Die Ost-West-Pipeline gehört derzeit zu den wichtigsten alternativen Transportwegen für saudisches Rohöl. Sie verbindet die Förder- und Verarbeitungsanlagen im Osten des Königreichs mit Exportmöglichkeiten am Roten Meer.
Durch diese Verbindung kann Öl transportiert werden, ohne den normalerweise zentralen Seeweg durch die Straße von Hormus nutzen zu müssen. Gerade seit deren Blockade hat Saudi-Arabien die Pipeline verstärkt eingesetzt.
Nun fällt zumindest vorübergehend auch dieser Ausweichweg aus.
Drohnen sollen aus dem Irak gekommen sein
Nach Angaben des saudischen Außenministeriums wurde die Pipeline mit Drohnen angegriffen, die aus dem Irak gekommen seien. Bei den Attacken habe es Verletzte und materielle Schäden gegeben.
Wie schwer die Anlage selbst beschädigt wurde und wie lange die vorsorgliche Abschaltung dauern könnte, geht aus den vorliegenden Angaben noch nicht hervor.
Die irakische Regierung verurteilte die Angriffe und kündigte Ermittlungen an. Damit dürfte nun insbesondere untersucht werden, von welchem Gebiet die Drohnen tatsächlich gestartet wurden und wer für die Attacke verantwortlich ist.
Eine Pipeline mit strategischer Bedeutung
Die Bedeutung der Ost-West-Verbindung reicht weit über Saudi-Arabien hinaus. Über sie werden große Mengen Rohöl von Anlagen des staatlich kontrollierten Ölkonzerns Saudi Aramco in Richtung Rotes Meer transportiert.
Von den dortigen Terminals kann das Öl anschließend auf den Weltmarkt gelangen.
Unter normalen Umständen ist die Straße von Hormus eine der entscheidenden Verkehrsadern für den internationalen Energiehandel. Wenn dieser Weg beeinträchtigt oder blockiert ist, gewinnen alternative Routen wie die saudische Ost-West-Pipeline enorm an Bedeutung.
Genau deshalb macht der Angriff die Situation besonders heikel: Getroffen wurde ausgerechnet eine Infrastruktur, die als Alternative zu einem bereits gestörten Transportweg dient.
Auswirkungen auf den Ölmarkt im Blick
Entscheidend wird nun sein, wie lange die Pipeline außer Betrieb bleibt und ob Saudi-Arabien die Schäden schnell beheben kann.
Eine kurzfristige Abschaltung muss nicht automatisch zu Versorgungsengpässen führen. Sollte der Transportweg jedoch länger ausfallen oder sollten weitere Anlagen angegriffen werden, könnte die Nervosität an den internationalen Energiemärkten deutlich steigen.
Der Vorfall zeigt zugleich, wie verwundbar die Energieinfrastruktur in der aktuellen Lage ist. Nicht nur Förderanlagen und Tanker, sondern auch Pipelines und Exportterminals werden zu strategisch wichtigen Punkten.