Die wirtschaftliche Lage vieler Gaststätten in Schleswig-Holstein bleibt angespannt. Steigende Betriebskosten, hohe Personalausgaben und eine zurückhaltende Kundschaft bringen insbesondere kleinere Restaurants und Landgasthöfe in Schwierigkeiten. Gleichzeitig steigt die Zahl der Insolvenzanmeldungen im Land bereits seit mehreren Jahren.
Für viele Betriebe wird damit eine ohnehin schwierige Kalkulation noch komplizierter: Sie müssen höhere Kosten auffangen, können diese aber nicht unbegrenzt an ihre Gäste weitergeben.
Wenn der Restaurantbesuch zum Luxus wird
Für Restaurants ist die Konsumzurückhaltung besonders schnell spürbar. Müssen private Haushalte stärker auf ihre Ausgaben achten, lässt sich ein Restaurantbesuch vergleichsweise einfach verschieben oder ganz streichen.
Für Gastronomen laufen die Kosten dagegen weiter. Pacht, Personal, Energie, Versicherungen und Wareneinkauf müssen bezahlt werden – unabhängig davon, ob am Abend alle Tische besetzt sind.
Damit entsteht ein gefährlicher Kreislauf: Gastronomen erhöhen ihre Preise, um höhere Kosten auszugleichen. Gleichzeitig riskieren sie, dass Gäste noch seltener kommen.
Landgasthöfe besonders gefordert
Wie groß die Belastung sein kann, zeigt beispielsweise der Landgasthof „Waldeslust“. Auch dort ist der wirtschaftliche Druck hoch.
Gerade für klassische Landgasthöfe geht es dabei um mehr als das tägliche Restaurantgeschäft. Viele solcher Häuser leben zusätzlich von Hochzeiten, Geburtstagen, Familienfeiern, Vereinsveranstaltungen und größeren Gesellschaften.
Bleiben diese Veranstaltungen aus oder werden sie kleiner, kann das erhebliche Auswirkungen auf die Einnahmen haben.
Gleichzeitig erfüllen Landgasthöfe in kleineren Gemeinden häufig eine gesellschaftliche Funktion. Verschwindet ein solcher Betrieb, verliert ein Ort möglicherweise nicht nur ein Restaurant, sondern auch einen Treffpunkt.
Steigende Insolvenzen als Warnsignal
Die seit mehreren Jahren steigenden Insolvenzanmeldungen in Schleswig-Holstein sind deshalb ein ernstzunehmendes Signal.
Allerdings bedeutet dies nicht, dass die gesamte Gastronomie vor dem Aus steht. Zwischen einzelnen Betrieben bestehen erhebliche Unterschiede. Standort, Konzept, Pachtkosten, Personalstruktur und Zielgruppe können darüber entscheiden, ob ein Restaurant wirtschaftlich erfolgreich arbeiten kann.
Dennoch zeigt die Entwicklung, dass ein Teil der Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten hat, seine laufenden Verpflichtungen zu erfüllen.
Höhere Preise sind keine einfache Lösung
Für Gastronomen liegt es nahe, steigende Kosten über höhere Preise an die Kunden weiterzugeben. Doch diese Strategie hat Grenzen.
Wird ein Restaurantbesuch zu teuer, können Gäste ihr Verhalten verändern: Sie kommen seltener, verzichten auf zusätzliche Getränke oder Vorspeisen oder feiern größere Veranstaltungen zu Hause.
Damit stehen die Betriebe vor einem Dilemma. Bleiben die Preise niedrig, schrumpft möglicherweise die Marge. Steigen die Preise zu stark, droht ein Rückgang der Nachfrage.
Besonders kleine Betriebe haben wenig Spielraum
Kleine, inhabergeführte Gaststätten können steigende Kosten häufig schwieriger auffangen als größere Unternehmen.
Restaurantketten können beispielsweise beim Einkauf größere Mengen bündeln oder Verwaltungsaufgaben zentral erledigen. Ein einzelner Landgasthof verfügt über solche Möglichkeiten nur eingeschränkt.
Schon unerwartete Reparaturen, steigende Lebensmittelpreise oder fehlendes Personal können deshalb die Kalkulation erheblich verändern.
Hinzu kommt in vielen traditionellen Gaststätten ein langfristiges Problem: die Unternehmensnachfolge. Selbst ein grundsätzlich funktionierender Betrieb kann verschwinden, wenn sich niemand findet, der ihn weiterführen möchte.
Was das für Verbraucher bedeutet
Die wirtschaftliche Entwicklung betrifft deshalb nicht nur Unternehmer und Beschäftigte.
Weitere Betriebsaufgaben könnten insbesondere auf dem Land dazu führen, dass gastronomische Angebote ausdünnen. Wo ohnehin nur wenige Restaurants und Gaststätten vorhanden sind, fällt jede Schließung stärker ins Gewicht.
Für Verbraucher könnten zugleich höhere Preise zum neuen Normalzustand werden, wenn Gastronomen gestiegene Personal-, Lebensmittel- und Betriebskosten zumindest teilweise weitergeben müssen.
Zwischen Tradition und wirtschaftlicher Realität
Gerade traditionelle Gasthäuser stehen damit vor einer schwierigen Aufgabe. Sie sollen bezahlbar bleiben, ihren Mitarbeitern angemessene Löhne zahlen, hochwertige Lebensmittel anbieten und gleichzeitig wirtschaftlich arbeiten.
Diese Rechnung geht nicht automatisch auf.
Die steigenden Insolvenzanmeldungen zeigen, dass der finanzielle Spielraum bei einem Teil der Unternehmen kleiner geworden ist. Wie viele Betriebe langfristig bestehen können, dürfte wesentlich davon abhängen, wie sich Kosten, Konsumlaune und Gästezahlen entwickeln.