Die EOS Windpark Uelitz GmbH & Co. KG aus Büsingen am Hochrhein hat ihren Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024 vorgelegt.
Die Bilanzsumme stieg zum 31. Dezember 2024 auf 2.245.569,10 Euro.
Ein Jahr zuvor waren es noch 2.017.232,38 Euro.
Das entspricht rechnerisch einem Zuwachs von rund 11,3 Prozent.
Besonders auffällig sind dabei zwei Entwicklungen:
Die Gesellschaft verfügte zum Jahresende über mehr als 1,41 Millionen Euro liquide Mittel.
Gleichzeitig stiegen die bilanzierten Verbindlichkeiten innerhalb eines Jahres von rund 961.000 Euro auf knapp 1,26 Millionen Euro.
Mehr als 1,4 Millionen Euro auf Bankkonten
Den größten einzelnen Vermögensposten bilden die liquiden Mittel.
Zum 31. Dezember 2024 weist die Gesellschaft Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten von insgesamt
1.411.624,90 Euro
aus.
Ende 2023 waren es 1.266.270,12 Euro.
Damit erhöhte sich dieser Posten um rund 145.355 Euro beziehungsweise 11,5 Prozent.
Hinzu kommen Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von 513.227,16 Euro.
Insgesamt erreicht das Umlaufvermögen damit 1.924.852,06 Euro.
Das entspricht rechnerisch rund 85,7 Prozent der gesamten Bilanzsumme.
Die Bilanz der Gesellschaft ist damit auf der Aktivseite stark von kurzfristigen Vermögenswerten und insbesondere von den vorhandenen liquiden Mitteln geprägt.
Anlagevermögen mehr als verdoppelt
Deutlich verändert hat sich auch das Anlagevermögen.
Dieses stieg von 111.258,01 Euro Ende 2023 auf 247.089,38 Euro Ende 2024.
Damit hat sich der Bilanzwert des Anlagevermögens mehr als verdoppelt.
Davon entfallen 222.089,38 Euro auf Sachanlagen.
Im Vorjahr waren es lediglich 86.258,01 Euro.
Die Finanzanlagen blieben dagegen unverändert bei 25.000 Euro.
Aus den veröffentlichten Angaben lässt sich allerdings nicht eindeutig entnehmen, welche konkreten Investitionen beziehungsweise Veränderungen hinter dem Anstieg des Sachanlagevermögens stehen.
Eine weitergehende Zuordnung wäre deshalb ohne zusätzliche Unterlagen spekulativ.
Verbindlichkeiten steigen um fast 300.000 Euro
Auf der Passivseite fällt vor allem die Entwicklung der Verbindlichkeiten auf.
Sie erhöhten sich von
961.465,62 Euro
auf
1.259.818,63 Euro.
Das ist ein Anstieg um rund 298.353 Euro beziehungsweise rechnerisch etwa 31 Prozent innerhalb eines Jahres.
Dabei ist eine Besonderheit wichtig:
Nach Angaben im Anhang haben sämtliche Verbindlichkeiten eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.
Das war bereits im Vorjahr der Fall.
Die reine Höhe der Verbindlichkeiten sollte deshalb gemeinsam mit der gleichzeitig hohen Liquidität betrachtet werden.
Rund 958.000 Euro gegenüber einem Gesellschafter
Ein erheblicher Teil der Verbindlichkeiten besteht gegenüber verbundenen Unternehmen.
Der Jahresabschluss erläutert hierzu, dass diese aus laufenden Verrechnungen stammen.
Gegenüber einem Gesellschafter bestanden zum Bilanzstichtag Verbindlichkeiten von
957.683,27 Euro.
Im Vorjahr waren es 724.724,40 Euro.
Damit erhöhte sich dieser Betrag um rund 232.959 Euro.
Rechnerisch entsprechen die 957.683 Euro etwa 76 Prozent der gesamten bilanzierten Verbindlichkeiten.
