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Ganzjahresreifen statt Winterreifen Bequem und günstiger aber nicht für jeden Autofahrer die richtige Wahl

manfredrichter (CC0), Pixabay

Zweimal im Jahr Reifen wechseln, einen zweiten Radsatz kaufen und möglicherweise noch Geld für die Einlagerung bezahlen. Immer mehr Autofahrer fragen sich deshalb, ob Ganzjahresreifen nicht die einfachere Lösung sind. Tatsächlich können Allwetterreifen für bestimmte Fahrer eine vernünftige Alternative darstellen. Wer jedoch häufig unterwegs ist, regelmäßig mit Schnee rechnen muss oder im Winter in die Berge fährt, sollte den Komfortgewinn nicht mit gleicher Leistungsfähigkeit unter allen Bedingungen verwechseln.

Die bekannte Faustregel von Oktober bis Ostern hält sich hartnäckig. Eine kalendarische Winterreifenpflicht gibt es in Deutschland jedoch nicht. Entscheidend sind vielmehr die tatsächlichen Straßenverhältnisse.

Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte dürfen Fahrzeuge nur mit entsprechend geeigneten Reifen gefahren werden. Damit können grundsätzlich auch Ganzjahresreifen verwendet werden.

Entscheidend ist jedoch die Kennzeichnung. Geeignete Reifen müssen das Alpine Symbol tragen, also das Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Alte Ganzjahresreifen, die lediglich mit M+S für Matsch und Schnee gekennzeichnet sind, reichen dafür nicht mehr aus.

Gerade beim Kauf gebrauchter Reifen oder eines Gebrauchtwagens lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Reifenflanke. Die Bezeichnung Ganzjahresreifen allein sagt noch nicht, ob der Reifen die aktuellen Anforderungen für winterliche Straßenverhältnisse erfüllt.

Der größte Vorteil von Ganzjahresreifen liegt auf der Hand: Autofahrer benötigen nur einen Reifensatz.

Der halbjährliche Wechsel zwischen Sommer und Winterreifen entfällt. Damit können Kosten für Montage und gegebenenfalls Einlagerung eingespart werden. Auch die Anschaffung eines zweiten vollständigen Radsatzes ist nicht notwendig.

Hinzu kommt ein praktischer Vorteil. Wer Ganzjahresreifen mit entsprechender Winterkennzeichnung fährt, muss nicht vom ersten überraschenden Schneefall überrascht werden, während die Sommerreifen noch montiert sind.

Dieser Komfort hat allerdings seinen Preis. Ein Ganzjahresreifen muss zwei sehr unterschiedliche Aufgaben miteinander verbinden. Er soll bei hohen Sommertemperaturen funktionieren und gleichzeitig bei niedrigen Temperaturen, Schnee und winterlichen Straßenverhältnissen ausreichend Sicherheit bieten.

Genau deshalb bleibt er technisch ein Kompromiss.

Die Gummimischung eines spezialisierten Sommerreifens kann für warme Straßenbedingungen optimiert werden. Ein Winterreifen wiederum ist auf niedrige Temperaturen und winterliche Fahrbahnen ausgelegt. Ein Ganzjahresreifen muss dagegen einen wesentlich größeren Temperatur und Einsatzbereich abdecken.

Das kann sich bei Bremsweg, Haftung, Seitenführung und Verschleiß bemerkbar machen.

Deshalb sollte die Entscheidung nicht allein nach der Frage getroffen werden, welcher Reifentyp weniger Arbeit verursacht. Entscheidend ist das tatsächliche Fahrprofil.

Wer in einer Region mit vergleichsweise milden Wintern lebt, nur wenige Kilometer im Jahr zurücklegt und das Fahrzeug bei extremen Wetterbedingungen notfalls stehen lassen kann, für den können gute Ganzjahresreifen eine interessante Lösung sein.

Ähnliches gilt für einen Zweitwagen, der überwiegend für kurze Strecken genutzt wird und bei starkem Schneefall nicht zwingend benötigt wird.

Anders sieht es bei Vielfahrern aus. Wer täglich auf sein Fahrzeug angewiesen ist, lange Strecken zurücklegt oder unabhängig von der Wetterlage fahren muss, sollte die Vorteile spezialisierter Reifen stärker berücksichtigen.

Noch deutlicher wird die Abwägung für Autofahrer, die in Regionen mit regelmäßigem Schneefall wohnen oder im Winter häufig in die Berge fahren. Hier können klassische Winterreifen aufgrund ihrer Spezialisierung die bessere Wahl darstellen.

Ein wichtiger Punkt wird beim Thema Ganzjahresreifen häufig unterschätzt: Nicht jeder Allwetterreifen ist automatisch ein guter Reifen.

Die Bezeichnung Ganzjahresreifen sagt zunächst lediglich etwas über den vorgesehenen Einsatzbereich aus. Sie garantiert nicht, dass ein bestimmtes Modell bei Nässe, Schnee, trockener Fahrbahn oder hohen Temperaturen gleichermaßen überzeugend abschneidet.

