Die Probleme beim Ausbau der Offshore Windenergie erreichen zunehmend die deutsche Zulieferindustrie. Beim Rostocker Stahlfundamentehersteller EEW SPC sollen bis Ende 2026 rund 100 Arbeitsplätze wegfallen. Das entspricht etwa zehn Prozent der derzeit rund 1.000 Stellen am Standort. Besonders bemerkenswert ist die Begründung des Unternehmens: EEW rechnet offenbar nicht nur kurzfristig mit Schwierigkeiten, sondern bis einschließlich 2028 mit einer geringen Auslastung seines Rostocker Werkes.
Damit wird eine Entwicklung sichtbar, vor der Unternehmen und Verbände der Offshore Windbranche seit Monaten warnen. Deutschland will die Stromerzeugung durch Windkraft auf See eigentlich erheblich ausbauen. Gleichzeitig fehlen jedoch neue Projekte und damit Aufträge für diejenigen Unternehmen, die Fundamente, Komponenten und andere Teile für die Windparks produzieren.
EEW SPC gehört zu den wichtigen Industrieunternehmen in Mecklenburg Vorpommern. Im Rostocker Überseehafen produziert das Unternehmen seit 2008 sogenannte Monopiles. Dabei handelt es sich um gewaltige Stahlrohre, die als Fundamente für Offshore Windkraftanlagen in den Meeresboden eingebracht werden. Das Unternehmen zählt nach den vorliegenden Informationen zu den weltweit führenden Herstellern solcher Fundamente.
Gerade deshalb besitzt der angekündigte Arbeitsplatzabbau Signalwirkung. Wenn ein etablierter Hersteller mit rund 1.000 Beschäftigten seine Belegschaft um etwa zehn Prozent reduzieren muss, zeigt sich, dass die Probleme beim Offshore Ausbau inzwischen konkrete Folgen für industrielle Arbeitsplätze haben.
Nach Unternehmensangaben wurden in den vergangenen Monaten bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um auf die schwierige Entwicklung zu reagieren. Diese reichten jedoch nicht aus, um die erwartete Talsohle zu bewältigen. Deshalb sollen nun rund 100 Stellen gestrichen werden.
Für die Beschäftigten ist insbesondere der zeitliche Horizont problematisch. EEW erwartet nach den vorliegenden Informationen bis einschließlich 2028 eine geringe Auslastung des Werkes. Damit handelt es sich offenbar nicht lediglich um eine kurzfristige Auftragslücke von wenigen Monaten.
Hintergrund ist die derzeit schwierige Situation beim Ausbau der Offshore Windenergie. Obwohl Deutschland seine Kapazitäten auf See erheblich erweitern will, stockt die Entwicklung neuer Projekte. Für neue Offshore Flächen finden sich derzeit offenbar nicht ausreichend Unternehmen, die entsprechende Projekte entwickeln wollen. Gleichzeitig liegen auch bereits vergebene Vorhaben teilweise auf Eis.
In der Branche wird deshalb vor einem sogenannten Fadenriss gewarnt. Gemeint ist eine Situation, in der über mehrere Jahre hinweg keine oder deutlich weniger neue Projekte gebaut werden. Für Hersteller von Windkraftanlagen und deren Zulieferer kann eine solche Unterbrechung gravierende Folgen haben.
Industriebetriebe können ihre Produktionskapazitäten schließlich nicht beliebig über Jahre vorhalten, wenn Aufträge fehlen. Hoch spezialisierte Maschinen, Produktionshallen und Fachkräfte verursachen weiterhin Kosten. Bleiben neue Projekte aus, steigt deshalb der wirtschaftliche Druck, Kapazitäten zu reduzieren.
Besonders problematisch wird ein solcher Fadenriss, wenn später wieder erheblich mehr Offshore Windkraftanlagen gebaut werden sollen. Sind Produktionskapazitäten und Fachkräfte zwischenzeitlich verloren gegangen, können sie nicht zwangsläufig kurzfristig wieder aufgebaut werden.
Genau darin liegt eines der grundlegenden Probleme der aktuellen Entwicklung. Politisch beschlossene Ausbauziele allein sichern noch keine industrielle Wertschöpfung. Entscheidend ist, ob daraus rechtzeitig konkrete Projekte, Investitionsentscheidungen und Aufträge für die Unternehmen entstehen.
Bei EEW kommt ein zweiter Faktor hinzu: der zunehmende Wettbewerbsdruck aus China.
Nach Angaben des Unternehmens drängen chinesische Hersteller verstärkt auf den europäischen Markt für Stahlfundamente. Dabei verweist EEW auch auf unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen. Vorgeformte Stahlteile aus China können demnach anders als Stahl selbst zollfrei in die Europäische Union eingeführt werden.
Für europäische Hersteller stellt sich damit die Frage, ob sie unter vergleichbaren Bedingungen mit chinesischen Anbietern konkurrieren können. Besonders bei großen industriellen Komponenten können bereits vergleichsweise kleine Kostenunterschiede entscheidend dafür sein, welcher Hersteller einen Auftrag erhält.
