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Ratten im Norma-Zentrallager: Warum sich ein Befall über Monate festsetzen kann

photim (CC0), Pixabay

Der vom Bayerischen Rundfunk geschilderte Fall im Norma-Zentrallager Regenstauf wirft Fragen auf. Nach Informationen des BR besteht dort ein Rattenbefall, der bereits seit rund einem Jahr andauern soll.

Eine anonyme Quelle aus dem Unternehmen beschreibt den Befall laut BR sogar als so stark, dass ein Schädlingsbekämpfer der Situation kaum Herr werde.

Diese Angaben zur Dauer und zum Ausmaß des Befalls stammen aus der BR-Berichterstattung. Sie zeigen aber, wie schwierig es grundsätzlich sein kann, eine größere Rattenpopulation in weitläufigen Gebäuden dauerhaft zu beseitigen.

Denn Ratten brauchen im Wesentlichen drei Dinge: Nahrung, Wasser und geeignete Verstecke.

Gerade große Lagerhallen können dafür zahlreiche Möglichkeiten bieten. Zwischenräume, Rohrleitungen, Kellerbereiche, Fugen und andere schwer zugängliche Stellen können den Tieren Schutz bieten. Gleichzeitig können Lebensmittel beziehungsweise Lebensmittelreste eine Nahrungsquelle darstellen.

Eine sichtbare Ratte kann nur die Spitze des Problems sein

Ein entscheidendes Problem: Ratten leben weitgehend verborgen.

Sie sind überwiegend nachtaktiv und verlassen ihre Verstecke vor allem zur Futtersuche. Deshalb bedeutet es nicht automatisch, dass nur wenige Tiere vorhanden sind, wenn Beschäftigte lediglich gelegentlich einzelne Ratten sehen.

Schädlingsbekämpfer achten deshalb auf deutlich mehr als nur auf Sichtungen lebender Tiere.

Typische Hinweise sind Rattenkot, Nagespuren an Verpackungen, Schmierspuren entlang häufig benutzter Laufwege, auffällige Gerüche sowie beschädigte Lebensmittelverpackungen. Auch tote Tiere können auf einen Befall hinweisen.

Erst aus der Gesamtheit dieser Hinweise lässt sich das tatsächliche Ausmaß besser einschätzen.

Warum Fallen und Gift allein nicht reichen

Bei einem größeren Befall können mechanische Fallen, Giftköder oder gesicherte Köderstationen eingesetzt werden. Welche Methode geeignet ist, hängt von der konkreten Situation ab.

Doch allein das Töten vorhandener Tiere löst das Problem möglicherweise nicht dauerhaft.

Entscheidend ist, wie die Ratten überhaupt in das Gebäude gelangen und warum sie dort bleiben.

Genau hier kann die Bekämpfung kompliziert werden.

Ratten können durch relativ kleine Öffnungen in Gebäude eindringen. Deshalb müssen unter anderem Türen und Tore, Rohrdurchführungen, Lüftungsöffnungen, Fugen und andere mögliche Zugänge kontrolliert werden.

Werden solche Schwachstellen nicht beseitigt, können nach einer erfolgreichen Bekämpfung erneut Tiere eindringen.

Kai Scheffler, Vorstand des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbands, macht deshalb deutlich, dass der Schädlingsbekämpfer auf die Mitarbeit des Auftraggebers angewiesen ist.

Gerade große Lagergebäude rattensicher abzudichten, kann allerdings aufwendig und teuer sein.

Nach Einschätzung des Fachmanns kann eine erfolgreiche Bekämpfung genau an diesem Punkt scheitern.

Nahrung und Wasser müssen für die Tiere unerreichbar werden

Ebenso entscheidend ist die Frage, warum sich die Tiere in einem Gebäude aufhalten.

Ratten bleiben dort, wo sie Nahrung und Wasser finden.

Eine nachhaltige Bekämpfung muss deshalb auch mögliche Futterquellen beseitigen beziehungsweise unzugänglich machen. Nur vorhandene Tiere zu bekämpfen, während die Bedingungen für eine neue Population unverändert attraktiv bleiben, reicht nicht aus.

Das erklärt, warum professionelle Schädlingsbekämpfung aus mehreren Bausteinen besteht.

