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SL Windpark Selm: Eigenkapital fällt um 56 Prozent – Sachanlagen stehen nur noch mit 7 Euro in der Bilanz

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Die Bilanzsumme der in Gladbeck ansässigen SL Windpark Selm GmbH & Co. KG sank zum 31. Dezember 2024 von 1.432.722,26 Euro auf 1.049.595,37 Euro.

Das entspricht einem Rückgang um rund 383.127 Euro beziehungsweise 26,7 Prozent innerhalb eines Jahres.

Hinter dieser Entwicklung stehen mehrere erhebliche Veränderungen auf beiden Seiten der Bilanz.

Sachanlagen: Von 36.587 Euro auf nur noch 7 Euro

Eine außergewöhnlich kleine Position findet sich beim Anlagevermögen.

Ende 2023 waren noch Sachanlagen mit einem Buchwert von 36.587,50 Euro ausgewiesen. Zum 31. Dezember 2024 beträgt der Wert lediglich noch 7 Euro.

Damit ist das bilanzielle Sachanlagevermögen praktisch vollständig abgeschrieben.

Der Anhang erläutert grundsätzlich, dass Sachanlagen zu Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten abzüglich planmäßiger Abschreibungen bewertet werden und die Abschreibung grundsätzlich linear erfolgt.

Was genau hinter den verbliebenen sieben Euro steht, wird allerdings nicht erläutert.

Ebenso wichtig: Ein Buchwert von sieben Euro bedeutet nicht automatisch, dass keine Windenergieanlagen mehr betrieben werden oder die vorhandenen Anlagen wirtschaftlich nur sieben Euro wert wären. Bilanzielle Buchwerte und tatsächliche wirtschaftliche beziehungsweise technische Werte sind voneinander zu unterscheiden.

Aus dem vorliegenden Jahresabschluss lässt sich auch nicht eindeutig entnehmen, welche konkreten Sachanlagen hinter dieser Position stehen.

820.000 Euro auf Bankkonten

Während das Sachanlagevermögen nahezu vollständig abgeschrieben ist, verfügt die Gesellschaft weiterhin über erhebliche liquide Mittel.

Zum Jahresende lagen die Guthaben bei Kreditinstituten und der Kassenbestand bei 820.311,13 Euro.

Ein Jahr zuvor waren es noch 1.119.638,24 Euro.

Damit gingen die liquiden Mittel um rund 299.327 Euro beziehungsweise 26,7 Prozent zurück.

Trotz dieses Rückgangs entsprechen die vorhandenen liquiden Mittel rechnerisch rund 78 Prozent der gesamten Bilanzsumme.

Das ist eine bemerkenswert hohe Liquiditätsposition.

Aus dem Abschluss geht allerdings nicht hervor, welcher Teil dieser Mittel frei verfügbar ist und in welchem Umfang sie für bereits bestehende oder zukünftige Verpflichtungen benötigt werden.

Forderungen ebenfalls rückläufig

Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände reduzierten sich von 247.936,52 Euro auf 210.128,95 Euro.

Das entspricht einem Rückgang um rund 37.808 Euro beziehungsweise 15,2 Prozent.

Eine nähere Aufschlüsselung dieser Position enthält der vorgelegte Anhang nicht.

Der aktive Rechnungsabgrenzungsposten ging ebenfalls zurück – von 28.560 Euro auf 19.148,29 Euro.

Eigenkapital bricht um mehr als 300.000 Euro ein

Für Anleger besonders interessant ist die Entwicklung des Eigenkapitals.

Dieses reduzierte sich von 538.533,60 Euro auf 235.948,93 Euro.

Innerhalb eines Jahres verschwanden damit rechnerisch 302.584,67 Euro beziehungsweise rund 56,2 Prozent aus dieser Bilanzposition.

Das ist eine erhebliche Veränderung.

Die rechnerische Eigenkapitalquote sank von rund 37,6 Prozent auf 22,5 Prozent.

Allerdings ist bei der Interpretation Vorsicht geboten.

Das ausgewiesene Eigenkapital besteht aus den Kapitalanteilen der Kommanditisten. Aus den vorliegenden Angaben lässt sich nicht feststellen, wodurch deren Rückgang konkret verursacht wurde.

Insbesondere wäre es nicht gerechtfertigt, die Differenz von rund 302.585 Euro automatisch als Jahresverlust zu bezeichnen. Dafür fehlt die entsprechende Grundlage.

Bilanzverlust null – aber wie hoch war das Jahresergebnis?

Sowohl 2023 als auch 2024 weist die Bilanz einen Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust von 0 Euro aus.

Auch daraus kann nicht geschlossen werden, dass das operative Ergebnis ausgeglichen war.

Eine Gewinn- und Verlustrechnung ist in den vorgelegten Unterlagen nicht enthalten.

Damit fehlen für eine Anlegeranalyse zentrale Größen: Umsatzerlöse, Stromerlöse, betriebliche Aufwendungen, Abschreibungen und das konkrete Jahresergebnis sind nicht ersichtlich.

Gerade angesichts des starken Rückgangs der Kapitalanteile wäre eine Erläuterung der Eigenkapitalentwicklung besonders aufschlussreich.

