Dark Mode Light Mode

UniMultiAsset Chance III ESG: Solider Jahreszuwachs – aber Renditetreiber sind Derivate, Kosten und EM-Zinsrisiko bleiben zentral

geralt (CC0), Pixabay

1) Was ist das für ein Fonds – und was heißt das für Sie als Anleger?

Der Union Investment Privatfonds GmbH-Fonds UniMultiAsset Chance III ESG ist ein aktiv gemanagter, internationaler Mischfonds mit sehr flexiblem Anlageuniversum (Aktien, Anleihen, Geldmarkt, Zielfonds, Derivate). Praktisch ist er im Kern ein „Fonds-der-Fonds“: zum Stichtag lagen 82,08 % in Investmentanteilen, ergänzt um Einzelaktien (~7,3 %), Gold-Zertifikat (4,53 %), Bankguthaben (4,89 %) und kleinere Bausteine.

Anlegerimplikation: Sie kaufen keine klare „Aktien-/Anleihenquote“, sondern ein taktisch gesteuertes Multi-Asset-Produkt. Das kann in bestimmten Marktphasen helfen – macht das Ergebnis aber stärker abhängig von Management-Entscheidungen, Umschichtungen und Derivateeinsatz.

2) Performance und Vermögensentwicklung: gutes Jahr, starkes Wachstum

Wertzuwachs: +8,39 % (BVI-Methode) im Geschäftsjahr 01.10.2024–30.09.2025.

Fondsvermögen: von 272,5 Mio. EUR auf 326,5 Mio. EUR gestiegen.

Netto-Mittelzufluss: +30,17 Mio. EUR (Zuflüsse überstiegen Rücknahmen deutlich).

Einordnung: Das ist ein positives Ergebnis, und die Zuflüsse deuten auf Vertrauen/Absatzstärke hin. Für Sie als Anleger ist entscheidend, woher die Rendite kam (nächster Punkt).

3) Renditequelle: wenig „laufender Ertrag“, viel Handel/Derivate

Die Ertrags- und Aufwandsrechnung zeigt einen wichtigen Punkt:

Ordentlicher Nettoertrag: −407.640 EUR (negativ).
Grund: Laufende Erträge (Zinsen/Dividenden/Fondserträge) 1,78 Mio. EUR vs. laufende Kosten 2,18 Mio. EUR.

Ergebnis aus Veräußerungsgeschäften: +11,48 Mio. EUR (realisierte Gewinne minus Verluste).

Im Tätigkeitsbericht steht explizit: wesentliche Quellen des Veräußerungsergebnisses waren Gewinne/Verluste aus der Realisierung derivativer Geschäfte.

Anlegerimplikation: Die Performance wurde nicht primär durch „Carry“ (Zinsen/Dividenden) getragen, sondern durch Marktbewegungen, taktische Positionierung und Derivate/Handelserfolg. Das kann funktionieren – ist aber typischerweise volatiler und weniger planbar.

4) Portfolio-Risiko-Story: Emerging-Markets-Zinsen + Kreditrisiko + Duration

Dominanter Block: Rentenfonds (über Zielfonds) waren der größte Baustein; innerhalb der Rentenfonds lagen ~46 % in Emerging Markets (bezogen auf das Rentenfondsvermögen). Dazu kommen High-Yield-Bausteine (z. B. iShares EUR High Yield ESG SRI ETF, DPAM EUR HY, Nordea European HY Sustainable Stars).

Durchschnittsrating der Rentenanlagen: A (klingt solide, aber: das ist ein Durchschnitt über viele Zielfonds; High Yield ist trotzdem sichtbar vertreten).

Duration: 7 Jahre 4 Monate → merkliche Zinsänderungssensitivität. Wenn Zinsen steigen, ist Gegenwind möglich; fallen sie, hilft das.

Anlegerimplikation: Der Fonds ist nicht „defensiv“ im klassischen Sinne: EM-Anleihen + teils HY + mittlere/längere Duration = spürbares Zins- und Spreadrisiko.

5) Derivate, VaR und Leverage: kontrolliert, aber nicht trivial

Derivatebestand: 0,59 % des Fondsvermögens (Bilanzsicht) – aber entscheidend ist das Exposure.

Exposure aus Derivaten: 248,64 Mio. EUR (sehr groß im Verhältnis zum Fondsvolumen).

Leverage (Bruttomethode, Durchschnitt): 171,60 %.

Marktrisikopotenzial (qualifizierter Ansatz, VaR): Ø 2,64 %, min 1,99 %, max 3,29 %; VaR-Grenze 14,10 %.