Zunächst wird das Ausmaß des Befalls untersucht. Anschließend werden geeignete Bekämpfungsmaßnahmen festgelegt. Parallel müssen mögliche Zugänge geschlossen und Nahrungsquellen gesichert werden. Danach sind regelmäßige Kontrollen notwendig.

Bei Lebensmitteln wird ein Rattenbefall besonders problematisch

In einem Lebensmittellager bekommt ein solcher Befall eine zusätzliche Dimension.

Ratten können nicht nur Verpackungen annagen. Sie können Lebensmittel durch Kot, Urin oder andere Spuren verunreinigen und Krankheitserreger übertragen.

Deshalb gelten in Lebensmittelbetrieben besonders hohe Anforderungen.

Möglicherweise verunreinigte Ware muss zunächst gesperrt und fachlich bewertet werden. Lebensmittel mit entsprechenden Kontaminationsspuren oder angenagte Verpackungen dürfen nicht einfach weiterverwendet beziehungsweise verkauft werden.

Auch die Schädlingsbekämpfung selbst muss sorgfältig organisiert werden. Köder, Fallen oder andere eingesetzte Mittel dürfen ihrerseits Lebensmittel und Verpackungen nicht verunreinigen.

Warum dauert eine Rattenbekämpfung manchmal Wochen?

Eine professionelle Bekämpfung ist normalerweise kein einmaliger Termin.

Bei einem kleinen, früh erkannten Befall kann die Situation vergleichsweise schnell unter Kontrolle gebracht werden. Bei einer größeren Population können dagegen über mehrere Wochen hinweg wiederholte Behandlungen und Kontrollen notwendig sein.

Dabei reicht es nicht, irgendwann keine Ratten mehr zu sehen.

Entscheidend ist, ob weiterhin Kot, Nagespuren, Laufspuren oder andere Hinweise auf Aktivität gefunden werden.

Erst wenn auch diese Hinweise verschwinden, lässt sich beurteilen, ob die Maßnahmen tatsächlich erfolgreich waren.

Wie kann ein Befall trotzdem so lange bestehen?

Die BR-Berichterstattung beantwortet nicht abschließend, warum das Rattenproblem im Norma-Zentrallager Regenstauf nach den dortigen Informationen bereits seit rund einem Jahr bestehen soll.

Deshalb wäre es nicht gerechtfertigt, aus der langen Dauer automatisch auf eine bestimmte Ursache oder ein konkretes Versäumnis zu schließen.

Grundsätzlich nennt der Schädlingsbekämpfer jedoch mehrere Faktoren, die eine Bekämpfung erschweren können: schwer zugängliche Verstecke, weiterhin vorhandene Nahrungs- und Wasserquellen, offene Zugangswege und die Schwierigkeiten, insbesondere große Gebäude dauerhaft gegen das Eindringen der Tiere abzudichten.

Für eine nachhaltige Lösung müssen deshalb mehrere Beteiligte zusammenarbeiten.

Der Schädlingsbekämpfer kann Fallen und Köder einsetzen und die Population überwachen. Der Betreiber muss gleichzeitig dafür sorgen, dass bauliche Schwachstellen beseitigt, Lebensmittel geschützt und mögliche Nahrungsquellen für die Tiere reduziert werden.

Ratten in einem Lebensmittellager sind ein ernstes Hygieneproblem

Der Fall in Regenstauf zeigt vor allem, weshalb Schädlingsbefall in Lebensmittelbetrieben konsequent überwacht werden muss.

Eine einzelne gesichtete Ratte muss noch keine riesige Population bedeuten. Umgekehrt kann eine große Population vorhanden sein, obwohl tagsüber nur selten Tiere gesehen werden.

Entscheidend sind deshalb professionelle Kontrollen und die systematische Suche nach Spuren.

Die gute Nachricht: Auch ein größerer Rattenbefall lässt sich nach Einschätzung des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbands grundsätzlich in den Griff bekommen.

Voraussetzung ist allerdings, dass nicht nur die vorhandenen Tiere bekämpft werden. Zugänge müssen geschlossen, Futter- und Wasserquellen beseitigt beziehungsweise gesichert und die Maßnahmen anschließend konsequent kontrolliert werden.

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