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Gel, Acryl und Press-ons: Wann künstliche Fingernägel zum Gesundheitsrisiko werden

Bru-nO (CC0), Pixabay

Künstliche Fingernägel gehören längst nicht mehr nur zum Angebot professioneller Nagelstudios. Gel-Sets, UV- beziehungsweise LED-Lampen und Press-on-Nägel sind auch für die Anwendung zu Hause erhältlich.

Damit wächst allerdings auch die Bedeutung eines Problems, das beim Blick auf das fertige Nageldesign leicht übersehen wird: Die verwendeten Materialien wirken unmittelbar am Nagel und teilweise an der angrenzenden Haut.

Besonders Acrylate und Methacrylate können dabei zum Problem werden.

Gel, Acryl oder Press-on – wo liegt der Unterschied?

Bei Gel- und Acrylnägeln wird Material direkt auf dem Naturnagel modelliert.

Gelnägel werden anschließend üblicherweise mithilfe einer UV- oder LED-Lampe ausgehärtet. Acrylsysteme härten dagegen in der Regel durch eine chemische Reaktion aus.

Press-on-Nägel funktionieren anders. Die fertigen künstlichen Nägel werden auf den Naturnagel aufgeklebt.

Das klingt zunächst nach der schonenderen Variante. Vollkommen ohne Belastung ist aber auch diese Methode nicht.

Der verwendete Kleber und insbesondere wiederholtes Aufkleben und Entfernen können den Naturnagel mechanisch beanspruchen.

Warum der Naturnagel dünner werden kann

Damit Gel oder Acryl zuverlässig haftet, wird die Oberfläche des natürlichen Nagels üblicherweise vorbereitet beziehungsweise aufgeraut.

Dabei kann der Naturnagel dünner und empfindlicher werden.

Noch problematischer kann eine unsachgemäße Entfernung der Modellage sein. Werden Gel, Acryl oder aufgeklebte Nägel gewaltsam abgezogen, können dabei auch Bestandteile der natürlichen Nagelplatte mitgerissen werden.

Die möglichen Folgen sind weiche, dünne oder brüchige Nägel.

Die gute Nachricht: Nach der vorliegenden Darstellung wachsen solche geschädigten Bereiche normalerweise mit dem natürlichen Nagel heraus.

Das braucht allerdings Zeit.

Ein besonderes Problem: Acrylat-Allergien

Gesundheitlich besonders relevant sind mögliche allergische Reaktionen.

Acrylate und Methacrylate sind Bestandteile zahlreicher Produkte für die Nagelmodellage. Problematisch können sie insbesondere dann werden, wenn das Material nicht vollständig ausgehärtet ist oder mit der Haut in Kontakt kommt.

Dadurch kann eine Sensibilisierung entstehen.

Das Immunsystem reagiert anschließend allergisch auf den betreffenden Stoff.

Eine solche allergische Kontaktdermatitis kann sich unter anderem durch

  • Rötungen, Juckreiz, Schwellungen oder Ekzeme an den Fingern bemerkbar machen.

Solche Beschwerden sollten nicht einfach als normale Begleiterscheinung einer Maniküre abgetan werden.

Eine Allergie kann über das Nagelstudio hinaus Bedeutung haben

Eine Sensibilisierung gegen Acrylate beziehungsweise Methacrylate kann langfristig relevant sein.

Nach der vorliegenden Darstellung sind Kreuzreaktionen zwischen verschiedenen Stoffen dieser Gruppen möglich.

Wer gegen eine bestimmte Verbindung sensibilisiert wurde, kann deshalb unter Umständen auch auf ähnliche Stoffe reagieren.

Das Problem beschränkt sich nicht zwangsläufig auf kosmetische Nagelprodukte.

Materialien aus diesen Stoffgruppen können auch bei medizinischen oder zahnmedizinischen Anwendungen eine Rolle spielen. Eine entsprechende Allergie kann solche Behandlungen erschweren.

Damit ist eine durch Nagelprodukte ausgelöste Sensibilisierung potenziell mehr als nur ein kosmetisches Problem.

Unter künstlichen Nägeln können sich Keime sammeln

Ein weiteres Risiko betrifft die Hygiene.

Zwischen künstlichem Nagel und Naturnagel können kleine Hohlräume entstehen. Dort können sich Feuchtigkeit und Verschmutzungen sammeln.

Damit entstehen Bedingungen, unter denen sich Pilze oder Bakterien vermehren können.

Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass künstliche Fingernägel stärker mit Krankheitserregern belastet sein können als natürliche Fingernägel.

Besonders relevant ist das im Gesundheitswesen.

Dort werden künstliche und gegelte Fingernägel aus hygienischer Sicht als problematisch angesehen.