Die Situation ist für die deutsche Industrie auch deshalb von Bedeutung, weil der Ausbau erneuerbarer Energien regelmäßig mit der Erwartung verbunden wird, dass dadurch neue industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze entstehen. Wenn wesentliche Komponenten für Windkraftanlagen zunehmend aus dem Ausland bezogen werden, kann ein Teil dieser Wertschöpfung jedoch außerhalb Deutschlands und Europas stattfinden.
Der Stellenabbau in Rostock verdeutlicht damit einen möglichen Zielkonflikt. Deutschland will den Ausbau der Offshore Windenergie massiv vorantreiben. Gleichzeitig geraten Unternehmen unter Druck, die genau die dafür benötigten Komponenten herstellen können.
Besonders interessant ist die Situation bei EEW auch wegen der geplanten Erweiterung des Rostocker Werkes. Das Unternehmen benötigt zusätzliche Flächen, um künftig größere Stahlfundamente herstellen zu können. Die Dimensionen moderner Offshore Windkraftanlagen nehmen zu, entsprechend wachsen auch die Anforderungen an ihre Fundamente.
Im Gespräch ist eine Erweiterung des Betriebsgeländes um bis zu 40 Hektar. Seit Anfang 2026 arbeitet eine Task Force unter Beteiligung verschiedener Stellen an einer möglichen Lösung.
Das Vorhaben ist allerdings umstritten. Für die Erweiterung müssten voraussichtlich Teile des geschützten Swienskuhlen Waldes weichen. Damit treffen Industriepolitik, Energiewende und Naturschutz unmittelbar aufeinander.
Der Zeitpunkt des angekündigten Stellenabbaus dürfte die Diskussion zusätzlich verschärfen. Auf der einen Seite erklärt das Unternehmen, aufgrund der schwachen Auftragslage rund zehn Prozent seiner Arbeitsplätze abbauen zu müssen. Auf der anderen Seite benötigt EEW zusätzliche Flächen, um seine Produktionsmöglichkeiten für größere Fundamente auszubauen und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich. Tatsächlich können beide Entwicklungen gleichzeitig auftreten. Kurzfristig kann ein Unternehmen unter mangelnder Auslastung leiden und Personal reduzieren, während langfristig Investitionen notwendig sind, um technisch mit der Entwicklung des Marktes Schritt halten zu können.
Gerade deshalb dürfte die Diskussion über eine mögliche Werkserweiterung nun schwieriger werden. Politik und Stadt müssen abwägen, welche wirtschaftliche Perspektive der Standort langfristig besitzt und welche Eingriffe in Natur und Umwelt dafür vertretbar sind.
Für die Beschäftigten zählt zunächst jedoch die unmittelbare Konsequenz. Rund 100 Arbeitsplätze sollen bis zum Jahresende wegfallen. Noch ist aus den vorliegenden Informationen nicht ersichtlich, wie der Stellenabbau konkret umgesetzt wird und in welchem Umfang betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden können.
Der Fall EEW zeigt damit beispielhaft, dass die Energiewende nicht automatisch industrielle Sicherheit schafft. Zwischen politischen Ausbauzielen und tatsächlichen Aufträgen für Unternehmen liegt eine komplexe Projekt und Investitionskette. Wird diese unterbrochen, können selbst Unternehmen unter Druck geraten, deren Produkte für den langfristig geplanten Ausbau dringend benötigt werden.
Besonders kritisch wäre es, wenn Deutschland zunächst Produktionskapazitäten und qualifizierte Arbeitsplätze verliert und einige Jahre später genau diese Kapazitäten für den beschleunigten Offshore Ausbau wieder benötigt. Dann könnte die Abhängigkeit von ausländischen Herstellern weiter steigen.
Der angekündigte Stellenabbau in Rostock ist deshalb mehr als eine regionale Unternehmensmeldung. Er ist ein Warnsignal für die deutsche Offshore Lieferkette. Rund 100 Arbeitsplätze sollen verschwinden, während gleichzeitig langfristig Milliardeninvestitionen in Windenergie auf See vorgesehen sind.
Entscheidend wird sein, ob es gelingt, zwischen den langfristigen Ausbauzielen und der kurzfristigen Auftragslage eine verlässlichere Verbindung herzustellen. Denn ohne kontinuierliche Projekte können Unternehmen ihre Produktionskapazitäten und Fachkräfte nicht unbegrenzt vorhalten.
Für EEW und die Beschäftigten beginnt diese Talsohle offenbar bereits jetzt. Dass ein Unternehmen, das zentrale Bauteile für Offshore Windkraftanlagen produziert, bis 2028 mit einer geringen Auslastung rechnet und gleichzeitig Stellen streichen muss, macht deutlich, wie groß die Lücke zwischen politischen Ausbauplänen und der aktuellen wirtschaftlichen Realität der Zulieferindustrie inzwischen geworden ist.