Anlegerimplikation: Das Risikomodell weist moderate VaR-Werte aus, gleichzeitig zeigt der Leverage, dass Derivate ein wesentliches Steuerungsinstrument sind. Für Sie bedeutet das: Das Produkt kann Risiken effizient steuern – kann aber auch in Stressphasen (Spreads, EM-FX, Korrelationen) überraschend reagieren.

6) ESG/Regulatorik: Artikel-8-Fonds, ESG-Name angepasst, „nachhaltige Investitionen“ vorhanden – aber nicht Ziel

Der Fonds bewirbt ökologische/soziale Merkmale nach SFDR Artikel 8 („hellgrün“).

Anpassung an ESMA-Leitlinien: Fondsname wurde 2025 von „Nachhaltig“ auf „ESG“ geändert; Mindestquote nachhaltiger Investitionen wurde festgelegt/angepasst.

Im Bericht: Es wurden 11,28 % (an einer Stelle) bzw. 12,84 % (Nachhaltigkeitsindikatoren) nachhaltige Investitionen ausgewiesen – obwohl „nachhaltige Investitionen“ nicht als Ziel angestrebt wurden (sondern als Teilmenge vorkamen).

EU-Taxonomie-Kennzahlen werden ausgewiesen (z. B. taxonomiekonformer Umsatz 1,68 %), mit typischen Einschränkungen zur Datenlage/Methodik.

Anlegerimplikation: ESG ist klar im Prozess verankert (Ausschlüsse, Best-in-Class/Transformation, PAI-Berücksichtigung). Gleichzeitig ist es kein Impact-/Artikel-9-Produkt: Nachhaltige Investitionen sind Beifang/Teilquote, nicht primäres Ziel.

7) Kosten: entscheidender „Gegenwind“ für die Netto-Rendite

Gesamtkostenquote (TER): 1,15 % p.a. (ohne Transaktionskosten).

Zusätzlich fallen in Zielfonds weitere interne Kosten an (in der Praxis relevant, auch wenn nicht alles in einer Zahl „durchschlägt“).

Transaktionskosten im Fonds: 67.162 EUR (im Verhältnis klein, aber die Zielfonds handeln ebenfalls).

Anlegerimplikation: Bei einem Multi-Asset-Fonds mit Zielfondsstruktur ist Kostenkontrolle besonders wichtig. Die negative ordentliche Ertragslage zeigt: Ein Teil der jährlichen „Grundrendite“ muss erst Kosten aufholen, bevor Netto-Mehrwert entsteht.

8) Prüfervermerk: Ordnungsmäßigkeit bestätigt, ESG-Anhang nicht geprüft

Der Jahresbericht wurde geprüft; das Prüfungsurteil ist uneingeschränkt. Die Angaben nach SFDR/Taxonomie im entsprechenden Anhang sind nicht Teil der Prüfung. Das ist üblich und kein Alarmzeichen – für Sie aber ein Hinweis, ESG-Kennzahlen eher als berichtete/abgeleitete Daten zu verstehen. (PricewaterhouseCoopers GmbH)

Anlegerfazit: Für wen passt das – und worauf sollten Sie achten?

Pluspunkte

Gutes Jahresergebnis (+8,39 %)

Breite Diversifikation über viele Zielfonds/Regionen/Instrumente

ESG-Prozess mit klaren Ausschlüssen und PAI-Berücksichtigung (Artikel-8-Profil)

Risikomessung (VaR) wirkt im Bericht moderat

Kritische Punkte

Rendite kam stark aus Handel/Derivaten statt aus laufenden Erträgen → potenziell weniger „stabil“

EM-Bond-Schwerpunkt (über Zielfonds) + Duration > 7 Jahre → Zins-/Spread-/EM-Risiken

Kosten (TER 1,15 %) + Zielfondskosten: Netto-Mehrwert muss aktiv erarbeitet werden

Leverage 171,6 %: nicht automatisch schlecht, aber ein Zeichen für komplexe Risikosteuerung

Praktische Checkliste (vor Kauf/Halten)

Passt Ihnen ein Fonds, bei dem die Rendite sichtbar von taktischem Management abhängt?

Können Sie zwischenzeitliche Schwankungen aushalten, wenn EM-Spreads/FX drehen?

Wie ist Ihr Anlagehorizont (m. E. eher mittel-/langfristig sinnvoll)?

Vergleichen Sie die Netto-Rendite auch mit günstigeren Multi-Asset-Alternativen (Kosten vs. Mehrwert).

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Sanieren mit Plan: Verbraucherzentrale berät Wohnungseigentümergemeinschaften

Next Post

Brücken bauen im Verbraucherschutz: Verbraucherzentrale fordert grenzüberschreitendes Zentrum in Brandenburg