Der Fachkräftemangel belastet viele Unternehmen im Freistaat – doch bürokratische Hürden machen die Situation noch schwieriger. Die sächsische Wirtschaft schlägt nun Alarm: Die Ausländerbehörden arbeiten zu langsam, und das koste Betriebe wertvolle, oft mühsam integrierte Arbeitskräfte.
Moritz John, Fachreferent für Fachkräftesicherung bei der Industrie- und Handelskammer Leipzig, schilderte gegenüber dem MDR eindrücklich die Realität in vielen Betrieben: „Wenn sich bei Geflüchteten der Aufenthaltstitel ändert, kommt es regelmäßig zu wochenlangen Verzögerungen. In dieser Zeit dürfen die Betroffenen nicht arbeiten – selbst wenn sie längst eingearbeitet sind und das Unternehmen sie dringend braucht.“
Die Folge: Gut integrierte und qualifizierte Arbeitskräfte dürfen oft nicht weiterbeschäftigt werden, obwohl sie in Branchen wie Handwerk, Gastronomie, Pflege oder Logistik dringend gebraucht würden. Für Unternehmen sei das frustrierend und führe zunehmend zu Verunsicherung, so John.
Ein zentrales Problem: die Zersplitterung der Zuständigkeiten. In Sachsen bearbeiten über 50 kommunale Ausländerbehörden eigenständig Anträge – mit teils sehr unterschiedlichen Abläufen und Bearbeitungszeiten. Ein Unternehmer in Leipzig hat mitunter völlig andere Erfahrungen als sein Kollege in Görlitz oder Zwickau – und das, obwohl beide mit denselben Gesetzen arbeiten.
Deshalb fordert die IHK gemeinsam mit weiteren Wirtschaftsverbänden eine zentrale Bearbeitungsstelle auf Landesebene. Ziel sei es, Verfahren zu standardisieren, zu digitalisieren und erheblich zu beschleunigen. „Was wir brauchen, ist Planbarkeit – für die Geflüchteten genauso wie für die Unternehmen“, betont John.
Auch aus der Landespolitik mehren sich die Stimmen, die sich für eine Reform der Ausländerbehörden aussprechen. Denn angesichts des demografischen Wandels und eines leergefegten Arbeitsmarkts können sich Sachsens Unternehmen eine ineffiziente Zuwanderungsbürokratie kaum noch leisten.