Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Hünxe GmbH zeichnet ein durchaus interessantes Bild: Das Unternehmen bleibt deutlich profitabel, stärkt seine Eigenkapitalbasis und reduziert seine Verbindlichkeiten. Gleichzeitig geht der Jahresüberschuss zurück, mehr als sechs Millionen Euro Bankverbindlichkeiten lasten weiterhin auf der Bilanz und ein beträchtlicher Teil der vorhandenen Liquidität ist zugunsten der finanzierenden Bank verpfändet.
Unter dem Strich ist das kein Krisenabschluss. Im Gegenteil: Die Bilanzstruktur hat sich gegenüber dem Vorjahr in mehreren wichtigen Punkten verbessert. Für eine Windparkgesellschaft lohnt sich dennoch der genauere Blick hinter die zunächst komfortabel wirkenden Zahlen.
Die Windpark Hünxe GmbH ist eine kleine Kapitalgesellschaft mit Sitz in Hünxe. Jeweils 50 Prozent gehören der RAG Montan Immobilien GmbH und der Gemeindewerke Hünxe GmbH. Öffentlich zugängliche Unterlagen der Gemeinde bestätigen zudem die kommunale Beteiligungsstruktur und zeigen, dass in Hünxe weitere Windenergieprojekte verfolgt werden.
Gewinn fällt um gut zwölf Prozent
Das auffälligste Ergebnis findet sich zunächst beim Jahresüberschuss. 2025 erwirtschaftete die Gesellschaft 413.545,79 Euro. Im Vorjahr waren es noch 472.279,42 Euro.
Damit ging der Gewinn um rund 58.734 Euro beziehungsweise 12,4 Prozent zurück.
Das ist eine Verschlechterung, aber noch kein Warnsignal für sich genommen. Die Gesellschaft schreibt weiterhin einen sechsstelligen Gewinn. Für eine belastbare Beurteilung der operativen Entwicklung wäre allerdings die vollständige Gewinn- und Verlustrechnung besonders wichtig. Der vorliegende Anhang beschreibt zwar wesentliche Positionen, die hier sichtbaren Unterlagen enthalten jedoch nicht sämtliche GuV-Beträge.
Bekannt ist immerhin, woher das operative Geschäft stammt: Die Umsatzerlöse wurden ausschließlich in Deutschland erzielt und resultieren aus der Einspeisung von Strom. Bei den bezogenen Leistungen fallen insbesondere Instandhaltungskosten der Windenergieanlagen und Entgelte für die Grundstücksnutzung an. Die Zinsaufwendungen wiederum hängen überwiegend mit langfristigen Darlehensverpflichtungen zusammen.
Der Gewinnrückgang kann deshalb aus den veröffentlichten Bilanzzahlen allein nicht seriös einer einzelnen Ursache zugeschrieben werden.
Eigenkapital macht einen deutlichen Sprung
Sehr viel positiver entwickelt sich die Eigenkapitalposition.
Das Eigenkapital stieg von 3,027 Millionen Euro auf 3,669 Millionen Euro.
Das entspricht einem Zuwachs um rund 641.266 Euro beziehungsweise 21,2 Prozent.
Noch aussagekräftiger ist die Eigenkapitalquote.
Bei einer Bilanzsumme von 10,642 Millionen Euro entspricht das ausgewiesene Eigenkapital rechnerisch rund 34,5 Prozent der Bilanzsumme.
Ein Jahr zuvor waren es bei 3,027 Millionen Euro Eigenkapital und einer Bilanzsumme von 11,101 Millionen Euro nur etwa 27,3 Prozent.
Die Quote hat sich damit innerhalb eines Jahres um gut 7,2 Prozentpunkte verbessert.
Für ein kapitalintensives Windenergieprojekt mit erheblicher Fremdfinanzierung ist das eine durchaus bemerkenswerte Entwicklung.
Allerdings fällt im Abschluss eine Unstimmigkeit auf, die erklärungsbedürftig ist: In der Bilanz wird eine Kapitalrücklage von 2,430 Millionen Euro ausgewiesen, während es im erläuternden Anhang heißt, die Kapitalrücklage betrage 3,030 Millionen Euro.
