In Kanada wächst die Wut auf die USA – und sie hat handfeste wirtschaftliche Folgen: Aus Protest gegen US-Präsident Donald Trumps Strafzölle und abfällige Aussagen über Kanada boykottieren immer mehr Kanadier amerikanische Produkte. Besonders betroffen: US-Getränke, Tourismusangebote und Exportgüter. Der Trend wird unter dem Motto „Buy Canada“ zum Symbol nationaler Selbstbehauptung – und könnte Kanadas Wirtschaft um 10 Milliarden kanadische Dollar jährlich ankurbeln.
Auslöser war Trumps Entscheidung, pauschale 25 %-Zölle auf Importe aus Kanada und Mexiko zu verhängen. Zwar nahm er einen Teil der Maßnahmen zurück, doch Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos blieben bestehen. Kanadas Gegenreaktion: Ein 25 %-Tarif auf US-Produkte im Wert von 155 Milliarden Dollar – samt dem symbolträchtigen Rauswurf von US-Alkohol aus Bars und Supermärkten.
Die US-Tourismusindustrie leidet, Flugbuchungen aus Kanada in die USA gingen um bis zu 70 % zurück, grenzüberschreitende Autofahrten sanken um etwa 30 %. Auch emotional ist die Entfremdung spürbar: Viele Kanadier fühlen sich von den USA gedemütigt und lehnen Trumps Rhetorik ab. Die Parlamentswahl Ende April gewann der neue Premierminister Mark Carney, auch dank eines patriotischen Rückenwinds im Zeichen der Abgrenzung zu den USA.
Kreativität wird zur Antwort auf den Boykott: In der „Madison Avenue Pub“ in Toronto wurde ein beliebter US-Likör kurzerhand selbst nachgebaut. „Wir lassen uns das nicht gefallen“, sagt ein Mitarbeiter.
Fazit: Trumps Handelskrieg entfacht nicht nur wirtschaftliche Spannungen, sondern hat auch eine Welle nationaler Solidarität in Kanada ausgelöst – mit möglicherweise langanhaltenden Folgen für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern.