An deutschen Tankstellen könnte künftig eine weitere Benzinsorte angeboten werden. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger setzt sich gemeinsam mit Frankreich dafür ein, den Bioethanol-Anteil im Benzin auf bis zu 20 Prozent zu erhöhen. Damit soll der sogenannte E20-Kraftstoff stärker auf dem europäischen Markt etabliert werden.
Bislang sind in Deutschland vor allem E5 und E10 erhältlich. Die Bezeichnungen stehen für einen Bioethanol-Anteil von maximal fünf beziehungsweise zehn Prozent. Bei E20 könnte dieser Anteil auf bis zu 20 Prozent steigen.
Nach Ansicht des Bundesverkehrsministers könnte die stärkere Beimischung von Biokraftstoffen dazu beitragen, den Verbrauch fossiler Rohstoffe und die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern.
Der Vorstoß steht im Zusammenhang mit den deutsch-französischen Bemühungen, die europäischen Vorgaben für neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035 zu verändern.
Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben sich nach den vorliegenden Berichten darauf verständigt, eine Abschwächung des bisherigen CO2-Reduktionsziels für Neuwagen vorzuschlagen. Statt einer vollständigen Reduktion der maßgeblichen Emissionen soll künftig eine Verringerung um 90 Prozent vorgesehen werden.
Eine endgültige Entscheidung auf europäischer Ebene ist damit allerdings noch nicht getroffen. Änderungen der geltenden EU-Regelungen bedürfen der entsprechenden Gesetzgebungsverfahren.
Für Autofahrer stellt sich vor allem die Frage, welche Fahrzeuge E20 überhaupt vertragen.
Nicht jeder Benzinmotor ist automatisch für einen Kraftstoff mit 20 Prozent Bioethanol geeignet. Insbesondere bei älteren Fahrzeugen kann die Materialverträglichkeit einzelner Bauteile problematisch sein. Verbraucher sollten deshalb vor dem Tanken prüfen, ob der Fahrzeughersteller eine ausdrückliche Freigabe für E20 erteilt hat.
Auch die Preisentwicklung ist bislang offen. Der ADAC hatte im Zusammenhang mit der Eröffnung einer ersten E20-Tankstelle in Deutschland im Juni 2026 vermutet, dass sich der Preis ungefähr auf dem Niveau von E10 bewegen könnte. Eine verbindliche Preisprognose ergibt sich daraus jedoch nicht.
Ebenso lässt sich aus einem höheren Bioethanol-Anteil nicht automatisch eine entsprechende Verringerung der gesamten Treibhausgasemissionen ableiten. Die tatsächliche Klimabilanz hängt unter anderem von der Herstellung, den eingesetzten Rohstoffen und den Produktionsbedingungen des Bioethanols ab.
Für Verbraucher ist deshalb entscheidend, dass eine mögliche Einführung von E20 mit klaren Informationen zur Fahrzeugverträglichkeit, einer eindeutigen Kennzeichnung an den Zapfsäulen und nachvollziehbaren Angaben zu Preisen und Umweltwirkungen verbunden wird.
Derzeit handelt es sich bei der breiteren Einführung von E20 um eine politische Initiative. Wann der Kraftstoff flächendeckend erhältlich sein könnte und welche gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen, steht noch nicht fest.