Verfärbungen und Schmerzen nicht einfach überdecken

Verändert sich ein Nagel unter einer Modellage, sollte das nicht einfach mit der nächsten Schicht Gel oder Lack kaschiert werden.

Verfärbungen, Schmerzen oder Entzündungszeichen können Hinweise darauf sein, dass etwas nicht stimmt.

Nach der vorliegenden Empfehlung sollte die Ursache solcher Veränderungen ärztlich abgeklärt werden.

Insbesondere eine Entzündung lässt sich durch eine neue kosmetische Modellage nicht behandeln.

Und was ist mit den UV-Lampen?

Besonders häufig wird über ein mögliches Hautkrebsrisiko durch Nagellampen diskutiert.

UV- und LED-Lampen, die zur Aushärtung von Gelnägeln eingesetzt werden, können UVA-Strahlung abgeben.

Dass UV-Strahlung grundsätzlich die Haut schädigen kann und einen wichtigen vermeidbaren Risikofaktor für Hautkrebs darstellt, ist bekannt.

Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass gelegentliche Gelmaniküren nachweislich Hautkrebs verursachen.

Genau hier ist eine differenzierte Betrachtung wichtig.

Hautkrebs durch Nagellampen bislang nicht eindeutig belegt

Wie groß das zusätzliche Hautkrebsrisiko durch UV-Nagellampen tatsächlich ist, lässt sich nach der derzeit beschriebenen Studienlage nicht zuverlässig beziffern.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 wertete neun einschlägige Studien aus.

Die Datenlage ist jedoch begrenzt. Die Autoren sahen weiteren Forschungsbedarf.

Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Nutzung von Nagellampen und Hautkrebs ist bislang nicht belegt.

Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum ordnet das Risiko zurückhaltend ein. Nach der im Ausgangsbericht wiedergegebenen Einschätzung halten die meisten Forschenden das Hautkrebsrisiko für Menschen, die UV-Nagellampen nur gelegentlich benutzen, wahrscheinlich für sehr gering.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die UVA-Belastung vollständig bedeutungslos wäre.

Sonnenschutz für die Hände

Wer seine UV-Belastung bei einer Gelmaniküre reduzieren möchte, kann Vorsichtsmaßnahmen treffen.

Die American Academy of Dermatology empfiehlt nach der vorliegenden Quelle, vor der Gelmaniküre Sonnencreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 30 auf die Hände aufzutragen.

Eine weitere Möglichkeit sind dunkle, blickdichte Handschuhe, bei denen lediglich die Fingerspitzen beziehungsweise Nägel frei bleiben.

Damit wird ein großer Teil der Haut an den Händen während des Aushärtens abgedeckt.

Selbermachen birgt zusätzliche Fehlerquellen

Gerade bei DIY-Sets kommt es darauf an, die Produkte entsprechend den jeweiligen Anwendungshinweisen zu benutzen.

Beim Allergierisiko ist insbesondere relevant, dass nicht ausgehärtetes Material möglichst nicht mit der Haut in Berührung kommt und die Modellage vollständig aushärtet.

Denn gerade unvollständig ausgehärtete Acrylate und Methacrylate können nach der vorliegenden Darstellung eine Sensibilisierung begünstigen.

Wer nach einer Anwendung wiederholt Juckreiz, Rötungen, Schwellungen oder Ekzeme feststellt, sollte deshalb nicht einfach mit einem anderen Nageldesign weitermachen.

Schönheit mit Risiken – aber kein Grund zur Panik

Künstliche Fingernägel sind nicht automatisch gesundheitsschädlich.

Die Risiken sollten allerdings auch nicht unterschätzt werden.

Besonders gut beschrieben sind mögliche Schäden an der natürlichen Nagelplatte, allergische Kontaktreaktionen sowie hygienische Probleme durch Keime und Feuchtigkeit.

Beim häufig diskutierten Hautkrebsrisiko durch UV-Nagellampen ist die Situation differenzierter: UVA-Strahlung kann grundsätzlich Hautschäden verursachen, ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Nutzung solcher Nagellampen und Hautkrebs ist nach der im Bericht dargestellten Forschungslage bislang jedoch nicht nachgewiesen.

Für Verbraucher bedeutet das vor allem:

Kunstnägel möglichst fachgerecht anwenden und entfernen, Hautkontakt mit nicht ausgehärtetem Material vermeiden, Veränderungen an Haut oder Nägeln ernst nehmen und die UV-Belastung bei Gelmaniküren nach Möglichkeit reduzieren.

Perfekte Nägel können mehrere Wochen halten. Eine einmal entwickelte Kontaktallergie kann dagegen sehr viel länger relevant bleiben.

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