Ein greller Blitz, ein Klick – und schon ist das nächste Foto im Kasten. Vor dem Lübecker Weihnachtsmarkt spielt derzeit ein Blitzer die Hauptrolle, der selbst erfahrene Verkehrsexperten staunen lässt. Denn dieses Gerät misst nicht Tempo 30, nicht Tempo 10 – sondern Tempo 0 km/h. Wer sich bewegt, wird erfasst. Wirklich jeder.
Ob Fußgänger, Jogger, Radfahrer oder sogar ein geschobener Oldtimer: ZACK! Der Blitz löst aus. Die Szene wirkt skurril, fast absurd – und doch steckt dahinter bitterer Ernst. Die Hansestadt Lübeck greift zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme, um ihre Weihnachtsmärkte besser zu schützen.
Sicherheitsmaßnahme mit Nebenwirkungen
Eigentlich gilt in der betreffenden Altstadtgasse Tempo 30. Doch während der Öffnungszeiten des Weihnachtsmarkts – täglich von 10.30 bis 22 Uhr – ist die Zufahrt vollständig gesperrt. Der Bereich wurde aus Sicherheitsgründen zur autofreien Zone erklärt. Trotzdem versuchten immer wieder Autofahrer, sich verbotenerweise durch die schmale Gasse zu schlängeln.
„Die Straße endet aktuell faktisch in einer Sackgasse“, erklärt Stadtsprecherin Nicole Dorel. „Das führte zu gefährlichen Wendemanövern mitten im Gedränge der Marktbesucher.“ Bei erwarteten bis zu zwei Millionen Gästen wollte die Stadt kein Risiko eingehen – und senkte kurzerhand die Auslöseschwelle des Blitzers auf null.
Der Blitzer, der alles sieht
Die Folge: Der Bewegungsmelder reagiert auf jede Aktivität auf der Fahrbahn. Wer auch nur einen Schritt macht, wird fotografiert. Selbst Menschen, die Fahrzeuge schieben, lösen den Blitz aus. Ein Bild zeigt sogar einen Oldtimer, der langsam per Hand bewegt wird – geblitzt ohne Gnade.
Die Stadt verteidigt das Vorgehen: Hätte man eine Mindestgeschwindigkeit eingestellt, hätten findige Fahrer den Blitzer womöglich mit Schrittgeschwindigkeit ausgetrickst. „Das wollten wir verhindern“, so Dorel.
Keine Knöllchen für Fußgänger – aber für Autofahrer
Beruhigend für Spaziergänger und Weihnachtsmarkt-Bummler: Fotos von Fußgängern oder Radfahrern werden laut Stadt „schnellstmöglich gelöscht“. Bußgelder drohen ihnen nicht. Anders sieht es bei Autofahrern aus: Wer trotz Verbot einfährt, bekommt ein 50-Euro-Ticket.
Personal, um die Zufahrt manuell zu kontrollieren, fehlt. „Das ist personell nicht leistbar“, heißt es aus dem Rathaus. Der Blitzer übernimmt – rund um die Uhr, kompromisslos.
Kurios, aber konsequent
Dass der Blitzer sogar ein Kennzeichen aus der Hansestadt Wismar trägt, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Kuriosität. Doch trotz aller Irritationen steht für Lübeck die Sicherheit an erster Stelle. Die Maßnahme sei „ungewöhnlich“, räumt die Stadt ein – aber notwendig.
Der Appell an die Besucher ist klar: lieber Bus, Bahn oder den Weihnachts-Shuttle nutzen, der an Samstagen von den P&R-Parkplätzen in die Altstadt fährt. Denn wer sich vor diesem Blitzer bewegt, sollte sich nicht wundern, wenn es plötzlich rot aufleuchtet.