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BayWa-Sanierung: Anleihegläubiger sollen auf 98 Prozent ihres Kapitals und sämtliche Zinsen verzichten

RyanMcGuire (CC0), Pixabay

Die finanzielle Sanierung des angeschlagenen Agrarkonzerns BayWa verlangt nun auch den Besitzern einer Hybridanleihe erhebliche Zugeständnisse ab. Nach der neuen Sanierungsvereinbarung sollen die Gläubiger der 100 Millionen Euro schweren Anleihe lediglich zwei Prozent ihres eingesetzten Kapitals zurückerhalten. Auf die Zinsen sollen sie vollständig verzichten.

Damit würde sich der Kapitalverzicht rechnerisch auf 98 Prozent belaufen. Bezogen auf den Nennbetrag von 100 Millionen Euro entspräche die verbleibende Rückzahlung rund zwei Millionen Euro, während rund 98 Millionen Euro des Kapitals nicht zurückgezahlt würden. Hinzu kommt der vollständige Verzicht auf die vereinbarten Zinsansprüche.

Die vor drei Jahren begebene Hybridanleihe sollte ursprünglich mit 7,75 Prozent verzinst werden.

Die drastischen Einschnitte sind Bestandteil eines zweiten Sanierungsanlaufs bei BayWa. Der erste Restrukturierungsplan musste überarbeitet werden, nachdem sich insbesondere die Erwartungen an die Wind- und Solarparktochter BayWa r.e. nicht erfüllt hatten.

267 von 268 Gläubigern stimmen grundsätzlich zu

Der neue Sanierungsplan steht nach den vorliegenden Angaben kurz vor einer umfassenden Einigung mit den Gläubigern.

Von insgesamt 268 Gläubigern haben 267 dem vorgesehenen Forderungsverzicht von rund 1,5 Milliarden Euro bereits grundsätzlich zugestimmt.

Damit liegt die Zustimmungsquote nach der Zahl der Gläubiger rechnerisch bei rund 99,6 Prozent.

Die noch ausstehende Einigung mit dem letzten Gläubiger wird als Formsache betrachtet. Das betreffende Unternehmen hält demnach lediglich rund 0,02 Prozent der ausstehenden Verbindlichkeiten.

Der weit überwiegende Teil der Gläubigerbasis trägt das neue Restrukturierungskonzept damit bereits grundsätzlich mit.

Zweiter Sanierungsversuch für BayWa

Dass ein neues Konzept notwendig wurde, hängt wesentlich mit der Entwicklung der Tochtergesellschaft BayWa r.e. zusammen.

Die Geschäfte der auf Wind- und Solarenergie spezialisierten Tochter liefen schlechter als ursprünglich eingeplant.

Im ersten Sanierungskonzept spielte der geplante Verkauf von BayWa r.e. eine zentrale Rolle. Aus der Transaktion sollten ursprünglich rund 1,7 Milliarden Euro zur Entschuldung des Gesamtkonzerns beitragen.

BayWa wollte seine Verschuldung mit Hilfe der vorgesehenen Maßnahmen um insgesamt rund vier Milliarden Euro reduzieren.

Doch die ursprünglichen Erwartungen an den Verkauf der Erneuerbare-Energien-Tochter ließen sich offenbar nicht mehr aufrechterhalten. Nach den vorliegenden Angaben ist inzwischen mit einem wesentlich niedrigeren Erlös zu rechnen.

Damit entstand eine Finanzierungslücke im ursprünglichen Sanierungskonzept.

Banken und Großaktionäre müssen ebenfalls Zugeständnisse machen

Die Konsequenz: BayWa musste das Restrukturierungspaket gemeinsam mit Banken und Großaktionären erneut aufbrechen und neu verhandeln.

Dabei sollen die Belastungen auf mehrere Gruppen verteilt werden.

Die Banken machen Zugeständnisse bei ihren Krediten und verlängern deren Laufzeiten bis Ende 2030.

Für BayWa bedeutet das einen erheblichen Zeitgewinn. Der Konzern erhält damit zwei Jahre länger als nach dem bisherigen Konzept Zeit, seine finanzielle Situation zu stabilisieren und die Restrukturierung umzusetzen.

Der neue Zeitplan reicht damit über mehrere Jahre.

Großaktionäre übertragen 67,1 Prozent an Treuhänder

Auch die beiden Großaktionäre werden in das Sanierungskonzept einbezogen.

Die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest halten zusammen 67,1 Prozent der BayWa-Anteile.

Diese Aktien sollen zunächst an einen Treuhänder übertragen werden.

Die bisherigen Großaktionäre erhalten ihre Beteiligungen nur unter bestimmten Bedingungen zurück.

Entscheidend wird dabei eine für 2029 vorgesehene Kapitalerhöhung sein.

Mindestens 220 Millionen Euro neues Eigenkapital gefordert

Wollen die beiden Großaktionäre ihre übertragenen Anteile zurückerhalten, müssen sie sich an der geplanten Kapitalerhöhung beteiligen.

