Wer trotz Warnungen außerhalb der offiziellen Saison auf den Mount Fuji steigt und anschließend per Hubschrauber gerettet werden muss, könnte künftig eine empfindliche Rechnung bekommen.
Die japanische Präfektur Yamanashi will Bergsteiger ab dem kommenden Jahr an den Kosten einer Hubschrauberrettung beteiligen. Die Maßnahme ist Teil eines neuen Pakets, mit dem leichtsinnige und schlecht vorbereitete Besteigungen des höchsten Berges Japans eingedämmt werden sollen.
Wie teuer eine Rettung am Fuji konkret wird, steht nach den vorliegenden Angaben noch nicht fest.
Einen deutlichen Hinweis liefert allerdings eine bereits bestehende Regelung in der benachbarten Präfektur Saitama: Dort werden für Hubschraubereinsätze in bestimmten Bergregionen 8.000 Yen je fünf Minuten verlangt – umgerechnet rund 51 US-Dollar beziehungsweise 38 britische Pfund.
Diese Gebühren sollen Yamanashi als Orientierung dienen.
Außerhalb der Saison wird der Fuji zur besonderen Gefahr
Der Mount Fuji wirkt auf zahllosen Fotos geradezu friedlich. Doch außerhalb der offiziellen Klettersaison können sich die Bedingungen grundlegend verändern.
Die reguläre Saison reicht von Juli bis Anfang September.
Danach beginnt die sogenannte Off-Season, die sich bis zum folgenden Juli erstreckt.
Eine Besteigung außerhalb der Hauptsaison wird dringend abgeraten. Bis zur fünften der insgesamt zehn Stationen ist sie nach den vorliegenden Angaben allerdings grundsätzlich möglich.
Genau hier wollen die Behörden nun stärker eingreifen.
Bergsteiger müssen ihre Tour vorher anmelden
Wer den Fuji während der Nebensaison besteigen möchte, soll künftig einen detaillierten Tourenplan einreichen müssen.
Damit sollen unangekündigte und möglicherweise schlecht vorbereitete Besteigungen reduziert werden.
Yamanashis Gouverneur Kotaro Nagasaki macht deutlich, was die Behörden erreichen wollen: Die Bevölkerung werde gebeten, während der Nebensaison auf Besteigungen zu verzichten.
Die neuen Maßnahmen sollen Bergsteiger dazu bringen, noch einmal darüber nachzudenken, was eine Besteigung des Mount Fuji im Winter tatsächlich bedeutet.
Denn dann herrschen völlig andere Bedingungen als während der sommerlichen Hauptsaison.
Berghütten und Toiletten sind geschlossen
Ein entscheidendes Problem: Die Infrastruktur, auf die sich Bergsteiger während der offiziellen Saison verlassen können, steht außerhalb dieser Monate größtenteils nicht zur Verfügung.
Die meisten Berghütten und Toiletten sind geschlossen.
Gleichzeitig werden Wetter und Wegverhältnisse deutlich schwieriger.
Damit kann aus einer Tour, die während der Saison von sehr vielen Menschen bewältigt wird, außerhalb der Saison ein erheblich anspruchsvolleres Unternehmen werden.
Wer trotzdem startet, muss entsprechend ausgerüstet und vorbereitet sein.
Immer mehr unangekündigte Touren
Hinter den neuen Maßnahmen stehen konkrete Erfahrungen der Behörden.
Sowohl Yamanashi auf der Nordseite des Fuji als auch die benachbarte Präfektur Shizuoka auf der Südseite haben dem Bericht zufolge eine Zunahme von Besteigungen außerhalb der Saison und unangemeldeten Touren registriert.
Einige Bergsteiger gerieten dabei in Situationen, in denen sie nicht mehr selbstständig weiterkamen.
Dann müssen Rettungskräfte ausrücken.
Und genau an diesem Punkt soll die neue Kostenregelung ansetzen.
Wer bewusst während der besonders problematischen Jahreszeit aufsteigt und anschließend einen Rettungshubschrauber benötigt, soll in Yamanashi künftig für diesen Einsatz zahlen.
Wie teuer kann eine Rettung werden?