Rückstellungen dominieren die Passivseite

Noch auffälliger als die Verbindlichkeiten sind die Rückstellungen.

Sie belaufen sich Ende 2024 auf 740.198,28 Euro.

Im Vorjahr waren es 829.487,21 Euro. Damit gingen sie um rund 89.289 Euro beziehungsweise 10,8 Prozent zurück.

Trotz dieses Rückgangs entsprechen die Rückstellungen rechnerisch mehr als 70 Prozent der Bilanzsumme.

Welche einzelnen Risiken oder Verpflichtungen hinter dieser erheblichen Rückstellungsposition stehen, wird im vorliegenden Anhang nicht aufgeschlüsselt.

Die Gesellschaft erläutert lediglich allgemein, dass bei der Bemessung der Rückstellungen allen erkennbaren Risiken Rechnung getragen werde.

Für Anleger wäre eine genauere Zusammensetzung der rund 740.000 Euro deshalb eine wesentliche Zusatzinformation.

Bilanzielle Verbindlichkeiten vergleichsweise niedrig

Die eigentlichen Verbindlichkeiten sind dagegen überschaubar.

Sie stiegen von 64.701,45 Euro auf 73.448,16 Euro.

Das entspricht einem Anstieg um rund 13,5 Prozent.

Sämtliche Verbindlichkeiten haben laut Anhang eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.

Davon entfallen 10.740 Euro auf Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern. Im Vorjahr waren es 7.140 Euro.

Langfristige bilanzielle Verbindlichkeiten werden somit zum Stichtag nicht ausgewiesen.

Aber zusätzlich 677.300 Euro finanzielle Verpflichtungen

Damit ist das Bild jedoch noch nicht vollständig.

Im Anhang nennt die Gesellschaft sonstige finanzielle Verpflichtungen von insgesamt 677.300 Euro.

Diese resultieren aus langfristigen Pachtverträgen, Verträgen über die kaufmännische Betriebsführung sowie sogenannten EPK-Verträgen.

Die Restlaufzeiten reichen längstens bis 2026.

Für Anleger ist diese Position wichtig, weil sie zeigt, dass die lediglich 73.448 Euro bilanzierten Verbindlichkeiten nicht sämtliche zukünftigen vertraglichen Zahlungsverpflichtungen der Gesellschaft abbilden.

Die 677.300 Euro dürfen allerdings nicht einfach zu den bilanzierten Verbindlichkeiten addiert und als „Schulden“ bezeichnet werden. Es handelt sich um gesondert ausgewiesene sonstige finanzielle Verpflichtungen.

Keine eigenen Arbeitnehmer

Die Gesellschaft beschäftigte 2024 neben der Geschäftsführung keine Arbeitnehmer.

Die Geschäftsführung erfolgt über die persönlich haftende Gesellschafterin SL Neue Energie Beteiligungs GmbH.

Damit entspricht die Struktur einer Projektgesellschaft, deren operative und administrative Aufgaben jedenfalls teilweise über vertragliche Strukturen organisiert werden können. Welche konkreten Leistungen über die genannten Verträge erbracht werden, lässt sich aus dem Abschluss jedoch nicht näher bestimmen.

Aus Anlegersicht bleiben entscheidende Fragen offen

Die Bilanz der SL Windpark Selm GmbH & Co. KG liefert ein durchaus interessantes Bild.

Auf der einen Seite stehen 820.311 Euro liquide Mittel und lediglich 73.448 Euro bilanzielle Verbindlichkeiten. Auf der anderen Seite befinden sich 740.198 Euro Rückstellungen sowie weitere 677.300 Euro sonstige finanzielle Verpflichtungen.

Besonders erklärungsbedürftig erscheint aus Anlegersicht die Eigenkapitalentwicklung.

Die Kapitalanteile der Kommanditisten sind innerhalb eines Jahres um mehr als 302.000 Euro beziehungsweise 56 Prozent gesunken. Warum, lässt sich anhand der veröffentlichten Angaben nicht nachvollziehen.

Hinzu kommt eine weitere Besonderheit: Das Sachanlagevermögen steht nur noch mit sieben Euro in der Bilanz.

Das kann bilanziell auf weitgehend abgeschriebene Vermögensgegenstände hindeuten, sagt für sich genommen aber weder etwas über den technischen Zustand noch über einen möglichen Marktwert der Anlagen aus.

Das entscheidende Informationsdefizit

Für Anleger bleibt damit vor allem die Ertragskraft der Gesellschaft im Dunkeln.

Wie viel Strom wurde 2024 produziert? Welche Erlöse wurden erzielt? Welches Jahresergebnis entstand? Warum reduzierten sich die Kapitalanteile um mehr als 300.000 Euro? Und wofür bestehen Rückstellungen von rund 740.000 Euro?

Diese Fragen lassen sich aus dem veröffentlichten Zahlenwerk nicht beantworten.

Deshalb wäre es ebenso falsch, aus der hohen Liquidität automatisch auf eine besonders starke wirtschaftliche Situation zu schließen, wie aus dem Rückgang des Eigenkapitals eine wirtschaftliche Krise abzuleiten.

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