In den vergangenen Wochen melden Bürgerinnen und Bürger vermehrt, dass sie kleine Päckchen mit Saatgut im Briefkasten finden – ohne jemals eine Bestellung aufgegeben zu haben. Was zunächst harmlos wirkt, kann jedoch ernsthafte Folgen haben. Fachleute warnen eindringlich davor, die unbekannten Samen auszusäen.
Gefahr durch invasive Arten
„Von solchem unbekannten Saatgut geht eine Gefahr für unsere Natur und sogar die Landwirtschaft aus“, betont Bernhard Schäfer vom Julius Kühn-Institut (JKI), dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Denn die Herkunft des Saatguts ist unklar – häufig stammt es aus dem Ausland. Gelangen die Samen in heimische Gärten oder Felder, könnten sich invasive Pflanzenarten verbreiten. Diese verdrängen heimische Arten, gefährden Ökosysteme und können sogar Ernten schädigen.
Risiko durch Schädlinge und Krankheiten
Zusätzlich besteht die Gefahr, dass das Saatgut von Schädlingen oder Pflanzenkrankheiten befallen ist. Werden solche Samen ausgesät, könnten neue Schädlinge eingeschleppt werden, die bislang nicht in Europa vorkommen – mit potenziell großen Folgen für Landwirtschaft und Umwelt.
Entsorgung statt Aussaat
Die Behörden empfehlen daher ein klares Vorgehen: Unbestellte Saatgutpäckchen sollten nicht geöffnet und keinesfalls ausgesät werden. Stattdessen gehört das Material in den Hausmüll – und ausdrücklich nicht in die Biotonne, da die Samen dort weiterkeimen könnten.
Hintergrund: Betrugsmasche möglich
In einigen Fällen stecken hinter den mysteriösen Sendungen sogenannte „Brushing“-Betrugsmaschen: Händler verschicken wahllos Päckchen, um Fake-Bewertungen im Internet zu generieren. Der Empfänger soll so als angeblicher Käufer erscheinen. Auch in früheren Jahren wurden weltweit ähnliche Fälle gemeldet, vor allem in den USA und Kanada.
Empfehlung für Verbraucher
Wer solches Saatgut erhält, sollte es sicher entsorgen und – wenn möglich – die zuständige Verbraucherzentrale oder das Pflanzenschutzamt informieren. Auf keinen Fall sollten die Samen in die Umwelt gelangen.