Der Ausbau der Windenergie auf See stockt – und nach Ansicht der Branche droht sich die Situation weiter zu verschärfen. Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) fordert nun, die für Februar geplante Ausschreibung neuer Offshore-Windparkflächen in der Nordsee zu verschieben. Stattdessen solle die Auktion erst im kommenden Herbst stattfinden.
Hintergrund: Zwei Auktionen ohne ein einziges Gebot
Die Forderung kommt nicht aus heiterem Himmel. Bereits die letzten beiden Ausschreibungsrunden im Sommer verliefen ohne ein einziges Gebot. Ein aus industriepolitischer Sicht alarmierendes Signal: Investoren meiden Offshore-Windprojekte, obwohl sie politisch als zentrale Säule der Energiewende gelten.
Branchenvertreter sehen die Gründe klar:
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Zu viele regulatorische Vorgaben
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Unkalkulierbare Kosten
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Unsichere Rahmenbedingungen
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Fehlende Planungssicherheit für Investoren
Ohne verlässliche Rahmenbedingungen – insbesondere bei Netzanschluss, Strompreismodellen, Finanzierung und Genehmigungsverfahren – sei Offshore-Wind für Unternehmen kaum noch attraktiv.
BWO fordert Reformen vor der nächsten Ausschreibung
BWO-Geschäftsführer Thimm fordert strukturelle Reformen, bevor erneut Flächen vergeben werden:
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Anpassung der Ausschreibungsregeln
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mehr Planungssicherheit
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klare Kosten- und Risikoaufteilung zwischen Staat und Investoren
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schlankere Genehmigungsverfahren und geringere regulatorische Lasten
Erst wenn diese Punkte umgesetzt seien, könnten Investoren Vertrauen zurückgewinnen.
Investoren schrecken vor unklaren Kostenrisiken zurück
Die Offshore-Windbranche gilt als kapitalintensiv. Die Kosten pro Projekt liegen häufig im Milliardenbereich. Wenn zentrale Faktoren – wie Baukosten, Preisentwicklung bei Turbinen, Netzanbindung oder Versicherungsrisiken – unklar sind, verschieben Energiekonzerne und Fonds ihre Investitionsentscheidungen.
Experten warnen deshalb:
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Offshore-Wind droht an Komplexität zu scheitern.
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Ein unberechenbares Regelwerk sei ein „Investitionskiller“.
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Die Energiewende könnte deutlich langsamer vorankommen als geplant.
Signalwirkung für die Energiewende
Dass zwei große Offshore-Auktionen ohne Gebot enden, ist ein Novum in Deutschland – und ein Warnsignal für die gesamte Branche. Wenn der Staat nicht rasch reagiert, könnten Ausbauziele für die Energiewende unerreichbar werden.
Die Forderung des BWO, die nächste Ausschreibung zu verschieben, ist deshalb mehr als ein Verwaltungsakt: Sie ist ein Appell, den Offshore-Sektor strukturell zu stabilisieren, bevor erneut große Projektflächen vergeben werden.
Fazit
Der Offshore-Ausbau in Deutschland steht an einem Wendepunkt. Ohne entschlossene Reformen riskieren Politik und Wirtschaft einen Stillstand in einem Bereich, der für die klimaneutrale Stromversorgung unverzichtbar ist. Die Branche sendet eine klare Botschaft: Erst Regeln modernisieren – dann neue Flächen vergeben.