Zusammen sollen sie dabei mindestens 220 Millionen Euro neues Eigenkapital zur Verfügung stellen.

Das Sanierungskonzept verbindet damit den Erhalt ihrer bisherigen Beteiligungsposition unmittelbar mit der Bereitschaft, zusätzliches Kapital in BayWa einzubringen.

Die Aktionäre tragen somit ebenfalls einen erheblichen Teil des Restrukturierungsrisikos.

Banken stellen 700 Millionen Euro nachrangig

Im Gegenzug sollen die finanzierenden Banken Forderungen von 700 Millionen Euro nachrangig stellen.

Nachrang bedeutet, dass diese Ansprüche im Ernstfall hinter bestimmten Forderungen anderer Gläubiger zurückstehen.

Sollte auch der neue Sanierungsplan scheitern, hätten andere Gläubiger damit grundsätzlich Vorrang gegenüber den von der Nachrangigkeit erfassten Ansprüchen der Banken.

Für die Kreditinstitute steigt dadurch das Risiko.

Gleichzeitig verbessert die Maßnahme innerhalb des Sanierungskonzepts die Position anderer Gläubiger.

Weitere 900 Millionen Euro hängen am Verkauf von BayWa r.e.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Restrukturierung betrifft Forderungen von 900 Millionen Euro.

Diese Summe sollen die betreffenden Gläubiger nur zurückerhalten, wenn der geplante Verkauf von BayWa r.e. einen entsprechenden Erlös einbringt.

Damit wird ein erheblicher Teil der Rückzahlung unmittelbar vom wirtschaftlichen Erfolg des Verkaufs abhängig gemacht.

Der Veräußerung der Erneuerbare-Energien-Tochter kommt deshalb weiterhin eine Schlüsselrolle zu – obwohl die ursprünglichen Erwartungen an den Verkaufserlös inzwischen deutlich gesunken sind.

Anleihegläubiger trifft besonders hoher Kapitalschnitt

Für die Besitzer der 100-Millionen-Euro-Hybridanleihe fällt der vorgesehene Einschnitt besonders deutlich aus.

Bei einer Rückzahlung von lediglich zwei Prozent würden aus jeweils 1.000 Euro Nennwert rechnerisch nur 20 Euro Kapitalrückzahlung.

Bei 10.000 Euro Nennwert wären es entsprechend 200 Euro.

Diese Rechnung berücksichtigt noch nicht den zusätzlichen vollständigen Verzicht auf die Zinsansprüche.

Die Anleihe sollte ursprünglich mit jährlich 7,75 Prozent verzinst werden. Wie hoch die insgesamt entfallenden Zinsforderungen aller Anleger ausfallen, lässt sich aus den vorliegenden Angaben allerdings nicht zuverlässig bestimmen.

Rund 98 Millionen Euro des Anleihekapitals betroffen

Aus der angegebenen Zwei-Prozent-Quote lässt sich die Größenordnung des geplanten Kapitalschnitts verdeutlichen.

Von den insgesamt 100 Millionen Euro würden bei vollständiger Anwendung dieser Quote rechnerisch rund zwei Millionen Euro zurückgezahlt.

Der Kapitalverzicht läge damit bei rund 98 Millionen Euro.

Dies ist eine rechnerische Ableitung aus den genannten Größen und keine zusätzlich von BayWa veröffentlichte Einzelposition.

Neben diesem Kapitalverlust sollen die Anleger auch auf ihre Zinsansprüche verzichten.

Sanierung verteilt Belastungen auf mehrere Gruppen

Der neue BayWa-Plan setzt damit nicht auf eine einzelne Finanzierungsquelle.

Stattdessen werden Gläubiger, Banken, Großaktionäre und Anleihebesitzer auf unterschiedliche Weise in die Restrukturierung eingebunden.

Die Größenordnungen sind erheblich: Rund 1,5 Milliarden Euro Forderungsverzicht, 700 Millionen Euro nachrangige Bankforderungen, mindestens 220 Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital der Großaktionäre und weitere 900 Millionen Euro, deren Rückzahlung vom Erlös aus dem BayWa-r.e.-Verkauf abhängig ist.

Diese Beträge dürfen allerdings nicht einfach addiert und als Gesamtvolumen der Sanierung dargestellt werden, da sich die einzelnen Maßnahmen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Funktion unterscheiden und Überschneidungen anhand der vorliegenden Angaben nicht ausgeschlossen werden können.

BayWa gewinnt Zeit bis Ende 2030

Für den Konzern ist die verlängerte Laufzeit der Finanzierung ein zentraler Bestandteil des neuen Plans.

BayWa erhält nun bis Ende 2030 Zeit für die finanzielle Restrukturierung – zwei Jahre länger als zuvor vorgesehen.

Damit verschiebt sich der Sanierungshorizont deutlich nach hinten.

Ob der zweite Anlauf erfolgreich sein wird, hängt jedoch weiterhin von mehreren Faktoren ab. Dazu zählt insbesondere der geplante Verkauf von BayWa r.e., dessen Erlös für einen Teil der Gläubigerrückzahlungen entscheidend ist.

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