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Glasfaserausbau in Deutschland: Verbraucherschützer warnen vor neuen Monopolen und steigenden Kosten
Staatsanwaltschaft Hamburg

Glasfaserausbau in Deutschland: Verbraucherschützer warnen vor neuen Monopolen und steigenden Kosten

RosZie (CC0), Pixabay

Schnelles Internet darf nicht zur Kostenfalle werden

Glasfaser gilt als wichtige Zukunftstechnologie für die digitale Infrastruktur Deutschlands. Sie ermöglicht hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und stabile Internetverbindungen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt deshalb grundsätzlich die Pläne der Bundesregierung, den Ausbau zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Allerdings fordert der Verband, dass die Interessen der Verbraucher stärker berücksichtigt werden.

Lina Ehrig, Leiterin des Teams Digitales und Medien beim Verbraucherzentrale Bundesverband, betont, dass schnelles und sicheres Internet für private Haushalte unverzichtbar sei. Der langfristige Umstieg auf Glasfaser dürfe jedoch nicht zulasten fairer Preise und ausreichender Anbieterauswahl gehen.

Gefahr neuer Monopole beim Glasfasernetz

Ein zentrales Problem sieht der Verbraucherzentrale Bundesverband in der möglichen Entstehung neuer regionaler Monopolstrukturen.

Wenn ein Unternehmen ein Glasfasernetz errichtet und andere Anbieter keinen ausreichenden Zugang erhalten, kann die Auswahl für Verbraucher eingeschränkt sein.

Das könnte sich langfristig auf Preise, Vertragsbedingungen und die Qualität der angebotenen Leistungen auswirken.

Deshalb fordert der Verband gesetzlich abgesicherte Zugangsrechte für alternative Telekommunikationsanbieter.

Verbraucher sollen auch bei einem Glasfaseranschluss zwischen unterschiedlichen Unternehmen und Tarifen wählen können.

Die entsprechenden Vorschläge im Gesetzentwurf begrüßt der Verband ausdrücklich.

Schutz vor untergeschobenen Verträgen reicht nicht aus

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft telefonisch angebahnte Verträge.

Die Bundesregierung plant einen sogenannten Bestätigungsbutton, mit dem Verbraucher einen Vertragsabschluss bestätigen sollen.

Nach Auffassung des Verbraucherzentrale Bundesverbands bietet diese Regelung jedoch keinen ausreichenden Schutz, wenn Kunden noch während des Telefonats zu einer schnellen Bestätigung gedrängt werden können.

Der Verband fordert deshalb, dass die Zustimmung erst nach dem Ende des Telefonats erfolgen darf.

Verbraucher sollen genügend Zeit erhalten, Vertragsunterlagen, Preise, Laufzeiten und zusätzliche Kosten in Ruhe zu prüfen.

Verbraucher sollen bei zu langsamem Internet entschädigt werden

Auch bei der tatsächlich gelieferten Internetgeschwindigkeit sieht der Verbraucherzentrale Bundesverband Verbesserungsbedarf.

Nicht immer entspricht die verfügbare Leistung den vertraglichen Vereinbarungen.

Der Verband fordert deshalb einen pauschalen Schadensersatz von 15 Euro monatlich, wenn die tatsächliche Internetgeschwindigkeit erheblich von der vereinbarten Leistung abweicht.

Diese Zahlung soll so lange erfolgen, bis der Anbieter nachweist, dass die vertragsgemäße Leistung erbracht wird.

Zudem soll das bestehende Sonderkündigungsrecht erhalten bleiben.

Wichtig ist dabei: Die geforderte pauschale Entschädigung ist ein Vorschlag des Verbraucherzentrale Bundesverbands und keine bereits allgemein geltende automatische Zahlungspflicht.

Mehr als 22.000 Beschwerden über Telekommunikationsverträge

Wie groß die Probleme aus Verbrauchersicht sind, zeigen die vom Verband veröffentlichten Beschwerdezahlen.

Von Januar bis August 2026 wurden bundesweit mehr als 22.000 Beschwerden über Festnetz- und Mobilfunkverträge bei den Verbraucherzentralen erfasst.

Das entspricht rund zehn Prozent aller in diesem Zeitraum registrierten Beschwerden.

Besonders auffällig ist der hohe Anteil der Glasfaseranschlüsse.

Mehr als die Hälfte der Beschwerden zum Internetzugang im Festnetz betraf einen Glasfaseranschluss. Insgesamt waren dies etwa 4.000 Beschwerden.

Die häufigsten Beschwerdegründe waren:

  • Lieferungs- und Leistungsstörungen mit rund 29 Prozent.

  • Probleme bei der Kündigung mit rund 18 Prozent.

  • Belästigende Werbung mit rund 9 Prozent.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass der technische Ausbau allein noch keine reibungslose Versorgung garantiert.

Allerdings lassen sich aus den Beschwerdezahlen ohne Angaben zur Gesamtzahl der Anschlüsse keine allgemeinen Fehlerquoten ableiten.

Was Verbraucher vor einem Glasfaservertrag beachten sollten

Wer einen Glasfaseranschluss angeboten bekommt, sollte vor der Unterschrift beziehungsweise der digitalen Bestätigung mehrere Punkte sorgfältig überprüfen.

Gesamtkosten: Welche Anschlussgebühren, monatlichen Grundpreise und zusätzlichen Kosten entstehen?

Vertragslaufzeit: Wie lange ist der Vertrag bindend und welche Kündigungsfristen gelten?

Anbieterwahl: Können auch andere Internetanbieter über den Anschluss genutzt werden?

Ausbautermin: Wann soll der Anschluss tatsächlich verfügbar sein und welche Zusagen sind verbindlich?

Leistung: Welche Geschwindigkeiten werden vertraglich zugesichert?

Vertragsabschluss: Wurde der Vertrag bewusst abgeschlossen oder möglicherweise unter Zeitdruck bestätigt?

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Vertriebsmitarbeiter behaupten, Verbraucher müssten sofort unterschreiben, um ihren bisherigen Internetanschluss nicht zu verlieren. Solche Aussagen sollten unabhängig überprüft werden.

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