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„Re-Traditionalisierung statt Fortschritt“: Frauenrat warnt vor Rückschritten in der Abtreibungsdebatte

jeffjacobs1990 (CC0), Pixabay

Der Deutscher Frauenrat sieht in der aktuellen Debatte um Schwangerschaftsabbrüche besorgniserregende Rückschritte. Nach Einschätzung des Verbands verschärft sich der Ton in der öffentlichen Auseinandersetzung zunehmend, während sachliche Argumente und wissenschaftliche Erkenntnisse immer weniger Gehör fänden.

Die Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Beate von Miquel, kritisierte im Interview mit dem Mitteldeutscher Rundfunk (MDR), dass bei Frauenrechtsthemen häufig gezielt Stimmung gemacht werde. Die Debatten würden emotionalisiert, während Fakten in den Hintergrund rückten. Empfehlungen aus Wissenschaft und Forschung würden vielfach pauschal abgelehnt oder gar nicht mehr wahrgenommen. Von Miquel bezeichnete diese Entwicklung als problematisch und demokratiegefährdend, da sie eine sachliche Auseinandersetzung verhindere.

Unterstützung erhält diese Einschätzung von der Berliner Soziologin Jutta Allmendinger. Sie sprach von einer zunehmenden „Re-Traditionalisierung“ der Gesellschaft. Gemeint ist damit eine Rückbesinnung auf traditionelle Rollenbilder, die insbesondere Frauenrechte wieder stärker infrage stelle. Dieser Trend komme aus ihrer Sicht nicht überraschend: Wissenschaftlerinnen hätten entsprechende Entwicklungen bereits während der Corona-Pandemie prognostiziert.

Allmendinger verwies zudem darauf, dass auch das politische Klima eine Rolle spiele. Fortschritte in der Gleichstellungspolitik seien stark abhängig von politischen Mehrheiten und Prioritäten. Gerade in der aktuellen Lage sei nicht zu erkennen, dass Frauenpolitik konsequent progressiv vorangetrieben werde. Umso wichtiger sei es, dass Frauen und zivilgesellschaftliche Organisationen ihre Stimmen weiterhin deutlich erheben.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen machten sowohl von Miquel als auch Allmendinger klar, dass Resignation keine Option sei. Frauen dürften keinesfalls „lernen, den Mund zu halten“. Vielmehr sei es entscheidend, weiterhin öffentlich Position zu beziehen, wissenschaftliche Erkenntnisse einzubringen und für Selbstbestimmung sowie reproduktive Rechte einzustehen.

Der Deutsche Frauenrat kündigte an, die politische Debatte weiterhin kritisch zu begleiten und sich für eine faktenbasierte, respektvolle Diskussion einzusetzen. Die Frage des Schwangerschaftsabbruchs sei nicht nur ein rechtliches Thema, sondern berühre grundlegende Fragen der Gleichstellung, der Gesundheitsversorgung und der gesellschaftlichen Verantwortung.

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