Die deutschen Heilbäder und Kurorte warnen vor einer drohenden Finanzkrise und appellieren an den Bund, sie mit gezielten Hilfsprogrammen zu unterstützen. Viele Einrichtungen, insbesondere kommunal betriebene Thermalbäder, stehen nach Angaben des Deutschen Heilbäderverbands (DHV) kurz vor der Schließung.
„Es gibt bundesweit rund 150 Thermalbäder in kommunaler Trägerschaft – zahlreiche davon sind existenziell bedroht“, sagte Brigitte Goert-Meissner, Präsidentin des DHV, am Rande des Deutschen Heilbädertages in Bad Frankenhausen.
🏛️ Hohe Kosten und Corona-Folgen bringen Bäder in Schieflage
Die Hauptursachen der Misere liegen laut Verband in den stark gestiegenen Energie- und Personalkosten sowie in den finanziellen Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Während der Lockdowns mussten viele Bäder über Monate schließen, Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Übernachtungen und Kurbetrieb fielen weg – Rücklagen wurden aufgebraucht.
„Wir haben es mit einer strukturellen Schieflage zu tun, die viele Kommunen allein nicht mehr ausgleichen können“, so Goert-Meissner. Besonders kleinere Orte, deren Wirtschaft stark vom Kurbetrieb abhängt, geraten damit in eine gefährliche Abwärtsspirale.
🏨 Heilbäder als Wirtschaftsfaktor und Gesundheitsstandort
Heilbäder und Kurorte gelten als wichtiger Bestandteil des Gesundheitstourismus in Deutschland. Neben den klassischen Thermal- und Solebädern gehören auch Kneipp- und Moorheilbäder dazu. Sie ziehen jährlich Millionen von Gästen an, sichern Arbeitsplätze in Hotellerie, Gastronomie und Therapieeinrichtungen – und tragen in vielen Regionen erheblich zur lokalen Wertschöpfung bei.
Laut DHV sind Heilbäder nicht nur touristische Attraktionen, sondern auch Teil der Präventions- und Gesundheitsinfrastruktur. Gerade im Zuge des demografischen Wandels gewinne die medizinische und therapeutische Kompetenz dieser Orte an Bedeutung.
📉 Appell an Bund und Länder
Der Verband fordert daher eine dauerhafte finanzielle Unterstützung sowie zielgerichtete Förderprogramme für energetische Sanierungen und den Ausbau nachhaltiger Betriebsstrukturen. Auch eine bessere Verzahnung von Tourismus-, Gesundheits- und Strukturpolitik sei notwendig, um die Zukunft der Heilbäder langfristig zu sichern.
„Wir brauchen ein klares politisches Signal, dass Prävention und Gesundheitsförderung nicht Luxus, sondern Daseinsvorsorge sind“, betonte Goert-Meissner. Ohne Hilfen drohten Bäderschließungen, Arbeitsplatzverluste und der Verlust jahrzehntelanger Gesundheitskompetenz.
🌿 Fazit: Tradition unter Druck
Heilbäder und Kurorte sind seit Jahrhunderten Teil deutscher Gesundheitskultur – Orte der Erholung, Heilung und Prävention. Doch der finanzielle Druck wächst.
Ob der Bund eingreifen wird, ist bislang offen. Klar ist jedoch: Ohne gezielte Unterstützung könnten viele traditionsreiche Thermalbäder bald Geschichte sein.