Dark Mode Light Mode

Windpark Storbeck bilanziell überschuldet – Rangrücktritt sichert Fortführung

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Die Windpark Storbeck GmbH & Co. KG weist zum 31. Dezember 2025 eine Bilanzsumme von 20,40 Millionen Euro aus. Im Vorjahr waren es noch 23,35 Millionen Euro.

Damit hat sich die Bilanzsumme innerhalb eines Jahres um knapp 2,95 Millionen Euro beziehungsweise rund 12,6 Prozent verringert.

Besonders auffällig ist jedoch weniger die verkürzte Bilanz als die Eigenkapitalsituation: Die Kapitalanteile der Kommanditisten sind zum Jahresende negativ. Der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil beträgt 113.985,89 Euro.

Bilanzielle Überschuldung ausdrücklich festgestellt

Der Jahresabschluss benennt die Situation klar.

Die Gesellschaft ist bilanziell überschuldet. Trotzdem wurde der Abschluss unter der Annahme der Unternehmensfortführung erstellt.

Grund dafür ist eine qualifizierte Rangrücktrittsvereinbarung. Nach den Angaben im Anhang hat ein Gläubiger seine Forderung in ausreichender Höhe im Rang zurückgestellt.

Ein solcher Rangrücktritt kann dazu führen, dass eine Forderung bei der insolvenzrechtlichen Überschuldungsprüfung anders behandelt wird als eine gewöhnliche Verbindlichkeit.

Wichtig ist jedoch die Unterscheidung: Bilanzielle Überschuldung bedeutet nicht automatisch, dass ein Insolvenzverfahren eröffnet werden muss. Entscheidend sind zusätzlich insolvenzrechtliche Kriterien, insbesondere die konkrete Ausgestaltung des Rangrücktritts und die Fortführungsprognose.

Eigenkapital faktisch auf null

Zum Jahresende 2024 waren noch positive Kapitalanteile der Kommanditisten von 5.000 Euro ausgewiesen.

2025 beträgt dieser Posten minus 113.985,89 Euro.

Da dieser negative Betrag auf der Aktivseite als „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten“ ausgewiesen wird, erscheint das Eigenkapital auf der Passivseite nach entsprechender Gegenrechnung mit null Euro.

Damit verfügt die Gesellschaft bilanziell über kein positives Eigenkapital mehr.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Vorjahr und einer der zentralen Punkte des Jahresabschlusses.

Verbindlichkeiten sinken um fast 2,9 Millionen Euro

Trotz der angespannten Eigenkapitallage wurden die Schulden deutlich reduziert.

Die gesamten Verbindlichkeiten sanken von 22,43 Millionen Euro auf 19,54 Millionen Euro.

Das entspricht einem Rückgang um rund 2,89 Millionen Euro beziehungsweise knapp 13 Prozent.

Von den Ende 2025 bestehenden Verbindlichkeiten sind rund 2,43 Millionen Euro innerhalb eines Jahres fällig.

Weitere 17,11 Millionen Euro besitzen eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.

Davon laufen rund 6,95 Millionen Euro länger als fünf Jahre.

Mehr als 11,7 Millionen Euro besichert

Ein erheblicher Teil der Verbindlichkeiten ist durch Sicherheiten unterlegt.

Zum Jahresende 2025 waren Forderungen im Umfang von 11,78 Millionen Euro besichert.

Als Sicherheiten nennt der Abschluss unter anderem Pfandrechte an beweglichen Sachen, Pfandrechte an übertragenen Rechten sowie Sicherungsabtretungen von Forderungen.

Im Vorjahr waren noch rund 13,83 Millionen Euro an Verbindlichkeiten entsprechend abgesichert.

Damit sinkt zwar auch der Umfang der besicherten Schulden, die finanzierende Seite verfügt aber weiterhin über umfangreiche Sicherheiten.

Sachanlagen verlieren rund 2,48 Millionen Euro Buchwert

Auch auf der Aktivseite zeigt sich ein deutlicher Rückgang.

Das Sachanlagevermögen fiel von 14,57 Millionen Euro auf 12,09 Millionen Euro.

Das entspricht einem Rückgang um rund 2,48 Millionen Euro.

Die Windenergieanlagen werden über eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 16 Jahren linear abgeschrieben.

Der sinkende Buchwert ist daher zunächst ein bilanzieller Effekt des Abschreibungsverlaufs und nicht automatisch mit einem entsprechenden Rückgang des Marktwertes gleichzusetzen.

Rückbau für 2034 vorgesehen

Der Jahresabschluss enthält auch eine konkrete Planung zum Ende des derzeitigen Anlagenzyklus.

Die Gesellschaft rechnet derzeit damit, die im Windpark vorhandenen Windenergieanlagen im Jahr 2034 zurückzubauen.

Die erwarteten Rückbaukosten werden auf rund 495.000 Euro geschätzt.

Dafür besteht zum Jahresende bereits eine Rückbaurückstellung von 229.511,88 Euro.

Bei der Berechnung berücksichtigt die Gesellschaft eine angenommene Preissteigerung von zwei Prozent pro Jahr, veröffentlichte Zinssätze sowie erwartete Erlöse aus der Verwertung von Schrott.

Forderungen gegen Gesellschafter steigen deutlich

Auffällig ist auch die Entwicklung der Forderungen.

Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände erhöhten sich insgesamt von 4,45 Millionen Euro auf 4,89 Millionen Euro.

Davon entfallen 4.294.332,03 Euro auf Forderungen gegen Gesellschafter.

