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Bus-Warnstreik legt Nahverkehr lahm: Ver.di fordert 6,5 Prozent mehr Geld – Arbeitgeber bieten 4,4 Prozent

wewahn (CC0), Pixabay

Stillstehende Busse, ausgefallene Verbindungen und erhebliche Einschränkungen für Fahrgäste: Der Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr Schleswig-Holsteins hat am Montag, 21. September 2026, erneut den Busverkehr in mehreren Städten getroffen.

Die Gewerkschaft ver.di hatte rund 1.800 Beschäftigte zum eintägigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen waren die kommunalen Busunternehmen in Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster. Der Arbeitskampf begann nach Angaben des NDR am frühen Morgen gegen 3 Uhr und dauerte bis zum Betriebsende in der Nacht auf Dienstag.

Hintergrund ist der weiterhin ungelöste Tarifkonflikt. Ver.di verlangt 6,5 Prozent mehr Geld und zusätzlich eine jährliche Sonderzahlung von 650 Euro für Gewerkschaftsmitglieder.

Die Arbeitgeber haben dagegen eine schrittweise Entgelterhöhung um insgesamt 4,4 Prozent angeboten. Die von ver.di geforderte Sonderzahlung für Gewerkschaftsmitglieder lehnen sie ab.

Auch in Lübeck bleiben Busse stehen

Deutlich spürbar war der Warnstreik unter anderem in Lübeck.

Der NDR begleitete dort Busfahrer Tim Hagen, der sich am Arbeitskampf beteiligte. Gemeinsam mit ver.di fordert er eine bessere Bezahlung.

Der Warnstreik führte dazu, dass zahlreiche reguläre Busverbindungen nicht angeboten werden konnten. Für Pendler, Schüler und andere Fahrgäste bedeutete dies, auf alternative Verkehrsmittel auszuweichen oder ihre Fahrt anders zu organisieren.

Neben Lübeck waren auch die kommunalen Verkehrsbetriebe in Kiel, Flensburg und Neumünster betroffen.

Ver.di fordert 6,5 Prozent mehr Geld

Im Zentrum des Konflikts steht die Bezahlung der rund 1.800 Beschäftigten.

Ver.di fordert eine Entgelterhöhung um 6,5 Prozent.

Die Gewerkschaft begründet ihre Forderungen unter anderem mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten. Aus ihrer Sicht sollen die Beschäftigten außerdem für ihre Leistungen in den vergangenen Jahren stärker finanziell berücksichtigt werden.

Zusätzlich verlangt ver.di eine besondere Vorteilsregelung für Gewerkschaftsmitglieder.

Sie sollen nach der Forderung der Gewerkschaft jährlich 650 Euro zusätzlich erhalten.

Genau dieser Punkt sorgt jedoch für erheblichen Widerstand auf Arbeitgeberseite.

Arbeitgeber bieten 4,4 Prozent

Der Kommunale Arbeitgeberverband Schleswig-Holstein hat seinerseits eine schrittweise Erhöhung der Gehälter um insgesamt 4,4 Prozent angeboten.

Damit werde auch das Argument der gestiegenen Lebenshaltungskosten berücksichtigt, argumentiert die Arbeitgeberseite.

Von der Gewerkschaft wird das Angebot jedoch als nicht ausreichend bewertet.

Damit liegen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite bei der allgemeinen Entgeltsteigerung weiterhin auseinander: 6,5 Prozent fordert ver.di, insgesamt 4,4 Prozent bieten die Arbeitgeber.

Streit um 650-Euro-Sonderzahlung

Ein besonders umstrittener Punkt ist die zusätzliche Zahlung ausschließlich für Mitglieder der Gewerkschaft.

Der Kommunale Arbeitgeberverband lehnt diese Forderung ausdrücklich ab.

Nach Darstellung des KAV wäre eine entsprechende Regelung mit seinen Satzungsregelungen nicht vereinbar und nach seiner Auffassung rechtlich unzulässig.

Die Arbeitgeberseite vertritt stattdessen den Grundsatz, dass für gleiche Arbeit auch gleiches Geld gezahlt werden sollte.

