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Kanada rückt näher an die EU: Neuer Status einer „assoziierten Mitgliedschaft“ wird geprüft

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay

Kanada könnte sich künftig wesentlich enger an die Europäische Union binden. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ wird derzeit über einen neuen Status einer „assoziierten Mitgliedschaft“ gesprochen. Dieser Status könnte eigens für Kanada geschaffen werden.

Das wäre allerdings kein normaler Beitritt Kanadas zur Europäischen Union. Vielmehr geht es um eine besonders enge Zusammenarbeit, die deutlich über ein gewöhnliches Handelsabkommen hinausgehen könnte.

Kanada sucht stärkere Verbindung zu Europa

Hintergrund sind die zunehmend schwierigen Beziehungen zwischen Kanada und den USA.

Seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus Anfang 2025 haben sich die politischen und wirtschaftlichen Spannungen verschärft. Die USA verhängten Zölle auf kanadische Waren im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Kanada reagierte mit Gegenzöllen.

Die Regierung von Ministerpräsident Mark Carney sucht deshalb offenbar nach Möglichkeiten, Kanada wirtschaftlich weniger abhängig von den USA zu machen.

Europa könnte dabei eine wichtige Rolle spielen.

Was bedeutet „assoziierte Mitgliedschaft“?

Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Eine solche Mitgliedschaft gibt es in der beschriebenen Form bisher nicht.

Die EU kennt zwar Assoziierungsabkommen mit verschiedenen Staaten. Diese ermöglichen eine enge wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit, machen ein Land aber nicht zum EU-Mitglied.

Nach dem Bericht wird nun geprüft, ob für Kanada ein neuer und weitergehender Status geschaffen werden könnte.

Kanada könnte dadurch bestimmte Vorteile erhalten, die normalerweise eng mit dem europäischen Binnenmarkt verbunden sind, ohne vollständig Mitglied der Europäischen Union zu werden.

Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräfte könnten leichter die Grenzen passieren

Die Überlegungen gehen offenbar weit über niedrigere Zölle hinaus.

Kanada und die EU sollen darüber sprechen, den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und möglicherweise auch Arbeitskräften in bestimmten Bereichen zu erleichtern.

Eine besonders enge Zusammenarbeit wird unter anderem bei Energie, künstlicher Intelligenz, Verteidigung und wichtigen Rohstoffen geprüft.

Damit würde Kanada wirtschaftlich wesentlich enger an Europa heranrücken.

Von einer tatsächlichen „Verschiebung der EU-Außengrenze“ sollte man allerdings nur im übertragenen Sinn sprechen. Kanada würde dadurch geografisch selbstverständlich nicht Teil Europas.

Kanadier könnten möglicherweise leichter in der EU leben und arbeiten

Besonders weitreichend wären mögliche Regelungen für Arbeitnehmer.

Nach dem Bericht soll Carney bereits mit mehreren europäischen Regierungschefs darüber gesprochen haben, Kanadiern ein visumfreies Leben und Arbeiten innerhalb der Europäischen Union zu ermöglichen.

Ob und in welchem Umfang eine solche Regelung tatsächlich umgesetzt werden könnte, ist derzeit noch offen.

Besonders intensive Gespräche soll Carney mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron geführt haben. Ein weiteres Treffen der beiden Politiker ist dem Bericht zufolge für Ende September vorgesehen.

Energie, Rechenzentren und Satelliten

Auch bei wichtigen Zukunftstechnologien könnten Kanada und Europa enger zusammenarbeiten.

Diskutiert werden demnach unter anderem neue Unterseekabel zwischen Kanada und Europa.

Außerdem soll es Überlegungen zum gemeinsamen Bau von Rechenzentren und Cloud-Speichern sowie zur Zusammenarbeit bei Satellitennetzwerken geben.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist Energie.

Kanada verfügt über große Rohstoff- und Energievorkommen. Deshalb wird offenbar auch über neue Infrastruktur gesprochen, mit der kanadische Energie leichter nach Europa geliefert werden könnte.

Kanada besitzt wichtige Rohstoffe

Für die Europäische Union wäre eine engere Zusammenarbeit mit Kanada auch wegen wichtiger Rohstoffe interessant.

Europa versucht seit Jahren, seine Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern zu reduzieren. Besonders bei Rohstoffen, die für Batterien, Elektronik, erneuerbare Energien und moderne Industrieprodukte benötigt werden, spielt die Versorgungssicherheit eine große Rolle.

Kanada könnte für Europa deshalb zu einem noch wichtigeren Partner werden.

Ein echter EU-Beitritt wäre etwas völlig anderes

Die Formulierung, Kanada könne der EU „beitreten“, kann leicht zu einem falschen Eindruck führen.

Nach den derzeit vorliegenden Informationen geht es nicht um einen klassischen EU-Beitritt Kanadas.

Geprüft wird vielmehr eine neue Form der Partnerschaft, die möglicherweise einige Vorteile einer EU-Mitgliedschaft ermöglichen könnte, ohne Kanada zu einem normalen Mitgliedstaat zu machen.

Wie dieser neue Status rechtlich genau aussehen würde und welche Rechte und Pflichten damit verbunden wären, ist bislang nicht geklärt.

Schon das bestehende Abkommen mit Kanada macht Schwierigkeiten

Wie kompliziert eine noch engere Partnerschaft werden könnte, zeigt bereits das bestehende Handelsabkommen zwischen Kanada und der EU.

Das Abkommen CETA wurde vor mehr als zehn Jahren vereinbart und wird seit Jahren in großen Teilen vorläufig angewendet. Dennoch haben bis heute nicht alle EU-Mitgliedstaaten die erforderliche Ratifizierung abgeschlossen.

Eine noch viel weitergehende Verbindung Kanadas mit der EU dürfte deshalb politisch und rechtlich schwierige Verhandlungen erforderlich machen.

Noch ist nichts beschlossen

Bislang handelt es sich um Gespräche und Überlegungen. Weder die kanadische Botschaft in Brüssel noch die EU-Kommission haben den Bericht bisher offiziell bestätigt.

Deshalb steht keineswegs fest, dass der neue Status tatsächlich geschaffen wird.

Sollte es jedoch dazu kommen, wäre dies ein ungewöhnlicher Schritt: Kanada würde zwar kein gewöhnliches EU-Mitglied, könnte aber wirtschaftlich und politisch wesentlich enger mit Europa verbunden werden als bisher.

Für Kanada wäre dies zugleich ein deutliches Signal, dass sich das Land angesichts der wachsenden Spannungen mit den USA stärker nach Europa orientiert.

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