Für Menschen, die wegen Adipositas oder starkem Übergewicht medikamentös behandelt werden, erweitert sich die Auswahl. Der Wirkstoff Semaglutid, der bislang vor allem durch sogenannte Abnehmspritzen bekannt geworden ist, soll ab dem 1. September erstmals auch in Tablettenform zur Gewichtsreduktion verfügbar sein.
Semaglutid beeinflusst unter anderem das Hunger- und Sättigungsgefühl. Dadurch essen viele Patienten weniger und verlieren Gewicht. Die Tabletten sind allerdings nicht frei verkäuflich, sondern verschreibungspflichtig.
Nicht für jeden geeignet
Vorgesehen ist das Medikament für Erwachsene mit Adipositas sowie für Menschen mit Übergewicht, wenn zusätzlich mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung besteht.
Eine ärztliche Untersuchung und Begleitung bleibt damit erforderlich. Experten warnen ausdrücklich davor, solche Medikamente lediglich als schnelle Möglichkeit zum Abnehmen zu betrachten.
Gerade bei Adipositas handelt es sich um eine chronische Erkrankung, bei deren Entstehung unter anderem genetische Faktoren und Veränderungen der Hunger- und Sättigungsregulation eine Rolle spielen können.
Tablette muss täglich genommen werden
Ein wichtiger Unterschied zur Spritze liegt in der Anwendung.
Während Semaglutid als Spritze üblicherweise einmal pro Woche verabreicht wird, muss die Tablette täglich eingenommen werden.
Dabei gelten vergleichsweise genaue Vorgaben: Vor der Einnahme sollen Patienten mindestens acht Stunden nichts gegessen haben. Anschließend müssen sie rund 30 Minuten auf Essen, Getränke und andere Medikamente verzichten.
Diese Regeln sollen gewährleisten, dass der Wirkstoff ausreichend aufgenommen werden kann.
Deutlich höhere Dosierung als bei der Spritze
Auffällig ist auch die Dosierung. Während bei der Spritze deutlich geringere Wirkstoffmengen eingesetzt werden, soll die Tablette bis zu einer Maximaldosis von 25 Milligramm verfügbar sein.
Der Grund dafür liegt in der Aufnahme über den Verdauungstrakt. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Wirkstoffs gelangt über Magen und Dünndarm tatsächlich in den Körper.
Die höhere Tablettendosis bedeutet deshalb nicht automatisch eine stärkere Wirkung.
Gewichtsverlust ähnlich wie bei der Spritze
Nach Einschätzung von Fachleuten können Tablette und Spritze bei der Gewichtsreduktion vergleichbare Ergebnisse erzielen.
Studien mit Semaglutid zeigen bei behandelten Personen durchschnittliche Gewichtsverluste im Bereich von etwa 11 bis 17 Prozent.
Für Patienten könnte der wichtigste Vorteil deshalb vor allem die Wahlmöglichkeit sein: Wer sich nicht regelmäßig spritzen möchte, erhält mit der Tablette eine alternative Form der Behandlung.
Kein Wundermittel zum Abnehmen
Mediziner warnen jedoch davor, allein auf das Medikament zu setzen.
Eine Behandlung von Adipositas sollte grundsätzlich in ein umfassenderes Konzept eingebettet sein. Dazu können Ernährungsberatung, Bewegung, ärztliche Betreuung und gegebenenfalls psychotherapeutische Unterstützung gehören.
Zudem kann das Gewicht nach dem Absetzen wieder steigen. Untersuchungen bei Abnehmspritzen haben gezeigt, dass ein erheblicher Teil des verlorenen Gewichts nach Ende der Therapie wieder zurückkehren kann.
Das macht deutlich, dass Medikamente zwar helfen können, aber keine dauerhafte Lösung ohne weitere Veränderungen und medizinische Begleitung garantieren.
Nebenwirkungen weiterhin möglich
Wie bei der Spritzenform können auch bei der Tablette Nebenwirkungen auftreten.
Zu den möglichen Beschwerden zählen insbesondere Übelkeit, Durchfall und Verstopfung. Ob die Behandlung für einen bestimmten Patienten geeignet ist, sollte deshalb gemeinsam mit einem Arzt entschieden werden.
Dabei müssen Nutzen und mögliche Risiken individuell gegeneinander abgewogen werden.
Warnung vor dubiosen Internetangeboten
Mit der wachsenden Nachfrage nach Abnehmmedikamenten steigt gleichzeitig die Zahl zweifelhafter Onlineangebote.
Experten warnen insbesondere vor Internetanbietern, die verschreibungspflichtige Medikamente oder Rezepte ohne eine ausreichende ärztliche Beratung versprechen.
Semaglutid ist kein gewöhnliches Produkt zur Gewichtsreduktion, sondern ein hochwirksames Arzneimittel, das Risiken und Nebenwirkungen haben kann.
Wer Interesse an einer Behandlung hat, sollte sich deshalb an Ärzte und reguläre Apotheken wenden und besonders bei vermeintlich unkomplizierten Onlineangeboten vorsichtig sein.
Neue Wahlmöglichkeit für Patienten
Die Einführung der Tablette dürfte die Behandlungsmöglichkeiten für Adipositas erweitern. Für Menschen, die eine Spritzentherapie ablehnen oder als unangenehm empfinden, könnte die tägliche Einnahme eine interessante Alternative darstellen.
Ein grundlegender Unterschied bleibt jedoch nicht bestehen: Auch die Abnehmpille ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und keine schnelle Lösung für ein paar überschüssige Kilos.
Ob Tablette oder Spritze – eine erfolgreiche und sichere Behandlung sollte medizinisch begleitet und Teil einer langfristigen Therapie sein.