Mit dem Start der Goldenen Woche erlebt China einen beispiellosen Reise- und Konsumboom. Laut Schätzungen der nationalen Tourismusbehörde (CNTA) dürfte das Reiseaufkommen im Jahr 2025 um mehr als 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Erwartet werden über 890 Millionen Inlandsreisen, begleitet von einem geschätzten Tourismusumsatz von umgerechnet über 100 Milliarden Euro.
Während sich Millionen Menschen auf den Weg machen, steht das Land symbolisch still: Fabriken, Behörden und Schulen bleiben während der Feiertage geschlossen. Nur der Dienstleistungs- und Tourismussektor läuft auf Hochtouren. In Städten wie Shanghai, Peking oder Shenzhen herrscht in Einkaufszentren und Restaurants Hochbetrieb. Viele Konsumenten nutzen die freien Tage auch, um hochwertige Produkte, Elektronikartikel oder Luxuswaren zu kaufen – ein Trend, den Analysten als „patriotischen Konsum“ bezeichnen.
Wirtschaftliche Bedeutung der Feiertage
Für die chinesische Regierung ist die Goldene Woche ein wichtiger Stimmungstest. Nach einem Jahr, das von schwacher Industrieproduktion, Immobilienkrise und zurückhaltendem Konsum geprägt war, soll die Feiertagswoche Vertrauen in die Wirtschaft zurückbringen.
Der Binnenkonsum gilt als zentrale Stütze der Konjunktur – und die Reise- und Freizeitbranche als Gradmesser für den Optimismus der Bevölkerung. „Wenn die Menschen wieder reisen, feiern und konsumieren, ist das ein Zeichen, dass sich das Vertrauen stabilisiert“, erklärt die Ökonomin Zhang Wei von der Universität Nanjing.
Tourismus im Fokus: Rekordzahlen trotz Herausforderungen
Auch internationale Reiseziele profitieren: Besonders gefragt sind Kurztrips nach Thailand, Japan und Südkorea, trotz der von den USA verhängten Zollpolitik und schwankender Wechselkurse. Reiseplattformen wie Trip.com oder Fliggy melden Rekordbuchungen. Der Trend geht jedoch klar in Richtung Inlandstourismus, da viele Chinesen angesichts globaler Spannungen auf Fernreisen verzichten.
Beliebte Ziele im Land sind historische Orte wie Xi’an, moderne Metropolen wie Shanghai und Shenzhen, aber auch Naturlandschaften wie Zhangjiajie, Guilin oder die Insel Hainan, die sich zu einem „chinesischen Hawaii“ entwickelt hat.
Infrastruktur am Limit
Mit dem Boom wachsen auch die Belastungen: Autobahnen sind überfüllt, Züge überbucht, und an Sehenswürdigkeiten bilden sich kilometerlange Warteschlangen. Das Verkehrsministerium meldete bereits am ersten Feiertag mehr als 100 Millionen Fahrzeugbewegungen, während Flughäfen ihre Kapazitätsgrenzen erreichen.
In den sozialen Medien teilen Reisende Bilder von überfüllten Stränden und langen Wartezeiten. Dennoch überwiegt die Freude über das lange Feiertagswochenende – viele Chinesinnen und Chinesen haben seit Jahren nicht mehr so ausgiebig verreist wie in diesem Herbst.
Auswirkungen auf Märkte und Rohstoffe
Der Reiseboom hat auch ökonomische Nebenwirkungen: Der Verbrauch von Treibstoff, Lebensmitteln und Luxusgütern steigt stark an. Marktanalysten beobachten in der Folge auch eine höhere Nachfrage nach Gold, das in China traditionell als Geschenk und Wertaufbewahrung beliebt ist. In den Tagen vor dem Feiertagsbeginn stiegen die Einzelhandelsverkäufe von Goldschmuck um mehr als 15 Prozent.
Gleichzeitig profitieren Fluggesellschaften, Hotels und Onlineplattformen. Der Aktienindex für Tourismusunternehmen an der Börse in Shanghai legte zuletzt spürbar zu. Auch staatliche Medien feiern den Reiseboom als „Beweis für den wachsenden Lebensstandard“.
Fazit: Konsumfreude trotz Krisenstimmung
Die Goldene Woche zeigt: Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt der Reisehunger der Chinesen ungebrochen. Für viele Bürger symbolisiert sie ein Stück Normalität und Wohlstand – für die Regierung ist sie ein willkommener Beweis, dass das Vertrauen in die Wirtschaft noch nicht verloren ist.