Eine endgültige Gebührenordnung für den Mount Fuji nennt der Bericht noch nicht.
Interessant ist deshalb das Modell aus Saitama.
Dort kostet ein Hubschraubereinsatz in entsprechenden Berggebieten 8.000 Yen pro fünf Minuten.
Rein rechnerisch wären das:
16.000 Yen für zehn Minuten,
48.000 Yen für eine halbe Stunde,
96.000 Yen für eine Stunde.
Ob Yamanashi dieselbe Gebührenhöhe oder dieselbe Berechnung übernehmen wird, ist allerdings noch offen.
Die Regelung aus Saitama dient bislang lediglich als Referenz.
Deshalb lässt sich aus den Angaben noch keine konkrete Rechnung für eine künftige Fuji-Rettung ableiten.
Auch die Südseite verschärft die Regeln
Die Maßnahmen betreffen nicht nur Yamanashi.
Auch die Präfektur Shizuoka, die für die südliche Seite des Mount Fuji zuständig ist, will härter gegen unangemeldete Besteigungen außerhalb der Saison vorgehen.
Dort sollen Bergsteiger bestraft werden können, wenn sie ihre geplante Tour nicht ordnungsgemäß registrieren.
Außerdem sollen die Behörden stärker verhindern, dass Menschen abgesperrte Bereiche betreten.
Eine Gebühr für Hubschrauberrettungen hat Shizuoka nach den vorliegenden Angaben allerdings nicht angekündigt.
Damit unterscheiden sich die geplanten Maßnahmen auf den beiden Seiten des Berges.
Rund 200.000 Menschen wollen jedes Jahr hinauf
Der Mount Fuji ist kein gewöhnlicher Berg.
Während der offiziellen Saison versuchen jährlich ungefähr 200.000 Wanderer und Bergsteiger, den Gipfel zu erreichen.
Das erklärt auch, warum die Behörden versuchen, Besucherströme und Risiken stärker zu kontrollieren.
Während der Hauptsaison stehen entsprechende Einrichtungen zur Verfügung und die Bedingungen sind grundsätzlich besser auf die große Zahl von Bergsteigern ausgerichtet.
Außerhalb dieser wenigen Monate verändert sich die Situation jedoch deutlich.
Wer trotz Warnung steigt, trägt künftig ein größeres finanzielles Risiko
Die neue Regelung setzt deshalb auf einen zusätzlichen Abschreckungseffekt.
Bislang musste ein Bergsteiger vor allem das körperliche und gesundheitliche Risiko einer winterlichen beziehungsweise außerhalb der Saison stattfindenden Fuji-Tour berücksichtigen.
Künftig kommt zumindest auf der von Yamanashi verwalteten Seite ein weiterer Faktor hinzu:
Eine notwendige Hubschrauberrettung könnte teuer werden.
Damit soll offenbar verhindert werden, dass Menschen schlecht vorbereitet aufbrechen und sich darauf verlassen, im Ernstfall ohne eigene Kosten ausgeflogen zu werden.
Ein weltberühmter Berg – aber keine ganzjährige Touristenattraktion
Die Bilder des schneebedeckten Mount Fuji können leicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Besteigung nicht zu jeder Jahreszeit mit denselben Risiken verbunden ist.
Während Hunderttausende Menschen den Berg innerhalb der offiziellen Saison besuchen, fehlen außerhalb dieses Zeitraums wichtige Teile der touristischen Infrastruktur.
Geschlossene Berghütten, fehlende Toiletten, schwierigeres Wetter und anspruchsvollere Wegbedingungen verändern die Anforderungen erheblich.
Die japanischen Behörden wollen deshalb nicht nur warnen.
Sie erhöhen nun auch den organisatorischen und möglicherweise finanziellen Druck.
Touren müssen angemeldet werden, gesperrte Bereiche sollen stärker kontrolliert werden – und wer auf der Yamanashi-Seite außerhalb der Saison in Schwierigkeiten gerät und einen Rettungshubschrauber braucht, soll künftig dafür bezahlen.
Für Reisende bedeutet das vor allem eines:
Der Mount Fuji mag ganzjährig zu sehen sein. Als Berg für eine spontane Besteigung ist er es nicht.