Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya wächst die Sorge um deutsche Reisende. Erstmals haben die chinesischen Behörden detaillierter mitgeteilt, aus welchen Ländern die vermissten Ausländer in Tibet stammen.
Demnach werden auf chinesischer Seite drei Deutsche vermisst.
Auch in Nepal gibt es weiterhin deutsche Vermisste. Dort war zuletzt von einer hohen einstelligen Zahl deutscher Staatsangehöriger die Rede, zu denen kein Kontakt besteht.
Währenddessen steigt die Zahl der bestätigten Todesopfer weiter.
Nach den jüngsten Angaben aus Nepal und China wurden bislang insgesamt 691 Tote registriert. Davon entfallen 675 Todesfälle auf Nepal und 16 auf die chinesische Autonome Region Tibet.
Drei Deutsche unter Vermissten in Tibet
Die chinesischen Behörden haben inzwischen nähere Angaben zu den ausländischen Vermissten veröffentlicht.
In Tibet werden insgesamt 261 Ausländer aus 23 Staaten vermisst.
Darunter befinden sich drei Deutsche.
Besonders viele Vermisste stammen nach chinesischen Angaben aus Nepal, Indien, Lettland, den USA und Großbritannien. Aus den USA werden 18 Menschen vermisst, aus Großbritannien 15.
Für Angehörige in Deutschland ist weiterhin unklar, ob es Überschneidungen zwischen den in Tibet und den in Nepal gemeldeten deutschen Vermissten gibt.
Genau deshalb sollte die Gesamtzahl deutscher Vermisster derzeit nicht einfach aus den unterschiedlichen Meldungen zusammengerechnet werden.
Auch in Nepal werden Deutsche gesucht
Das Auswärtige Amt hatte zuvor mitgeteilt, dass zu einer hohen einstelligen Zahl deutscher Staatsangehöriger in der Katastrophenregion kein Kontakt bestehe.
Nach Medienberichten gelten auf nepalesischer Seite acht Deutsche als vermisst.
Die deutschen Auslandsvertretungen stehen demnach mit Angehörigen und den Behörden vor Ort in Verbindung.
Ob die drei nun von China genannten Deutschen zusätzlich zu diesen Fällen vermisst werden oder teilweise dieselben Personen gemeint sind, ist bislang nicht eindeutig geklärt.
Mehr als 3.000 Menschen werden weiterhin vermisst
Das Ausmaß der Katastrophe ist enorm.
In Nepal werden nach aktuellen Angaben 2.498 Menschen vermisst.
Auf chinesischer Seite sind es noch 546 Vermisste.
Zusammengenommen liegt die Zahl damit weiterhin bei mehr als 3.000 Menschen.
Die hohe Zahl bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sämtliche Vermissten ums Leben gekommen sind.
In Katastrophengebieten können Menschen über längere Zeit nicht erreichbar sein, weil Straßen, Mobilfunkverbindungen und Stromversorgung zerstört wurden.
Gleichzeitig schwindet mit zunehmender Dauer der Suche die Hoffnung, weitere Verschüttete oder Eingeschlossene lebend zu finden.
Todeszahl steigt auf 691
Noch am Vortag war von rund 680 Todesopfern die Rede.
Mittlerweile meldeten die Behörden 675 Tote in Nepal und 16 Tote in Tibet.
Damit steigt die bestätigte Gesamtzahl auf 691 Menschen.
Die Opferzahl könnte sich weiter erhöhen.
Rettungskräfte durchsuchen weiterhin zerstörte Ortschaften, Schlamm- und Geröllfelder sowie schwer erreichbare Gebiete.
Ganze Regionen von Schlamm und Geröll verwüstet
Die Katastrophe traf vor allem das Grenzgebiet zwischen Nepal und der chinesischen Region Tibet.
Besonders schwer betroffen wurde die Gegend um den Grenzübergang Gyirong.
Die Flut riss Gebäude, Straßen, Brücken und Fahrzeuge mit sich und hinterließ in vielen Gebieten große Mengen Schlamm und Geröll.
Rettungseinsätze werden zusätzlich durch das schwierige Hochgebirgsgelände und schlechtes Wetter erschwert.
Tausende Menschen konnten gerettet werden
Neben den dramatischen Opferzahlen gibt es auch erfolgreiche Rettungsaktionen.
Nach jüngsten Angaben wurden in Nepal bereits mehrere Tausend Menschen aus den betroffenen Gebieten gerettet.