Diese Differenz von 600.000 Euro lässt sich aus den hier vorliegenden Angaben nicht auflösen. Für eine Analyse sollte deshalb zunächst der unmittelbar in der Bilanz ausgewiesene Betrag zugrunde gelegt werden. Denkbar wäre etwa, dass die Anhangangabe einen anderen Stand oder eine anders zusammengesetzte Position betrifft – belegen lässt sich das anhand des Dokuments jedoch nicht.
Gewinnrücklage wird verdoppelt
Bemerkenswert ist außerdem die Entwicklung der Gewinnrücklagen.
Sie erhöhten sich von 100.000 auf 200.000 Euro.
Damit verbleibt zumindest ein größerer bilanzieller Puffer innerhalb des Unternehmens.
Das gezeichnete Kapital liegt unverändert bei lediglich 25.000 Euro. Für die tatsächliche finanzielle Stabilität ist deshalb weniger das nominelle Stammkapital entscheidend als vielmehr die Kombination aus Kapital- und Gewinnrücklagen sowie erwirtschafteten Ergebnissen.
Und genau dort hat sich die Gesellschaft gegenüber dem Vorjahr sichtbar verstärkt.
Gleichzeitig schrumpft die Bilanz
Interessant ist, dass diese Eigenkapitalverbesserung stattfindet, obwohl die Bilanzsumme zurückgeht.
Die gesamten Vermögenswerte sanken von 11,101 Millionen Euro auf 10,642 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 459.000 Euro beziehungsweise 4,1 Prozent.
Hauptgrund dafür ist das Sachanlagevermögen.
Dieses sank von 9,505 Millionen Euro auf 8,721 Millionen Euro, also um rund 784.518 Euro beziehungsweise 8,3 Prozent.
Bei einem bestehenden Windpark ist ein sinkender Anlagenbuchwert grundsätzlich nicht überraschend. Windenergieanlagen werden planmäßig über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben.
Der Anhang bestätigt ausdrücklich, dass es sich 2025 bei den Abschreibungen ausschließlich um planmäßige Abschreibungen gehandelt hat. Außerplanmäßige Wertberichtigungen werden für das Geschäftsjahr somit nicht ausgewiesen.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Der um rund 8,3 Prozent gesunkene Sachanlagenbuchwert bedeutet nicht, dass die Windenergieanlagen wirtschaftlich entsprechend an Wert verloren hätten. Ein erheblicher Teil der Veränderung dürfte schlicht aus dem normalen Abschreibungsprozess resultieren.
1,19 Millionen Euro auf den Bankkonten
Auf der Liquiditätsseite sieht die Situation zunächst komfortabel aus.
Die Bankguthaben erhöhten sich von 1,059 Millionen auf 1,192 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von rund 132.709 Euro oder 12,5 Prozent.
Zusätzlich stiegen die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände von 484.458 Euro auf 669.656 Euro, also um gut 38 Prozent.
Besonders die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen legten zu: von rund 362.300 Euro auf 558.000 Euro.
Das muss nicht problematisch sein, sollte aber beobachtet werden. Steigende Forderungen können beispielsweise aus höheren noch nicht bezahlten Stromerlösen oder zeitlichen Abrechnungsverschiebungen entstehen. Der Abschluss nennt an dieser Stelle keine problematischen Ausfälle.
Von den 1,19 Millionen Euro sind 680.000 Euro verpfändet
Die komfortable Liquiditätszahl benötigt allerdings einen wichtigen Zusatz.
Von den ausgewiesenen Bankguthaben in Höhe von 1,192 Millionen Euro befinden sich 680.000 Euro auf einem Kapitalreservekonto, das zugunsten der finanzierenden Bank verpfändet ist.
Das entspricht rund 57 Prozent des gesamten Bankguthabens.
Damit darf man die 1,192 Millionen Euro nicht ohne Weiteres so interpretieren, als könne die Geschäftsführung über den gesamten Betrag völlig frei verfügen.