Dieser Zusammenhang ist für die Einordnung wichtig: Der überwiegende Teil der Verbindlichkeiten entfällt damit nicht auf einen im Abschluss ausgewiesenen langfristigen Bankkredit, sondern auf die genannten Verrechnungen mit einem Gesellschafter.
Eigenkapital bleibt bei 165.035 Euro
Das ausgewiesene Eigenkapital blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert bei
165.035,65 Euro.
Davon entfallen 100.000 Euro auf Kapitalanteile der Kommanditisten.
Weitere 65.035,65 Euro werden als Rücklagen ausgewiesen.
Ein Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust wird mit 0 Euro angegeben.
Bei einer Bilanzsumme von 2.245.569,10 Euro ergibt sich daraus rechnerisch eine Eigenkapitalquote von rund 7,35 Prozent.
Im Vorjahr lag sie aufgrund der niedrigeren Bilanzsumme rechnerisch bei rund 8,18 Prozent.
Die Quote ist damit gesunken, obwohl sich der absolute Eigenkapitalbetrag nicht verändert hat.
Null Euro Bilanzgewinn bedeutet nicht automatisch Null Euro Jahresergebnis
Bei der Interpretation des Abschlusses ist allerdings Vorsicht geboten.
Aus dem ausgewiesenen Bilanzgewinn von null Euro lässt sich nicht automatisch schließen, dass die Gesellschaft 2024 weder Gewinn noch Verlust erwirtschaftet hat.
Die vorliegenden Unterlagen enthalten keine Gewinn- und Verlustrechnung, aus der sich Umsatzerlöse, betriebliche Aufwendungen oder das konkrete Jahresergebnis ablesen ließen.
Aussagen wie „Windpark machte 2024 keinen Gewinn“ wären deshalb auf Grundlage der veröffentlichten Daten nicht belastbar.
Die Bilanz erlaubt vor allem Aussagen über Vermögen und Finanzierung zum Bilanzstichtag.
Rückstellungen sinken auf rund 821.000 Euro
Neben Eigenkapital und Verbindlichkeiten weist die Gesellschaft erhebliche Rückstellungen aus.
Diese beliefen sich Ende 2024 auf
820.714,82 Euro.
Im Vorjahr waren es 890.731,11 Euro.
Damit gingen die Rückstellungen um rund 70.016 Euro beziehungsweise 7,9 Prozent zurück.
Laut Anhang werden die Rückstellungen unter Berücksichtigung aller erkennbaren Risiken und ungewissen Verpflichtungen in Höhe der voraussichtlichen Inanspruchnahme angesetzt.
Bei längerfristigen Rückstellungen werden zudem zukünftige Preis- und Kostensteigerungen berücksichtigt und die Beträge entsprechend abgezinst.
Eine detaillierte Aufschlüsselung der 820.714,82 Euro nach einzelnen Rückstellungsarten enthält der vorliegende Abschluss allerdings nicht.
Weitere Verpflichtungen von 2,15 Millionen Euro
Besondere Aufmerksamkeit verdienen außerdem die sonstigen finanziellen Verpflichtungen.
Sie werden mit insgesamt
2.153.003 Euro
angegeben.
Diese Summe darf allerdings nicht mit den bilanzierten Verbindlichkeiten von 1,26 Millionen Euro gleichgesetzt oder einfach zu diesen addiert und anschließend als „Schulden“ bezeichnet werden.
Es handelt sich um zusätzliche vertragliche finanzielle Verpflichtungen.
Davon entfallen 1.168.416 Euro auf Miet- und Pachtverträge.
Weitere 984.587 Euro betreffen langfristige Wartungs- und Betriebsführungsverträge.
Für das Jahr 2025 waren davon laut Abschluss 292.104 Euro aus Miet- und Pachtverträgen sowie 884.587 Euro aus Wartungs- und Betriebsführungsverträgen fällig.
Damit entfallen auf 2025 insgesamt rund 1,18 Millionen Euro der angegebenen sonstigen finanziellen Verpflichtungen.