Damit geht es in den Tarifverhandlungen nicht nur um die Höhe der allgemeinen Lohnsteigerung, sondern auch um die Frage, ob Gewerkschaftsmitglieder einen zusätzlichen finanziellen Vorteil erhalten sollen.

Ver.di erhöht vor Verhandlungsrunde den Druck

Der Zeitpunkt des Warnstreiks war nicht zufällig gewählt.

Bereits am Dienstag, 22. September, steht die dritte Verhandlungsrunde an.

Mit dem Arbeitskampf unmittelbar vor den Gesprächen will ver.di den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

Die Tarifverhandlungen laufen bereits seit August. Auch eine vorherige Verhandlungsrunde hatte keine Einigung gebracht.

Ver.di bezeichnete das bisherige Angebot der Arbeitgeber als nicht ausreichend und den bisherigen Verlauf der Gespräche als nicht zielführend.

Die Arbeitgeber widersprechen dieser Einschätzung.

Arbeitgeber kritisieren Warnstreik

Beim Kommunalen Arbeitgeberverband stößt der erneute Arbeitskampf auf deutliche Kritik.

KAV-Verhandlungsführer Jan Jacobsen bezeichnete es gegenüber dem NDR als unnötig, den Tarifkonflikt auf dem Rücken der Fahrgäste auszutragen.

Die Arbeitgeberseite hält ihr bisheriges Angebot für einen weitreichenden Kompromiss.

Jacobsen kritisierte zudem, aus Sicht des Arbeitgeberverbands liege der Schwerpunkt der Gewerkschaft inzwischen zu stark auf Arbeitskampfmaßnahmen und zu wenig auf der Fortsetzung der Verhandlungen.

Ver.di sieht die Warnstreiks dagegen als notwendiges Mittel, um ihren Forderungen in den laufenden Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen.

Nicht der erste Warnstreik im September

Der aktuelle Arbeitskampf ist keine einmalige Aktion.

Bereits in der zweiten Septemberwoche hatten Beschäftigte kommunaler Verkehrsunternehmen in Schleswig-Holstein ihre Arbeit niedergelegt.

Auch damals kam es zu erheblichen Einschränkungen im Busverkehr.

Dass nun erneut gestreikt wurde, zeigt, wie festgefahren der Tarifkonflikt inzwischen ist.

Für die Fahrgäste bedeutet das gleichzeitig wiederholte Unsicherheit bei der Planung ihrer täglichen Wege.

Verkehrsminister fordert schnelle Lösung

Auch Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen hat sich in den Konflikt eingeschaltet.

Er betonte einerseits die Bedeutung des Streikrechts. Gleichzeitig appellierte er an beide Tarifparteien, den Konflikt möglichst schnell zu lösen und bei den Auseinandersetzungen Augenmaß zu bewahren.

Der Frust bei Pendlern sei ohnehin bereits groß.

Eine politische Entscheidung über den Tarifkonflikt ist damit allerdings nicht verbunden. Die konkrete Einigung über Löhne und weitere Tarifbedingungen liegt bei Gewerkschaft und Arbeitgebern.

Dritte Verhandlungsrunde wird entscheidend für weiteren Verlauf

Nach dem Warnstreik richtet sich der Blick nun auf die dritte Verhandlungsrunde am 22. September.

Dort müssen sich beide Seiten insbesondere bei der Höhe der Entgeltsteigerung annähern.

Daneben bleibt die von ver.di geforderte jährliche Sonderzahlung von 650 Euro für Gewerkschaftsmitglieder ein wesentlicher Streitpunkt.

Ob die Gespräche zu einer Einigung führen, ist offen.

Sollte erneut kein Kompromiss erzielt werden, dürfte sich anschließend die Frage stellen, wie ver.di und die Arbeitgeberseite im Tarifkonflikt weiter vorgehen.

Für die Fahrgäste in Schleswig-Holstein bleibt deshalb vor allem entscheidend, ob es den Tarifparteien gelingt, nach den wiederholten Warnstreiks am Verhandlungstisch eine Lösung zu finden.

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