In Südost-Australien wüten erneut heftige Buschbrände, die bereits ein Todesopfer forderten und mehr als 300 Gebäude zerstört haben. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Victoria und New South Wales, wo die Brände in zahlreichen Orten außer Kontrolle geraten sind. Die betroffenen Gebiete erstrecken sich über eine Fläche von über 350.000 Hektar – fast doppelt so groß wie Greater London.
Am schlimmsten betroffen ist derzeit der Bundesstaat Victoria, wo die Behörden den Notstand ausgerufen haben. Premierministerin Jacinta Allan sprach von 30 aktiven Brandherden, von denen zehn als besonders gefährlich eingestuft werden. Tausende Feuerwehrleute sowie über 70 Löschflugzeuge sind unermüdlich im Einsatz, um die Flammen einzudämmen. Die Wetterbedingungen – heiß, trocken und windig – erschweren die Löscharbeiten erheblich und lassen befürchten, dass die Brände noch Wochen andauern könnten.
Im Dorf Gobur, rund 110 Kilometer nördlich von Melbourne, fanden Einsatzkräfte menschliche Überreste. Die Identität des Opfers ist bislang nicht bekannt. Allan lobte die schwierige Arbeit der Rettungskräfte und sprach der betroffenen Gemeinde ihr Mitgefühl aus: „Die Gemeinschaft von Gobur trauert.“
Besonders tragisch ist die Situation in Harcourt, einem kleinen Ort im zentralen Hochland von Victoria. Dort verlor der Feuerwehrmann Tyrone Rice sein eigenes Haus, während er gegen die Flammen kämpfte. „Es fühlt sich an wie ein Tritt in den Magen, aber ich bin nicht der Erste – und werde nicht der Letzte sein“, sagte er gegenüber australischen Medien. Der lokale Feuerwehreinsatzleiter Andrew Wilson bezeichnete die Zerstörung als „herzzerreißend“.
Neben den direkten Schäden beeinträchtigt dichter Rauch auch die Luftqualität in weiten Teilen Victorias, einschließlich der Metropolregion Melbourne. Die aktuellen Brände gelten als die schwersten seit den verheerenden Feuerstürmen der Jahre 2019–2020, bei denen 33 Menschen ums Leben kamen und eine Fläche von der Größe der Türkei zerstört wurde.
Zwar lässt sich ein einzelnes Feuer nicht eindeutig dem Klimawandel zuschreiben, doch Experten sind sich einig: Die Häufung von extrem heißem und trockenem Wetter, begünstigt durch den Klimawandel, erhöht das Risiko solcher Großbrände erheblich.