Der US-Flugzeughersteller Boeing steht erneut wegen möglicher Sicherheitsmängel in der Kritik. Wie nun bekannt wurde, untersucht die US-Luftfahrtbehörde FAA eine Whistleblower-Beschwerde gegen Boeing, die schwere Vorwürfe zur Produktionsqualität der Langstreckenjets 777 und 787 Dreamliner erhebt.
Der Boeing-Ingenieur Sam Salehpour wirft dem Konzern vor, bei der Herstellung systematisch Abkürzungen genommen und Sicherheitsstandards missachtet zu haben. Diese Praxis könne die Lebensdauer der Flugzeuge deutlich verkürzen und langfristig zu „katastrophalen Ausfällen“ führen, so Salehpour. Laut seiner Beschwerde wurden insbesondere beim Verkleben und Verschrauben von Rumpfsegmenten mikroskopisch kleine Spalten nicht korrekt verarbeitet – ein Problem, das zusätzliche Materialbelastung verursache.
Besonders brisant: Die FAA hatte bereits zwischen 2021 und 2023 wegen ähnlicher Bedenken die Auslieferung der 787 Dreamliner vorübergehend gestoppt. Damals versprach Boeing Verbesserungen. Laut Salehpour seien die Probleme aber weiterhin ungelöst – und würden intern sogar durch Druck auf Ingenieure und das Überspringen von Inspektionsschritten verschärft.
In einer Stellungnahme wies Boeing die Anschuldigungen zurück. Die Qualität und strukturelle Integrität der 787- und 777-Modelle seien gewährleistet, hieß es. Salehpours Darstellung entspreche nicht der Realität der Produktion.
Die FAA bestätigte, die Vorwürfe zu prüfen. Eine unabhängige Untersuchung im US-Senat ist ebenfalls geplant. Die Behörde betonte, dass Hinweise von Mitarbeitenden ein „zentrales Element der Flugsicherheit“ seien.
Laut Salehpour betreffen die Probleme über 1.000 Dreamliner und mehr als 400 Maschinen des Typs 777. Seine Enthüllungen hätten bereits zu internen Repressalien geführt – er sei von der 787- auf die 777-Produktionslinie versetzt worden, nachdem er auf Mängel hingewiesen hatte.
Die Boeing-Aktie reagierte prompt: Sie verlor am Dienstag rund 2 %.