In den vergangenen Wochen erschüttert eine besonders perfide Betrugsmasche ganz Österreich – der sogenannte „Medizintrick“. Mit erschütternder Skrupellosigkeit nutzen kriminelle Banden die Angst um geliebte Angehörige aus, um arglosen Menschen hohe Geldbeträge zu entlocken. Das Landeskriminalamt Niederösterreich schlägt nun Alarm und warnt eindringlich vor der neuen Masche, die bereits zu einem Schaden in Millionenhöhe geführt hat.
Seit Anfang März wurden laut Angaben der Landespolizeidirektion St. Pölten insgesamt 18 vollendete Betrugsfälle registriert. Der entstandene Schaden beläuft sich dabei auf mindestens 1,2 Millionen Euro. Zudem wurden 48 weitere Versuche gemeldet, die in letzter Sekunde vereitelt werden konnten. Besonders betroffen ist Niederösterreich, wo allein vier Opfer dem Trick zum Opfer gefallen sind.
Der Ablauf des Betrugs ist stets ähnlich: Telefonisch melden sich vermeintliche Ärzte oder Krankenhausmitarbeiter bei meist älteren Menschen. Mit ernster Stimme und überzeugender Professionalität schildern sie eine dramatische Lage – ein nahestehender Angehöriger, so behaupten sie, leide an einer schweren Form von Darmkrebs. Eine sofortige, lebensrettende Behandlung sei notwendig – allerdings koste sie eine enorme Summe. Die Opfer, überrumpelt von der Sorge und Hilflosigkeit, übergeben daraufhin Bargeld, Schmuck oder Golddukaten an eine „Vertrauensperson“, die persönlich vorbeikommt.
Erschütternde Beispiele zeigen die Tragweite dieser Taten: Am 29. Mai übergab eine 91-jährige Frau aus Nickelsdorf im Burgenland einer unbekannten Täterin Bargeld und wertvollen Goldschmuck im Wert eines mittleren fünfstelligen Eurobetrages. Nur wenige Tage zuvor war eine 83-jährige Dame aus Perchtoldsdorf in Niederösterreich auf ähnliche Weise getäuscht worden.
Die Polizei ruft nun eindringlich zur Vorsicht auf. Wer einen derartigen Anruf erhält, sollte die Identität des Anrufers unbedingt hinterfragen, sich eine Rückrufnummer geben lassen und vor jeglicher Zahlung versuchen, direkt mit dem angeblich betroffenen Angehörigen Kontakt aufzunehmen. Im Zweifelsfall gilt: Gespräch sofort beenden und umgehend die Polizei verständigen.
Diese neue Form des Telefonbetrugs zeigt einmal mehr, wie raffiniert und kaltblütig Täter heutzutage vorgehen. Die emotionale Erpressung, getarnt als medizinischer Notfall, ist nicht nur kriminell – sie ist unmenschlich. Nur durch erhöhte Wachsamkeit und gegenseitige Aufklärung kann verhindert werden, dass noch mehr Menschen diesem herzlosen Trick zum Opfer fallen.