muss nicht mehr vorhalten. Warum er jetzt auf die Idee kommt, er müsste plötzlich eine halbe Tonne mehr irgendwo ablegen als zusätzliche Sicherheit oder so, das erschließt sich mir ehrlich gesagt überhaupt nicht.
Aber auch dieses Safekeeping Receipt, was er da jetzt in den Raum stellt, eigentlich ändert sich dazu gar nichts. Also zur aktuellen Situation ändert sich da gar nichts, weil er sagt auch, das SKR geht natürlich auf unsere Partner. Also, das ist in anderen Worten nichts anderes als ein Schreiben seiner Partner, dass das Gold da ist. Und das ist dann auch noch so hinterlegt, dass man da nicht reingucken kann. Also, ich sage bei so Geschichten, es gibt ja nicht umsonst Wirtschaftsprüfer, neutrale Instanzen, große Wirtschaftsprüffirmen, die mit ihren Leuten da auch mal hinfahren können, die sich das genau angucken können, die das testieren können. Dass man da eine Urkunde von einem Dritten hat, der das sozusagen wiedergibt. Aber ich sage mal, eine Urkunde oder ein Papier aus dem Reich der TGI, das hilft uns ja nicht weiter, um das zu bestätigen.
Kleines Update an dieser Stelle. Kurz nachdem wir diese Folge aufgenommen hatten, ist dann auf einmal richtig Bewegung in die Sache gekommen. TGI hat kurz vor der Veröffentlichung dieser Folge plötzlich angekündigt, dass ein Wirtschaftsprüfer die Goldbestände nun wirklich mal besichtigen und prüfen soll. Wir sind gespannt und bleiben dran. Jetzt geht es aber erstmal weiter mit der Folge.
Ja, da muss man aber auch schon sehr viel Vertrauen dann in ein Schreiben allein haben. Jetzt habe ich aber noch eine Frage an euch, Judith und Lars. Mit dem neuen Produkt TGI Urknall könntet ihr ja jetzt eigentlich mal testweise Gold bestellen und gucken, ob das in vier Wochen geliefert wird, oder?
Ja, wenn ein Handelsblatt gönnt.
Das wollte ich auch gerade sagen. Ich weiß nicht, ob unsere Ressortleitungen sich über solche Spesenrechnungen freuen. Aber wir können ja sozusagen auch einfach ganz normal weiter unsere Arbeit machen und da irgendwie gucken. Und wir finden sicherlich auch relativ schnell Anleger, die das ausprobieren. Oder Anleger machen das, genau. Und dann versuchen wir, die zu finden.
Ich sehe schon, also dieses Thema, das wird sich wahrscheinlich noch aktuell sehr viel weiterentwickeln. Die können sich auch melden, ne, Sowei? Wir sind ja hier im Podcast. An dieser Stelle der Aufruf, ja. Wenn Sie bei TGI Gold gekauft haben, dann melden Sie sich doch gerne mal bei uns und mit uns darüber sprechen wollen. Wir wären da sehr dankbar.