China hat ebenfalls umfangreiche Rettungskräfte mobilisiert.
Auf tibetischer Seite sollen mehr als 2.100 Einsatzkräfte an den Such- und Hilfsmaßnahmen beteiligt sein.
Trotzdem sind viele Orte weiterhin nur schwer erreichbar.
Sorge vor weiteren Überschwemmungen
Die Gefahr ist offenbar noch nicht vollständig gebannt.
Nepalesische Behörden warnten zuletzt vor steigenden Wasserständen im Fluss Bhotekoshi.
Menschen in bereits betroffenen Gebieten wurden deshalb aufgefordert, besonders aufmerksam zu bleiben beziehungsweise sich in höher gelegene Regionen zurückzuziehen.
Für Rettungskräfte bedeutet das ein zusätzliches Risiko.
Neue Überschwemmungen könnten nicht nur weitere Ortschaften treffen, sondern auch laufende Suchaktionen behindern.
Ursache der Katastrophe wird weiter untersucht
Nach bisherigen Untersuchungen wurde die Sturzflut offenbar durch massive Veränderungen im Hochgebirge ausgelöst.
Berichte sprechen von einem Gletscher- beziehungsweise Eis-Fels-Abbruch, der große Mengen Wasser, Schlamm und Geröll in Bewegung setzte.
Wissenschaftler weisen darauf hin, dass steigende Temperaturen und die Destabilisierung von Gletschern die Risiken in Hochgebirgsregionen erhöhen können. Die genaue Ursache und der Ablauf dieses konkreten Ereignisses werden jedoch weiter untersucht.
Besonders schwierig: Suche nach ausländischen Reisenden
Die hohe Zahl ausländischer Vermisster erschwert die Lage zusätzlich.
Viele Menschen befanden sich als Touristen, Bergsteiger, Beschäftigte oder Durchreisende in der Region.
Behörden müssen deshalb Passagierlisten, Hotels, Reiseveranstalter, Grenzdaten und Angaben von Angehörigen miteinander abgleichen.
Gerade in einer großflächigen Katastrophe kann es dadurch zunächst auch zu Doppelmeldungen oder unvollständigen Vermisstenlisten kommen.
Deshalb können sich die Zahlen in den kommenden Tagen noch deutlich verändern.
Angehörige warten auf Gewissheit
Für die Familien der Vermissten beginnt währenddessen ein quälendes Warten.
Solange keine gesicherten Informationen vorliegen, kann weder davon ausgegangen werden, dass die Betroffenen gerettet wurden, noch dass sie zu den Todesopfern gehören.
Auch bei den deutschen Vermissten gilt deshalb:
Vermisst bedeutet nicht tot.
Entscheidend sind die laufenden Suchaktionen und die Identifizierung der geborgenen Opfer.
Identifizierung der Toten wird zur großen Aufgabe
In Nepal bereiten die Behörden inzwischen auch die Identifizierung von bislang unbekannten Todesopfern vor.
Bei nicht sofort identifizierbaren Leichen sollen unter anderem DNA-Proben und weitere Identifikationsmerkmale gesichert werden, damit auch nach einer Bestattung eine spätere Zuordnung möglich bleibt.
Das zeigt, vor welcher Dimension die Behörden stehen.
Bei Hunderten Todesopfern und Tausenden Vermissten kann die endgültige Klärung vieler Schicksale lange dauern.
Fazit: Drei Deutsche in Tibet vermisst – Gesamtzahl könnte sich noch verändern
Die neuen Angaben aus China machen erstmals deutlich, dass auch auf tibetischer Seite mindestens drei deutsche Staatsangehörige vermisst werden.
In Nepal fehlt ebenfalls weiterhin von mehreren Deutschen jede Spur.
Wie viele Deutsche insgesamt betroffen sind, lässt sich derzeit jedoch nicht zuverlässig bestimmen, weil mögliche Überschneidungen zwischen den Vermisstenmeldungen noch nicht geklärt sind.
Gleichzeitig hat sich die bestätigte Zahl der Todesopfer auf 691 erhöht.
Mehr als 3.000 Menschen werden weiterhin vermisst.
Für Angehörige und Rettungskräfte bleibt damit vor allem eine Hoffnung:
Dass sich unter den Vermissten noch Menschen befinden, die aufgrund zerstörter Verkehrs- und Kommunikationswege bislang lediglich keinen Kontakt zur Außenwelt herstellen konnten.