Rechnerisch verbleiben außerhalb dieses ausdrücklich genannten verpfändeten Kontos rund 512.000 Euro Bankguthaben. Ob dieser Betrag vollständig frei verfügbar ist oder weiteren vertraglichen Einschränkungen unterliegt, lässt sich aus dem Abschluss nicht ableiten.
Gerade bei projektfinanzierten Windparks sind Sicherungsmechanismen zugunsten der Banken allerdings nichts Außergewöhnliches.
Mehr als sechs Millionen Euro Bankschulden
Die größte Passivposition bleiben die Verbindlichkeiten.
Sie sanken erfreulicherweise von 7,408 Millionen Euro auf 6,543 Millionen Euro.
Das ist ein Rückgang um rund 864.826 Euro beziehungsweise 11,7 Prozent.
Die Entschuldung schreitet damit sichtbar voran.
Von den gesamten 6,543 Millionen Euro Verbindlichkeiten entfallen laut Anhang allein 6,152 Millionen Euro auf Kreditinstitute.
Damit machen Bankschulden rund 94 Prozent der gesamten Verbindlichkeiten aus.
Für einen Windpark ist eine hohe Bankfinanzierung grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Windenergieanlagen erfordern hohe Anfangsinvestitionen, die anschließend über viele Jahre aus den Stromerlösen finanziert werden.
Entscheidend ist deshalb weniger die absolute Schuldenhöhe als die Frage, ob der Windpark dauerhaft ausreichend Cashflow erwirtschaftet, um Zinsen und Tilgung zuverlässig bedienen zu können.
Und genau diese Frage lässt sich aus einer Bilanz allein nicht vollständig beantworten.
Fast das gesamte Anlagevermögen dient als Sicherheit
Bemerkenswert ist zudem der Umfang der Banksicherheiten.
Die 6,152 Millionen Euro Bankverbindlichkeiten sind durch die Sicherungsübereignung des gesamten Anlagevermögens, die Verpfändung von Bankguthaben sowie die Sicherungsabtretung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen abgesichert.
Die finanzierende Bank besitzt damit eine ausgesprochen umfangreiche Sicherheitenposition.
Das ist bei Projektfinanzierungen zwar durchaus üblich, zeigt aber, dass die Vermögenswerte des Windparks in erheblichem Umfang in die Finanzierung eingebunden sind.
Anders formuliert: Die Bilanz enthält zwar mehr als zehn Millionen Euro Vermögen – ein erheblicher Teil davon steht aber als Sicherheit für die Finanzierung zur Verfügung.
Rückstellungen sinken deutlich
Positiv fällt die Entwicklung der Rückstellungen aus.
Diese reduzierten sich von 660.079 Euro auf 430.655 Euro, also um rund 34,8 Prozent.
Die verbleibenden Rückstellungen betreffen im Wesentlichen 174.800 Euro für ausstehende Eingangsrechnungen, 246.800 Euro für Rückbauverpflichtungen sowie 9.100 Euro für die Jahresabschlussprüfung 2025.
Gerade die Rückbauverpflichtung ist bei Windenergieprojekten wichtig. Nach Ende der Nutzung müssen Anlagen regelmäßig zurückgebaut werden. Dafür werden bereits während der Betriebsphase entsprechende Verpflichtungen bilanziell berücksichtigt.
Weitere Verpflichtungen von mehr als sechs Millionen Euro
Eine der wichtigsten Zahlen findet sich außerhalb der eigentlichen Bilanz.
Die Windpark Hünxe GmbH weist finanzielle Verpflichtungen mit Restlaufzeiten von bis zu 13 Jahren in Höhe von insgesamt 6,058 Millionen Euro aus.
Davon entfallen 2,124 Millionen Euro auf verbundene Unternehmen und 3,934 Millionen Euro auf sonstige Unternehmen.
Diese Verpflichtungen dürfen nicht einfach zu den bilanzierten Verbindlichkeiten addiert und anschließend als „12,6 Millionen Euro Schulden“ bezeichnet werden. Es handelt sich um unterschiedliche Kategorien.
