Die Verbraucherzentralen warnen vor einer zunehmend professionellen Betrugsmasche bei der Jobsuche im Internet. Kriminelle veröffentlichen gefälschte Stellenanzeigen, betreiben täuschend echte Unternehmens- und Karriereseiten und führen sogar Bewerbungsgespräche per Telefon oder Video. Hinter dem vermeintlichen Arbeitsplatz steckt jedoch häufig ein ganz anderes Ziel: Die Täter wollen persönliche Daten erbeuten oder die Bewerber für betrügerische Geldgeschäfte benutzen.
Besonders gefährlich wird es, wenn Arbeitssuchende im guten Glauben Bankkonten eröffnen, Zahlungen entgegennehmen oder Geld weiterleiten. Dadurch können sie ungewollt in Geldwäschegeschäfte hineingezogen werden.
Gefälschte Stellenanzeigen werden immer professioneller
Nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen wird es zunehmend schwieriger, betrügerische Stellenangebote auf den ersten Blick zu erkennen.
Kriminelle können inzwischen komplette Webseiten, gefälschte Identitäten und technische Infrastruktur nutzen. Auch künstliche Intelligenz erleichtert es, professionell wirkende Stellenanzeigen, Unternehmensseiten und Nachrichten zu erstellen.
Das Ziel sind häufig die persönlichen Daten der Bewerber. Name, Anschrift, Geburtsdatum, Ausweiskopie, Bankverbindung oder weitere persönliche Dokumente können anschließend für andere Straftaten missbraucht werden.
Nach Angaben der Verbraucherzentrale können damit beispielsweise Konten oder Accounts eröffnet, Kredite aufgenommen, Verträge abgeschlossen oder Fakeshops betrieben werden.
Vorsicht bei außergewöhnlich einfachen Homeoffice-Jobs
Ein Warnzeichen kann sein, wenn ein Arbeitgeber praktisch keine Anforderungen stellt.
Bei betrügerischen Angeboten spielen Ausbildung, Berufserfahrung oder Qualifikationen häufig kaum eine Rolle. Zeugnisse und andere Nachweise werden teilweise überhaupt nicht verlangt.
Stattdessen soll die Bewerbung möglichst einfach und schnell erfolgen.
Auch Angebote mit 100 Prozent Homeoffice und ungewöhnlich attraktiver Bezahlung für einfache Tätigkeiten sollten besonders sorgfältig geprüft werden.
Ein Homeoffice-Angebot allein ist selbstverständlich noch kein Hinweis auf Betrug. Treffen jedoch mehrere Auffälligkeiten zusammen, ist Vorsicht angebracht.
Ein Videogespräch beweist nicht, dass der Arbeitgeber echt ist
Besonders tückisch ist, dass die Täter zunächst Vertrauen aufbauen.
Es kann Telefonate, Chats und sogar Videogespräche geben. Ein freundlicher und professionell auftretender Ansprechpartner ist jedoch noch kein Beweis dafür, dass das Unternehmen oder die angebotene Stelle tatsächlich existiert.
Besonders aufmerksam sollten Bewerber werden, wenn bereits vor Abschluss eines Arbeitsvertrages umfangreiche persönliche Unterlagen verlangt werden.
Dazu können Ausweiskopien, Kontodaten oder Versicherungsnachweise gehören.
Besondere Warnung vor Video-Ident-Verfahren
Äußerste Vorsicht ist nach Angaben der Verbraucherzentrale geboten, wenn Bewerber während des angeblichen Einstellungsverfahrens ein Video-Ident-Verfahren durchführen sollen.
Hinter einem solchen Vorgang kann sich die Eröffnung eines Bankkontos verbergen.
Der Bewerber glaubt möglicherweise, seine Identität für den neuen Arbeitgeber zu bestätigen. Tatsächlich kann jedoch in seinem Namen ein Konto eingerichtet werden, das anschließend für betrügerische Transaktionen oder Geldwäsche genutzt wird.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, den Bewerbungsprozess abzubrechen, wenn unter einem vorgeschobenen Grund eine solche Identifizierung verlangt wird.
Unternehmen unabhängig überprüfen
Arbeitssuchende sollten sich nicht allein auf die Angaben in einer Stellenanzeige verlassen.
Entscheidend ist die Überprüfung des angeblichen Arbeitgebers. Existiert das Unternehmen tatsächlich? Gibt es eine offizielle Internetseite? Ist die ausgeschriebene Stelle dort ebenfalls aufgeführt? Stimmen Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Anschrift?
Für eine Nachfrage sollten nicht die Kontaktdaten aus einer möglicherweise gefälschten Stellenanzeige verwendet werden. Sicherer sind Kontaktdaten, die unabhängig über den offiziellen Internetauftritt des Unternehmens ermittelt wurden.
Auch die angegebene Firmenadresse sollte überprüft werden. Dadurch können beispielsweise frei erfundene Anschriften oder reine Briefkastenadressen auffallen.
Bereits Daten übermittelt? Schnell handeln
Wer erst nach der Bewerbung erkennt, dass er möglicherweise auf Job-Scamming hereingefallen ist, sollte nicht abwarten.
Besonders dringender Handlungsbedarf besteht, wenn eine Ausweiskopie verschickt, ein Video-Ident-Verfahren durchgeführt, ein Bankkonto eröffnet oder Geld empfangen beziehungsweise weitergeleitet wurde.
Betroffene sollten keine weiteren Anweisungen des angeblichen Arbeitgebers ausführen und insbesondere kein Geld weiterüberweisen.
Die Verbraucherzentralen stellen für solche Fälle einen speziellen Notfall-Check bereit, der Betroffenen abhängig davon, welche Daten bereits übermittelt oder welche Handlungen vorgenommen wurden, weitere Schritte aufzeigt.
Die aktuelle Warnung zeigt: Ein professionelles Bewerbungsgespräch, eine überzeugende Internetseite und ein attraktiver Homeoffice-Arbeitsplatz sind heute allein kein Beweis für einen seriösen Arbeitgeber.
Gerade wenn ein Job ungewöhnlich gut bezahlt wird, kaum Qualifikationen verlangt und gleichzeitig frühzeitig sensible persönliche Daten oder eine Identitätsprüfung gefordert werden, sollten Arbeitssuchende besonders vorsichtig sein.