Halsschmerzen, Husten und Schnupfen gehören für viele Menschen zum Herbst. Wie heftig die kommende Infektionssaison tatsächlich ausfällt, wissen allerdings auch Arztpraxen und Apotheken nicht. Trotzdem müssen sie sich bereits lange vorher auf mehr Patienten, zusätzliche Akutsprechstunden und die Nachfrage nach Grippeimpfungen vorbereiten.
Das zentrale Problem: Die Stärke einer Grippewelle lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts befinden sich die Zahlen der Grippe- und Corona-Infektionen derzeit noch auf einem niedrigen Niveau. Erste Signale deuten dem Bericht zufolge jedoch bereits auf einen Anstieg hin.
Arztpraxen müssen planen, obwohl niemand die Welle kennt
Für Hausärzte beginnt die Vorbereitung lange bevor die Wartezimmer voller werden. Andrea Morawe, Hausärztin in Weißandt-Gölzau und stellvertretende Vorsitzende des Hausärzteverbandes Sachsen-Anhalt, beschreibt die Unberechenbarkeit der Infektionswellen als das zentrale Planungsproblem.
Wie viele Patienten in den kommenden Wochen tatsächlich mit Atemwegserkrankungen in die Praxen kommen, lässt sich nicht sicher kalkulieren. Deshalb orientieren sich die Mediziner vor allem an ihren Erfahrungen aus vergangenen Jahren.
Danach werden Personaleinsatz, Sprechstundenkapazitäten und Impfstoffbestellungen geplant. Morawe beschreibt dieses Vorgehen als ein Stück weit „abschätzen ins Blaue“.
Mehr Akutsprechstunden für die Infektionssaison
Wenn die Zahl der Atemwegserkrankungen steigt, müssen Praxen kurzfristig größere Patientenzahlen bewältigen können. Eine Möglichkeit besteht darin, die Akutsprechstunden auszuweiten und das Terminsystem entsprechend anzupassen.
Wie umfangreich diese zusätzlichen Kapazitäten tatsächlich benötigt werden, zeigt sich jedoch erst im Verlauf der Saison. Eine schwächere Grippewelle stellt Praxen vor andere Anforderungen als eine Saison mit sehr vielen Erkrankungen.
Gerade diese Schwankungen machen eine genaue Personal- und Terminplanung schwierig.
Impfstoff wird schon zu Jahresbeginn bestellt
Noch früher müssen sich Hausarztpraxen bei den Grippeimpfstoffen festlegen. Die benötigten Impfstoffe werden laut Bericht bereits zu Beginn des Jahres vorbestellt. Die Bestellung läuft über die Apotheken.
Das geschieht also Monate bevor feststeht, wie stark die spätere Grippesaison ausfallen wird.
Hinzu kommt, dass sich die Zusammensetzung des Grippeimpfstoffs von Saison zu Saison verändert. Praxen müssen ihre Bestellungen deshalb frühzeitig organisieren, obwohl die tatsächliche Nachfrage und der spätere Verlauf der Infektionswelle zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststehen.
Grippeimpfung soll besonders gefährdete Menschen schützen
Die Grippeimpfung spielt bei der Vorbereitung eine zentrale Rolle. Nach Darstellung des MDR soll sie insbesondere ältere Menschen und Personen mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko schützen.
Inzwischen sind Impfungen zudem nicht mehr ausschließlich in Arztpraxen möglich. Viele Apotheken bieten sowohl Grippe- als auch Coronaimpfungen an. Damit übernehmen auch sie einen Teil der Versorgung während der Infektionssaison.
Erste Anzeichen für steigende Infektionszahlen
Noch ist die Situation vergleichsweise ruhig. Nach dem im Bericht zitierten jüngsten Bericht des Robert Koch-Instituts liegen die Zahlen der Corona- und Grippeinfektionen weiterhin auf einem geringen Niveau.
Gleichzeitig seien bereits Signale eines Anstiegs erkennbar. Daraus lässt sich jedoch noch nicht ableiten, wie früh, wie lange oder wie stark die kommende Grippewelle ausfallen wird.
Genau deshalb bleibt die Vorbereitung für Praxen und Apotheken eine Gratwanderung: Sie müssen genügend Kapazitäten und Impfstoff bereitstellen, ohne Monate vorher zu wissen, wie groß der tatsächliche Bedarf sein wird.