Der Rohrhersteller Deutsche Bogenn mit Sitz im Hafen von Sassnitz-Mukran auf Rügen steht erneut im Fokus eines Insolvenzverfahrens. Nachdem bereits zu Jahresbeginn ein erstes Verfahren nach Zahlungsrückständen bei Sozialabgaben eingeleitet worden war, ist nun ein zweiter Insolvenzantrag gestellt worden – diesmal von der Fährhafen Sassnitz GmbH.
Das Amtsgericht Stralsund hat daraufhin ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet. Nach Angaben des Gerichts geht es um offene Forderungen in Millionenhöhe. Die Hafengesellschaft fordert Zahlungen für Erschließungskosten, Medienanschlüsse und Ingenieurleistungen, die bislang nicht beglichen wurden.
Zusätzlich Zivilklage gegen Deutsche Bogenn eingereicht
Parallel zum Insolvenzantrag hat die Fährhafen-Gesellschaft auch eine Zivilklage beim Landgericht Stralsund eingereicht. In der Klageschrift verlangt sie rund 1,5 Millionen Euro, die Räumung der Unternehmensflächen sowie die Löschung von Auflassungsvormerkungen in den Grundbüchern – also den rechtlichen Sicherungen, die dem Käufer Eigentum an dem Gelände einräumen sollten.
Produktionspläne blieben weit hinter Erwartungen zurück
Die Deutsche Bogenn, ein Tochterunternehmen der türkischen MIR-Holding, galt bei ihrer Gründung im Jahr 2016 als wirtschaftlicher Hoffnungsträger für die Region. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel war damals beim Richtfest anwesend. Die Firma hatte angekündigt, in Sassnitz-Mukran eine Großproduktion von Kunststoffrohren mit rund 65 Industriearbeitsplätzen aufzubauen – gefördert durch Mittel des Landeswirtschaftsministeriums.
Doch aus dem ambitionierten Vorhaben wurde wenig: Die geplante Produktion blieb weitgehend aus, zuletzt waren nur noch wenige Beschäftigte vor Ort. Anfang des Jahres hatte der Geschäftsführer der Deutschen Bogenn unter anderem die deutsche Visa-Politik für die schleppende Entwicklung verantwortlich gemacht – demnach sei es kaum möglich gewesen, Fachkräfte aus der Türkei nach Mukran zu holen.
Zweiter Insolvenzantrag binnen sechs Monaten
Bereits im Januar dieses Jahres war das Unternehmen wegen ausstehender Sozialbeiträge in Höhe von rund 80.000 Euro ins Visier der Krankenkasse DAK geraten. Diese hatte ein Insolvenzverfahren beantragt, das jedoch durch eine Nachzahlung der Beiträge abgewendet werden konnte.
Mit dem neuerlichen Insolvenzantrag und der parallelen Klage dürfte die Zukunft des Unternehmens auf der Kippe stehen. Eine geplante Ausweitung der Produktion, die zuletzt noch angedeutet worden war, ist damit faktisch vom Tisch. Wie es für die verbliebenen Beschäftigten und das Gelände weitergeht, ist derzeit offen.