Für die wirtschaftliche Betrachtung sind sie trotzdem relevant, weil sie zeigen, dass der Windpark langfristig erhebliche vertragliche Zahlungsverpflichtungen besitzt.
Bei einer Bilanzsumme von 10,642 Millionen Euro entsprechen diese angegebenen finanziellen Verpflichtungen immerhin rund 57 Prozent der Bilanzsumme.
Keine eigenen Mitarbeiter
Interessant ist auch die organisatorische Struktur.
Die Gesellschaft beschäftigt kein eigenes Personal. Die Geschäftsführung erhielt 2025 ebenfalls keine Bezüge von der Windparkgesellschaft.
Der Betrieb ist damit offensichtlich stark über externe beziehungsweise verbundene Dienstleistungsstrukturen organisiert. Im Anhang werden als wesentliche sonstige betriebliche Aufwendungen insbesondere Kosten der kaufmännischen und technischen Betriebsführung genannt.
Für reine Projektgesellschaften ist eine solche Struktur keineswegs ungewöhnlich.
Was der Abschluss über die Lage des Windparks sagt
Insgesamt fällt das Urteil über das Geschäftsjahr 2025 eher positiv aus.
Der Gewinn ist zwar um rund 12,4 Prozent auf 413.546 Euro zurückgegangen. Gleichzeitig sank die Verschuldung deutlich, die Bankguthaben nahmen zu und das ausgewiesene Eigenkapital wuchs auf rund 3,67 Millionen Euro.
Besonders stark ist die Verbesserung der rechnerischen Eigenkapitalquote von etwa 27,3 auf 34,5 Prozent.
Auf der anderen Seite stehen weiterhin 6,54 Millionen Euro Verbindlichkeiten, davon rund 6,15 Millionen Euro gegenüber Banken. Hinzu kommen langfristige finanzielle Verpflichtungen von gut sechs Millionen Euro. Außerdem sind 680.000 Euro des Bankguthabens verpfändet, und die Bank besitzt umfassende Sicherheiten am Anlagevermögen und an Forderungen.
Eine unmittelbare finanzielle Schieflage lässt sich daraus jedoch gerade nicht ableiten.
Im Gegenteil: Die Verbindlichkeiten gehen zurück, das Eigenkapital steigt und das Unternehmen erwirtschaftet weiterhin einen deutlichen Jahresüberschuss.
Auch nach dem Bilanzstichtag meldet die Geschäftsführung keine besonderen Ereignisse mit wesentlicher Auswirkung auf den Geschäftsverlauf.
Der Abschluss wurde am 15. Juli 2026 festgestellt beziehungsweise gebilligt.
Das Fazit
Die Windpark Hünxe GmbH präsentiert für 2025 damit einen Abschluss mit zwei unterschiedlichen Bewegungen: Der Jahresgewinn sinkt, die finanzielle Substanz verbessert sich jedoch.
413.546 Euro Gewinn sind weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden rund 865.000 Euro Verbindlichkeiten abgebaut, das Eigenkapital stieg um mehr als 640.000 Euro und die Eigenkapitalquote erreichte rechnerisch etwa 34,5 Prozent.
Das ist für Gläubiger zunächst eine erfreuliche Entwicklung.
Ganz sorgenfrei ist die Bilanz trotzdem nicht: Die Gesellschaft bleibt stark fremdfinanziert, große Teile ihres Vermögens dienen der Bank als Sicherheit, mehr als die Hälfte des ausgewiesenen Bankguthabens liegt auf einem verpfändeten Konto und zusätzlich bestehen langfristige finanzielle Verpflichtungen von mehr als sechs Millionen Euro.
Die eigentliche Geschichte des Jahresabschlusses lautet deshalb nicht „Gewinn bricht ein“, sondern: Der Windpark verdient etwas weniger – steht bilanziell aber deutlich kräftiger da als noch ein Jahr zuvor.
Und genau das dürfte für Gesellschafter und finanzierende Banken letztlich wichtiger sein als der Rückgang des Jahresüberschusses um knapp 59.000 Euro.