Im Haus der Geschichte Baden-Württemberg heißt es demnächst an zwei Abenden: Zutritt nur ohne Kleidung – bis auf die Schuhe. Die ungewöhnliche Aktion richtet sich an alle, die die aktuelle Ausstellung „Frei Schwimmen – Gemeinsam?!“ einmal nackt erleben möchten.
Die Schau widmet sich mit über 200 Objekten und Fotos dem öffentlichen Baden als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen – von Gleichberechtigung und Demokratie bis zu Sexismus, Rassismus, Moralvorstellungen, Ausgrenzung und Vorurteilen. Auch Nacktbaden und FKK gehören zu den Themen. „Unterschiedliche Einstellungen und Moralvorstellungen, Körperlichkeit und Toleranz – all das wollen wir sichtbar machen“, erklärt Museumssprecher Joachim Rüeck.
Mitorganisiert wird der Nacktbesuch vom Verein Get Naked Deutschland, der dafür wirbt, das unverhüllte Menschsein wieder als natürlichen Zustand zu betrachten und nicht reflexhaft mit Sexualität zu verbinden. Ähnliche Veranstaltungen in Paris, Marseille, Brüssel und Hannover waren bereits Publikumsmagnete.
In Stuttgart ist das Interesse enorm: Sowohl die Führung am 30. August als auch eine Kunstaktion zwei Wochen später sind ausgebucht. Wegen der hohen Nachfrage dürfen Besucher an den Abenden auch ohne spezielles Programm nackt durch die Ausstellung schlendern – eine Erfahrung, die in Deutschland noch immer ungewöhnlich, aber in vielen Teilen Europas längst ein Erfolgskonzept ist.