Die Verbraucherzentralen warnen vor einer Betrugsmasche, die sich seit August 2026 über WhatsApp verbreitet. Dabei setzen die Täter auf emotionale Nachrichten, persönliche Kontakte und die Hilfsbereitschaft der Empfänger. Ziel ist es, Nutzer dazu zu bringen, ihre WhatsApp-Konten mit Geräten zu verknüpfen, die von den Kriminellen kontrolliert werden.
Eine typische Nachricht beginnt mit der Bitte, für ein Mädchen namens Franziska abzustimmen. Angeblich handelt es sich um die Tochter von Freunden, die bei einem Wettbewerb einen kostenlosen Tanzkurs gewinnen könnte. Die Teilnahme sei für das Mädchen besonders wichtig. Inzwischen kursieren zahlreiche Varianten dieser Geschichte. Neben Franziska werden beispielsweise die Namen Eliska, Emma, Klara, Marlies, Mia oder Sophia verwendet. Auch die angeblichen Gewinne wechseln. Teilweise ist von einem Stipendium oder einem Fotokurs die Rede.
Besonders gefährlich ist, dass die Nachrichten häufig von Personen stammen, die den Empfängern persönlich bekannt sind. Dahinter können sich allerdings bereits übernommene WhatsApp-Konten verbergen. Die Täter nutzen diese Konten, um weitere Menschen aus dem jeweiligen Kontaktkreis anzuschreiben. Weil die Nachricht scheinbar von einem Freund, einem Familienmitglied oder einem anderen vertrauten Kontakt kommt, schöpfen viele Empfänger zunächst keinen Verdacht.
Wer dem enthaltenen Link folgt, gelangt auf eine Internetseite, die eine Abstimmung vortäuscht. Dort sollen Nutzer zunächst ihre Mobilfunknummer eingeben. Anschließend werden sie aufgefordert, einen Verifizierungscode einzutragen oder einen QR-Code zu scannen. Angeblich seien diese Schritte erforderlich, damit die abgegebene Stimme gezählt werde.
Tatsächlich handelt es sich dabei um den entscheidenden Schritt des Betrugs. Die Täter missbrauchen die WhatsApp-Funktion zum Verknüpfen zusätzlicher Geräte. Diese ermöglicht es, ein WhatsApp-Konto neben dem Hauptsmartphone auf bis zu fünf weiteren Geräten zu verwenden. Normalerweise dient die Funktion beispielsweise dazu, WhatsApp auch auf einem Computer zu nutzen.
Bei der aktuellen Betrugsmasche wird diese Möglichkeit zweckentfremdet. Indem die Opfer den angeforderten Code eingeben oder den QR-Code scannen, autorisieren sie unter Umständen ein Gerät der Kriminellen. Die Täter können anschließend über das verknüpfte Gerät auf das WhatsApp-Konto zugreifen, Nachrichten im Namen des Kontoinhabers verschicken und auf synchronisierte Chatverläufe zugreifen.
Die Betroffenen bemerken den unbefugten Zugriff möglicherweise zunächst nicht, weil WhatsApp auf ihrem eigenen Smartphone weiterhin funktioniert. Während sie den Messenger wie gewohnt verwenden, können die Kriminellen bereits Nachrichten an Freunde, Familienangehörige oder andere Kontakte verschicken.
Nach Angaben der Verbraucherzentralen nutzen die Täter die übernommenen Konten unter anderem für weitere Betrugsversuche. Dabei werden häufig erfundene finanzielle Notlagen geschildert. Beispielsweise behaupten die Kriminellen, dringend Geld für eine Zahnbehandlung zu benötigen. Da solche Nachrichten vom WhatsApp-Konto einer tatsächlich bekannten Person stammen, besteht die Gefahr, dass Empfänger die angebliche Notsituation für echt halten und Geld überweisen.
Auf diese Weise kann sich die Betrugsmasche innerhalb eines Kontaktkreises weiterverbreiten. Die Täter können sowohl versuchen, Geld zu erbeuten, als auch weitere WhatsApp-Konten durch die vermeintliche Abstimmung zu übernehmen.
Die Verbraucherzentralen empfehlen deshalb, bei unerwarteten Abstimmungsaufrufen grundsätzlich misstrauisch zu sein. Insbesondere dann, wenn für eine einfache Stimmabgabe ein Verifizierungscode eingegeben oder ein QR-Code gescannt werden soll, ist Vorsicht geboten. Eine solche Autorisierung ist für gewöhnliche Onlineabstimmungen normalerweise nicht erforderlich.
Auch bei Nachrichten von bekannten Personen sollten Empfänger nicht automatisch davon ausgehen, dass diese tatsächlich vom jeweiligen Kontoinhaber stammen. Bestehen Zweifel, empfiehlt es sich, die betreffende Person telefonisch oder auf einem anderen Kommunikationsweg zu kontaktieren. Ein Anruf außerhalb von WhatsApp kann dabei helfen, zu klären, ob die Abstimmungsbitte tatsächlich von ihr stammt.
Wer bereits einen Code eingegeben oder einen entsprechenden QR-Code gescannt hat, sollte unverzüglich überprüfen, ob unbekannte Geräte mit dem eigenen WhatsApp-Konto verbunden sind. Dazu lässt sich in den Einstellungen des Messengers der Menüpunkt „Verknüpfte Geräte“ aufrufen. Bei Android erfolgt der Zugriff je nach App-Version über das Menü mit den drei Punkten, bei iPhones über die Einstellungen beziehungsweise das Profilbild.
Dort zeigt WhatsApp an, welche zusätzlichen Geräte mit dem Konto verbunden sind. Entdecken Nutzer einen unbekannten Eintrag, sollten sie das betreffende Gerät auswählen und über die Funktion „Abmelden“ die Verbindung beenden. Auch vermeintlich bekannte Geräte sollten überprüft werden, wenn Zweifel daran bestehen, ob sie tatsächlich dem eigenen Haushalt oder Arbeitsplatz zuzuordnen sind.
Wurde bereits ein fremdes Gerät mit dem Konto verbunden, ist es außerdem ratsam, die eigenen Kontakte über den Vorfall zu informieren. Besonders wichtig ist dies, wenn die Täter möglicherweise bereits Nachrichten im Namen des Betroffenen verschickt haben. Freunde und Angehörige sollten davor gewarnt werden, auf verdächtige Abstimmungslinks zu klicken oder vermeintlich dringenden Geldforderungen nachzukommen.
Zusätzlichen Schutz kann die Zwei-Schritt-Verifizierung von WhatsApp bieten. Sie lässt sich in den Kontoeinstellungen aktivieren und erschwert bestimmte Formen der unbefugten Kontoübernahme. Allerdings ersetzt sie nicht die sorgfältige Prüfung von Anfragen zur Geräteverknüpfung. Wer selbst ein fremdes Gerät autorisiert, kann Kriminellen trotz zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen Zugriff gewähren.
Die aktuelle Betrugsmasche zeigt, wie gezielt Kriminelle das Vertrauen zwischen persönlichen Kontakten ausnutzen. Die vermeintliche Bitte um eine Stimme für ein Kind soll harmlos erscheinen und die Empfänger zu einer schnellen Reaktion bewegen. Entscheidend für den Schutz des eigenen WhatsApp-Kontos ist deshalb, keine Verifizierungscodes weiterzugeben und keine unbekannten Geräte über QR-Codes zu autorisieren.