Im Vorjahr waren es 3.728.698,77 Euro.

Damit stiegen allein die Forderungen gegen Gesellschafter um rund 566.000 Euro.

Dieser Posten macht inzwischen mehr als ein Fünftel der gesamten Bilanzsumme aus.

Bankguthaben sinkt um fast eine Million Euro

Die liquiden Mittel entwickeln sich dagegen rückläufig.

Das Guthaben bei Kreditinstituten verringerte sich von 3,11 Millionen Euro auf 2,13 Millionen Euro.

Das entspricht einem Rückgang um rund 979.000 Euro beziehungsweise mehr als 31 Prozent.

Die Gesellschaft verfügt damit weiterhin über eine erhebliche Liquiditätsposition, gleichzeitig ist diese im Jahresvergleich deutlich geschrumpft.

Hoher aktiver Rechnungsabgrenzungsposten

Die aktiven Rechnungsabgrenzungsposten belaufen sich auf 1,176 Millionen Euro.

Im Vorjahr waren es 1,217 Millionen Euro.

Dabei handelt es sich um Ausgaben, die bereits geleistet wurden, wirtschaftlich aber spätere Zeiträume betreffen.

Welche konkreten Verträge oder Vorauszahlungen dahinterstehen, wird in den vorliegenden Angaben nicht näher aufgeschlüsselt.

Rückstellungen bei rund 853.000 Euro

Die Rückstellungen gingen von 909.839,06 Euro auf 852.593,34 Euro zurück.

In diesem Betrag enthalten sind unter anderem noch nicht veranlagte Gewerbesteuern von rund 212.000 Euro.

Hinzu kommen passive latente Steuern von rund 365.000 Euro.

Außerdem ist darin die Rückbaurückstellung für die Windenergieanlagen enthalten.

Damit besteht ein erheblicher Teil der Passivseite neben den Verbindlichkeiten aus Vorsorge für bereits erkennbare, aber zeitlich oder betragsmäßig noch nicht endgültig feststehende Verpflichtungen.

Weitere Verpflichtungen von mehr als acht Millionen Euro

Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen umfangreiche zusätzliche vertragliche Verpflichtungen.

Aus Wartungs-, Pacht- und Geschäftsbesorgungsverträgen ergibt sich ein Gesamtvolumen von 8,061 Millionen Euro.

Davon entfallen 829.000 Euro auf Verpflichtungen mit einer Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.

Weitere 7,232 Millionen Euro betreffen spätere Zeiträume.

Besonders bemerkenswert: 3,885 Millionen Euro dieser Verpflichtungen haben eine Laufzeit von mehr als fünf Jahren.

Damit reicht die laufende Vertragsstruktur weit in die Zukunft.

Fortführung hängt nicht allein von der Bilanz ab

Die ausdrückliche Erwähnung der bilanziellen Überschuldung macht den Jahresabschluss besonders bemerkenswert.

Gleichzeitig verweist die Gesellschaft auf den qualifizierten Rangrücktritt eines Gläubigers und stellt den Abschluss weiterhin unter der Annahme der Unternehmensfortführung auf.

Das bedeutet: Die negative Eigenkapitalsituation wird im Abschluss nicht verschwiegen, sondern ausdrücklich erläutert.

Für eine vollständige insolvenzrechtliche Bewertung wären jedoch zusätzliche Informationen notwendig, insbesondere zur konkreten Forderung, zum Rangrücktritt und zur Fortführungsprognose.

Bilanz zeigt fortgeschrittene Finanzierungs- und Betriebsphase

Mehrere Kennzahlen deuten zugleich auf eine fortgeschrittene Phase des Projekts hin.

Der Buchwert der Windenergieanlagen sinkt deutlich, die Verbindlichkeiten werden reduziert und der Rückbau für 2034 ist bereits in die langfristige Planung eingeflossen.

Gleichzeitig bestehen allerdings weiterhin fast 19,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten und umfangreiche langfristige Verträge.

Das ergibt ein deutlich komplexeres Bild als bei einem Windpark mit positiver Eigenkapitalbasis und niedriger Verschuldung.

Fazit: Entschuldung reicht bislang nicht für positives Eigenkapital

Die Windpark Storbeck GmbH & Co. KG hat ihre Verbindlichkeiten 2025 um fast 2,9 Millionen Euro reduziert.

Gleichzeitig sank der Buchwert der Sachanlagen um rund 2,48 Millionen Euro und das Bankguthaben um fast eine Million Euro.

Der entscheidende Punkt liegt jedoch auf der Eigenkapitalseite: Die Gesellschaft ist bilanziell überschuldet. Der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil der Kommanditisten beträgt rund 114.000 Euro.

Die Fortführung wird im Jahresabschluss dennoch angenommen, weil ein Gläubiger eine qualifizierte Rangrücktrittsvereinbarung in ausreichender Höhe abgeschlossen hat.

Hinzu kommt der langfristige Blick: Für 2034 ist der Rückbau der bestehenden Windenergieanlagen vorgesehen, wofür bereits rund 230.000 Euro zurückgestellt wurden.

Damit zeigt der Abschluss ein Projekt, das seine Schulden zwar deutlich reduziert, gleichzeitig aber weiterhin mit einer angespannten Eigenkapitallage und erheblichen langfristigen Verpflichtungen umgehen muss.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Amazon warnt vor Produktfälschungen: „Dahinter stehen oft Menschenhandel und Geldwäsche“

Next Post

KWG und PfandBG: BaFin konkretisiert Anforderungen an wichtige Funktionsträger