Verpflichtungen gegenüber Vorjahr deutlich gesunken
Interessant ist zugleich die Entwicklung gegenüber 2023.
Damals wurden sonstige finanzielle Verpflichtungen von insgesamt 3.445.369 Euro ausgewiesen.
2024 sind es noch 2.153.003 Euro.
Der ausgewiesene Gesamtbetrag reduzierte sich damit um rund 1,29 Millionen Euro beziehungsweise 37,5 Prozent.
Auch hier lässt sich aus dem Abschluss allein jedoch nicht vollständig ableiten, welche Zahlungen, Vertragsabläufe oder sonstigen Veränderungen den Rückgang im Einzelnen verursacht haben.
Hohe Liquidität trifft auf kurzfristige Verpflichtungen
Für die finanzielle Betrachtung ist deshalb eine Gegenüberstellung interessant.
Zum Bilanzstichtag verfügte die Gesellschaft über:
1,41 Millionen Euro liquide Mittel und insgesamt 1,92 Millionen Euro Umlaufvermögen.
Dem standen 1,26 Millionen Euro Verbindlichkeiten mit Restlaufzeiten von maximal einem Jahr gegenüber.
Hinzu kamen Rückstellungen von rund 821.000 Euro sowie die beschriebenen sonstigen finanziellen Verpflichtungen.
Diese Zahlen liefern einen Einblick in die Bilanzstruktur.
Sie erlauben für sich genommen jedoch weder die Feststellung einer Liquiditätskrise noch die Aussage, sämtliche genannten Verpflichtungen seien unmittelbar gleichzeitig zahlbar.
Insbesondere Rückstellungen und sonstige finanzielle Verpflichtungen sind von den bilanzierten kurzfristigen Verbindlichkeiten zu unterscheiden.
Keine eigenen Arbeitnehmer
Die EOS Windpark Uelitz GmbH & Co. KG beschäftigte im Geschäftsjahr 2024 keine Arbeitnehmer.
Die Geschäftsführung wird durch die persönlich haftende Gesellschafterin, die EOS Windpark Uelitz Verwaltungsgesellschaft mbH, wahrgenommen.
Als deren Geschäftsführer werden Patrick Béguin, Thierry Lainé und Bertrand Hubert Frederic Chaillot genannt.
Das gezeichnete Kapital der Komplementärgesellschaft beträgt 25.000 Euro.
Interessant ist dabei die gesellschaftsrechtliche Konstruktion:
Die EOS Windpark Uelitz GmbH & Co. KG ist selbst alleinige Gesellschafterin ihrer Komplementärgesellschaft.
Eigentümer ist EOS Wind Deutschland
Die Windparkgesellschaft steht nach Angaben im Jahresabschluss im Eigentum der EOS Wind Deutschland GmbH.
Die Gesellschaft ist zudem in einen größeren Konzernzusammenhang eingebunden.
Der Konzernabschluss für den größten und kleinsten Kreis von Unternehmen wird nach Angaben des Jahresabschlusses von der EOS Holding SA in Lausanne in der Schweiz aufgestellt.
Damit ist die Windparkgesellschaft Teil einer grenzüberschreitenden Unternehmensstruktur.
Was aus dem Abschluss nicht hervorgeht
Für eine wirtschaftliche Bewertung fehlen allerdings wichtige Informationen.
Insbesondere liegt in den hier veröffentlichten Unterlagen keine Gewinn- und Verlustrechnung vor.
Damit lässt sich nicht erkennen, wie hoch die Umsatzerlöse des Windparks 2024 waren, wie viel Strom produziert wurde, welche operativen Kosten entstanden und welchen Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag das Unternehmen erwirtschaftete.
Auch Aussagen über Ausschüttungen an Gesellschafter lassen sich aus den vorliegenden Zahlen nicht zuverlässig ableiten.
Die Bilanz ist deshalb eine Momentaufnahme zum 31. Dezember 2024, aber kein vollständiges Bild der operativen Entwicklung des Windparks.