Am 18. Oktober ist Weltmenopausetag – ein Tag, der seit 1984 auf die Bedeutung der Wechseljahre und die gesundheitlichen, gesellschaftlichen und psychologischen Herausforderungen aufmerksam machen soll, die Millionen Frauen weltweit betreffen. Doch trotz wachsender Aufmerksamkeit bleibt die medizinische Versorgung in Deutschland lückenhaft.
Während Bayern mit einem Modellprojekt die Wechseljahreberatung künftig besser vergüten will, sehen die Landesregierungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt bislang keinen Handlungsbedarf. Ein Blick auf die Realität zeigt jedoch: Viele Frauen fühlen sich in dieser Lebensphase allein gelassen.
Ein Tabuthema bekommt eine Stimme
„Die Wechseljahre sind ein Kapitel der Frauengesundheit, das über Jahrzehnte kaum ernst genommen wurde“, sagt Journalistin Katrin Simonsen, die seit über drei Jahren für den MDR-Podcast Hormongesteuert über hormonelle Veränderungen und Frauengesundheit berichtet. „In einer männlich geprägten Medizin war es lange selbstverständlich, dass Beschwerden in den Wechseljahren als ‚natürlich‘ und unvermeidlich abgetan wurden. Frauen sollten das einfach aushalten – und wir Frauen sind leider gute Aushalterinnen.“
Doch diese Haltung beginnt sich zu verändern. Eine neue Generation von Frauen fordert Aufklärung, medizinische Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung. Symbolisch dafür steht die Journalistin Miriam Stein, die mit ihrem Hashtag #WirSind9Millionen das Thema Wechseljahre bis in den Bundestag gebracht hat. Die Botschaft: In Deutschland leben rund neun Millionen Frauen in dieser Lebensphase – und sie wollen gehört werden.
Unterversorgung und fehlendes Wissen
Ein zentrales Problem ist die medizinische Unterversorgung. Wechseljahre und Hormontherapie sind im Facharztstudium für Gynäkologie bislang nicht verpflichtender Bestandteil des Lehrplans. Viele Ärztinnen und Ärzte verfügen daher nur über begrenztes Wissen zu modernen Behandlungsmöglichkeiten oder scheuen sich, über Hormontherapien aufzuklären.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem im Gesundheitssystem: Für die Wechseljahreberatung erhalten Frauenärztinnen und Frauenärzte gerade einmal 16,89 Euro pro Quartal – das entspricht sieben Minuten Beratungszeit. „In sieben Minuten kann man keine fundierte Beratung führen“, sagt Simonsen. „Eine Frau in den Wechseljahren hat oft viele Fragen, körperliche Beschwerden und Unsicherheiten. Dafür braucht es Zeit – und die wird im aktuellen System einfach nicht bezahlt.“
Bayern geht voran – andere Länder zögern
Das bayerische Gesundheitsministerium will hier gegensteuern: In einem Modellprojekt soll die Beratung zu Wechseljahren künftig besser vergütet werden. Ziel ist es, Ärztinnen und Ärzten den zeitlichen Aufwand zu honorieren und gleichzeitig die Versorgungsqualität zu verbessern.
In Sachsen und Sachsen-Anhalt sieht man dagegen bislang keinen Handlungsbedarf. Kritik kommt von Patientinnenverbänden und Medizinerinnen, die darauf hinweisen, dass mangelnde Aufklärung und Fehldiagnosen zu unnötigem Leid führen können – etwa durch Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Herz-Kreislauf-Beschwerden, die oft nicht als hormonell bedingt erkannt werden.
Ein gesellschaftlicher Wandel ist spürbar
Trotz der Defizite bewegt sich etwas: Immer mehr Frauen sprechen offen über ihre Erfahrungen, Prominente teilen ihre Geschichten, und die Medien greifen das Thema verstärkt auf. Podcasts wie Hormongesteuert tragen dazu bei, Mythen zu entkräften und das Bewusstsein für diese Lebensphase zu schärfen.
„Wir brauchen eine Kultur, in der die Wechseljahre nicht als Ende, sondern als Neubeginn verstanden werden“, sagt Simonsen. „Und das beginnt mit Wissen, Austausch und medizinischer Kompetenz.“
Fazit:
Der Weltmenopausetag erinnert daran, dass Gesundheit keine Frage des Alters ist – und dass Frauen das Recht auf eine angemessene, respektvolle und informierte medizinische Begleitung haben. Die Forderung nach mehr Sichtbarkeit ist damit mehr als ein gesellschaftliches Anliegen – sie ist ein Schritt zu echter Gleichberechtigung im Gesundheitssystem.