Der Jahresbericht des Fonds Selection Value Partnership für den Zeitraum vom 1. Oktober 2024 bis 30. September 2025 zeigt ein insgesamt differenziertes Bild: moderate absolute Wertentwicklung, strukturell überzeugender Investmentansatz, aber auch klare Herausforderungen auf Markt- und Fondsebene.
1. Anlagekonzept und Positionierung
Der Fonds verfolgt konsequent einen klassischen Value-Ansatz mit Fokus auf europäische Small- und Mid-Cap-Unternehmen. Positiv aus Anlegersicht ist die klare Präferenz für familiengeführte Unternehmen bzw. Firmen mit Managementbeteiligung sowie für Geschäftsmodelle mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen. Die hohe Konzentration (19–25 Titel) signalisiert Überzeugung und aktives Management, erhöht jedoch gleichzeitig das Einzeltitelrisiko.
2. Marktumfeld und Performance
Nach mehreren schwachen Jahren für europäische Small und Mid Caps zeigte sich im Berichtszeitraum erstmals eine vorsichtige Erholung. Der Fonds konnte hiervon profitieren, blieb mit einer Wertentwicklung von +4,31 % (Anteilklasse I) bzw. +3,80 % (P) jedoch klar unter dem, was in stärkeren Marktphasen möglich wäre. Für Anleger wichtig: Die Performance ist positiv, aber eher als Stabilisierung denn als deutlicher Durchbruch zu werten.
3. Portfolioqualität und Sicherheitsmarge
Besonders hervorzuheben ist die vom Management ausgewiesene Sicherheitsmarge von knapp 60 % (inklusive Liquidität). Aus Value-Sicht ist dies ein zentrales Qualitätsmerkmal und deutet auf erhebliches langfristiges Aufholpotenzial hin – vorausgesetzt, die fundamentalen Annahmen bewahrheiten sich. Der geografische Schwerpunkt auf die DACH-Region sorgt für Transparenz, bringt aber auch eine gewisse regionale Klumpenbildung mit sich.
4. Kapitalflüsse und Fondsgröße
Kritisch zu bewerten ist der deutliche Mittelabfluss im Berichtsjahr. Das Fondsvermögen sank von rund 27,5 Mio. EUR auf 16,4 Mio. EUR. Für bestehende Anleger ist dies ambivalent: Einerseits kann eine kleinere Fondsgröße die Flexibilität im Small-Cap-Segment erhöhen, andererseits kann anhaltender Kapitalabfluss die Kostenstruktur und Marktakzeptanz belasten.
5. Ertragsstruktur und Kosten
Die laufenden Erträge (Dividenden und Zinsen) decken die Kosten nicht vollständig; das ordentliche Nettoergebnis ist negativ. Die Wertschöpfung entsteht primär durch Veräußerungsgewinne. Die Gesamtkostenquote von 1,71 % (I) bzw. 2,21 % (P) ist für einen aktiv gemanagten, konzentrierten Small-Cap-Fonds vertretbar, aber kein Schnäppchen. Für langfristige Anleger ist entscheidend, dass das Management diese Kosten künftig in deutliche Überrenditen übersetzen kann.
6. Risiken
Der Fonds ist klar zyklisch geprägt und stark abhängig vom Small- und Mid-Cap-Sentiment. Politische Unsicherheiten, geringe Liquidität einzelner Titel und erhöhte Volatilität bleiben zentrale Risiken. Positiv ist hingegen der Verzicht auf Derivate und Hebelstrategien, was die Transparenz und Nachvollziehbarkeit erhöht.
Fazit für Anleger
Der Selection Value Partnership ist ein Fonds für geduldige, langfristig orientierte Value-Investoren, die bereit sind, temporäre Schwächephasen auszuhalten. Die Kombination aus konzentriertem Portfolio, hoher Sicherheitsmarge und fundamentalem Ansatz spricht für substanzielles Potenzial – allerdings nur bei einem anhaltenden Comeback europäischer Small und Mid Caps. Kurzfristig bleibt der Fonds kein Performance-Turbo, langfristig jedoch eine interessante, wenn auch anspruchsvolle Beimischung für wertorientierte Anleger.