Eine einst gefeierte britische Pädagogin steht nun wegen schwerer Vorwürfe vor einem Disziplinartribunal. Joy Ballard (60), die 2015 als „Schulleiterin des Jahres“ ausgezeichnet wurde, soll während ihrer Amtszeit an der Ryde Academy auf der Isle of Wight mehrfach ihre Position für private Zwecke missbraucht haben.
Nach Angaben der Schulaufsicht soll Ballard Ferientermine der Schule verändert haben, damit diese besser zu ihren persönlichen Urlaubsplänen passten. In mindestens einem Fall soll sie dadurch eine Kreuzfahrt antreten können. Zudem wird ihr vorgeworfen, ein Dienstfahrzeug der Schule für private Reisen genutzt zu haben, unter anderem für eine Familienfahrt nach Frankreich über Ostern 2024.
Das Fahrzeug, ein Peugeot 5008, war zuvor für rund 30.000 Pfund (etwa 35.000 Euro) aus Schulmitteln angeschafft worden. Laut Tribunal-Vorsitzendem Richard Young habe Ballard das Auto über einen längeren Zeitraum privat genutzt.
Weitere Vorwürfe betreffen den Umgang mit Schulgeldern. So soll Ballard unter anderem Campingausrüstung, eine Karaoke-Maschine und einen Fernseher über das Schulbudget bezahlt haben. Auch Bargeld aus der Schule soll sie teilweise in ihrer Handtasche nach Hause genommen haben, anstatt es ordnungsgemäß im Schultresor zu lagern.
Die frühere Schulleiterin hat viele der Vorwürfe bereits eingeräumt. Über das britische Bildungsministerium ließ sie mitteilen, dass Teile ihres Verhaltens unehrlich gewesen seien oder mangelnde berufliche Integrität gezeigt hätten.
Auch innerhalb der Schule soll es erhebliche Spannungen gegeben haben. Ihr damaliger Stellvertreter und heutiger Nachfolger Will Doyle berichtete vor dem Tribunal von einer „Kultur der Angst“, in der Mitarbeiter Konsequenzen oder sogar Kündigungen befürchtet hätten.
Die Vorwürfe wiegen schwer, besonders weil Ballard lange als Vorzeige-Schulleiterin galt. Bekannt wurde sie als Leiterin der Willows High School in Cardiff, wo sie eine leistungsschwache Schule erfolgreich reformierte. Ihre Arbeit wurde sogar in der TV-Dokumentation „Educating Cardiff“ begleitet.
Das Tribunal kann als maximale Strafe ein lebenslanges Berufsverbot im Bildungswesen verhängen. Ballard selbst hat die Schule bereits im Juli 2024 aus persönlichen Gründen verlassen und ist inzwischen im Ruhestand.