Deshalb sollten Verbraucher nicht nur nach Preis und Reifenbezeichnung kaufen, sondern auch unabhängige Reifentests berücksichtigen. Gerade bei einem Produkt, dessen wichtigste Aufgabe darin besteht, auf wenigen handtellergroßen Kontaktflächen die Verbindung zwischen Fahrzeug und Straße herzustellen, können Qualitätsunterschiede sicherheitsrelevant sein.

Auch die Profiltiefe spielt eine Rolle. In Deutschland beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe 1,6 Millimeter. Dass ein Reifen diesen gesetzlichen Mindestwert noch erreicht, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass er unter schwierigen Winterbedingungen noch die gleiche Leistungsfähigkeit besitzt wie ein neuer Reifen.

Besonders wichtig wird das bei Auslandsreisen.

Andere europäische Staaten können strengere Vorschriften haben. Österreich akzeptiert Ganzjahres und Winterreifen nach den vorliegenden Informationen bei weniger als vier Millimetern Profil nicht mehr als entsprechend geeignete Winterbereifung.

Wer mit dem Auto in den Winterurlaub fährt, sollte deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass ein in Deutschland zulässiger Reifen auch sämtliche Anforderungen des Reiselandes erfüllt.

Eine europaweit einheitliche Winterreifenregelung gibt es nicht.

In Teilen Frankreichs gelten beispielsweise zwischen dem 1. November und dem 31. März besondere Winterausrüstungsvorschriften für bestimmte Bergregionen. In Slowenien bestehen ebenfalls kalendarisch bestimmte Anforderungen an die Winterbereifung.

Eine weitere Besonderheit gibt es in Italien. Dort können im Sommer spezielle Anforderungen für Winter und Ganzjahresreifen gelten. Nach den vorliegenden Angaben müssen entsprechende Reifen zwischen dem 16. Mai und dem 14. Oktober für die im Fahrzeugschein eingetragene Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs zugelassen sein.

Wer eine längere Reise durch mehrere Länder plant, sollte deshalb die jeweiligen nationalen Vorschriften vor Fahrtbeginn kontrollieren.

Auch wirtschaftlich ist die Entscheidung zwischen Ganzjahresreifen und zwei spezialisierten Reifensätzen nicht ganz so eindeutig, wie sie zunächst erscheint.

Natürlich spart ein einziger Reifensatz zunächst Anschaffungs, Wechsel und möglicherweise Lagerkosten. Gleichzeitig wird dieser Reifensatz aber zwölf Monate im Jahr gefahren und verschleißt entsprechend kontinuierlich.

Bei einer hohen jährlichen Kilometerleistung kann der Kostenvorteil deshalb geringer ausfallen. Zwei Reifensätze werden zwar parallel vorgehalten, jeder einzelne Satz wird aber nur einen Teil des Jahres genutzt.

Die richtige Entscheidung hängt damit stark vom individuellen Nutzungsverhalten ab.

Für einen Stadtfahrer mit wenigen Kilometern im Jahr, milden Wintern und der Möglichkeit, das Auto bei extremen Wetterbedingungen stehen zu lassen, können hochwertige Ganzjahresreifen eine komfortable und wirtschaftlich interessante Alternative sein.

Für Vielfahrer, Pendler mit langen Strecken, Bewohner schneereicher Regionen und Autofahrer, die regelmäßig in Wintersportgebiete fahren, bleiben separate Sommer und Winterreifen dagegen häufig die konsequentere Lösung.

Die alte Regel von Oktober bis Ostern ist damit zwar keine gesetzliche Vorschrift. Ganz bedeutungslos ist der Gedanke dahinter jedoch nicht. Autofahrer müssen dafür sorgen, dass ihre Bereifung zu den tatsächlichen Wetter und Straßenverhältnissen passt.

Ganzjahresreifen können diese Aufgabe übernehmen. Sie sind aber keine pauschal gleichwertige Lösung für jeden Einsatzbereich.

Wer sich für Allwetterreifen entscheidet, sollte deshalb drei Dinge besonders beachten: das vorgeschriebene Alpine Symbol, ausreichendes Profil und die Qualität des konkreten Reifenmodells.

Am Ende lautet die entscheidende Frage deshalb nicht, ob Ganzjahresreifen grundsätzlich gut oder schlecht sind. Entscheidend ist, ob sie zum eigenen Fahrprofil passen. Wer wenig fährt und extreme Winterbedingungen vermeiden kann, gewinnt Komfort und kann Kosten sparen. Wer dagegen bei Schnee, Kälte und langen Strecken zuverlässig mobil bleiben muss, sollte bei der Reifenwahl stärker auf maximale Leistungsreserven als auf den eingesparten Reifenwechsel achten.

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