Interviewer: Herr Rechtsanwalt Linnenmann, die Siemens AG schüttet für das Geschäftsjahr 2024/2025 eine Dividende von 5,35 Euro je Aktie aus. Insgesamt geht es um mehr als vier Milliarden Euro. Ist das ein starkes Signal?
Rechtsanwalt Linnenmann: Absolut. Eine Dividende in dieser Größenordnung ist ein klares Zeichen wirtschaftlicher Stabilität. Siemens verfügt offenbar über eine solide Ertragslage und ausreichende Liquidität, um die Aktionäre umfassend am Gewinn zu beteiligen. Für Investoren ist das ein positives Signal hinsichtlich Kontinuität und Verlässlichkeit.
Interviewer: Die Hauptversammlung hat einen Bilanzgewinn von 4,28 Milliarden Euro festgestellt, aber nicht die gesamte Summe wird ausgeschüttet. Warum?
Rechtsanwalt Linnenmann: Rund 115 Millionen Euro werden als Gewinnvortrag ins nächste Geschäftsjahr übernommen. Das hängt mit den eigenen Aktien zusammen, die Siemens selbst hält. Auf diese eigenen Aktien darf keine Dividende gezahlt werden. Der entsprechende Anteil am Gewinn verbleibt deshalb im Unternehmen.
Interviewer: Wann erhalten Aktionäre ihr Geld?
Rechtsanwalt Linnenmann: Nach § 58 Absatz 4 Aktiengesetz wird die Dividende am dritten Geschäftstag nach dem Hauptversammlungsbeschluss fällig. In diesem Fall ist das der 17. Februar 2026. Die Auszahlung erfolgt automatisch über die depotführende Bank.
Interviewer: Von den 5,35 Euro bleibt netto aber weniger übrig. Wie sieht die steuerliche Realität aus?
Rechtsanwalt Linnenmann: Standardmäßig werden 25 Prozent Kapitalertragsteuer sowie 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Steuer einbehalten, insgesamt also 26,375 Prozent. Ohne Kirchensteuer bleiben von 5,35 Euro rund 3,94 Euro netto pro Aktie. Mit Kirchensteuer entsprechend etwas weniger.
Interviewer: Können Aktionäre die Steuerbelastung reduzieren?
Rechtsanwalt Linnenmann: Ja. Wer einen Freistellungsauftrag oder eine Nichtveranlagungsbescheinigung bei seiner Bank eingereicht hat und dessen Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft ist, erhält die Dividende ohne Steuerabzug. Für ausländische Aktionäre greifen gegebenenfalls Doppelbesteuerungsabkommen, die eine teilweise Rückerstattung ermöglichen.
Interviewer: Was bedeutet diese Dividendenausschüttung strategisch für das Unternehmen?
Rechtsanwalt Linnenmann: Eine stabile oder steigende Dividende stärkt das Vertrauen institutioneller und privater Anleger. Sie signalisiert, dass das Unternehmen nicht nur investiert, sondern auch seine Anteilseigner beteiligt. Gleichzeitig zeigt die Entscheidung, dass Siemens offenbar keine akute Notwendigkeit sieht, größere Teile des Gewinns für kurzfristige Liquiditätssicherung zurückzuhalten.
Interviewer: Ihr Fazit für Anleger?
Rechtsanwalt Linnenmann: Die Dividende ist für Aktionäre ein direkter finanzieller Vorteil und ein Indikator für die wirtschaftliche Stärke des Unternehmens. Dennoch sollte sie nie isoliert betrachtet werden. Entscheidend bleibt die langfristige Unternehmensentwicklung, Marktposition und Zukunftsfähigkeit.