Die anhaltende Hitze und extreme Trockenheit entwickelt sich für die Landwirtschaft in Österreich und Teilen Deutschlands zu einem erheblichen wirtschaftlichen Problem. Besonders betroffen sind Obst- und Gemüsebetriebe. Nach Angaben der österreichischen Landwirtschaftskammer wird im Obstbau derzeit mit einer um rund ein Drittel geringeren Ernte gerechnet. Im Gemüsebau könnten die Einbußen im Durchschnitt sogar 45 Prozent erreichen.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um kleinere Früchte oder niedrigere Erträge. In einigen Regionen fehlen zunehmend die Wasserreserven für die Bewässerung, während gleichzeitig Energie-, Arbeits- und Produktionskosten steigen.
Obstbau: Wasserreserven werden knapp
Nur rund 40 Prozent der österreichischen Obstbauflächen können nach Angaben der Landwirtschaftskammer bewässert werden. Doch selbst dort verschärft sich die Situation: Speicherteiche und andere Wasserreserven leeren sich infolge der langen Trockenperiode.
Betroffen sind wichtige Kulturen wie Äpfel, Birnen und Zwetschken. Vor allem aus dem Burgenland und der Steiermark wird berichtet, dass Äpfel und Birnen aufgrund von Hitze und Wassermangel für die Jahreszeit deutlich zu klein seien.
Noch gravierender sind Meldungen über dauerhafte Schäden an den Pflanzenbeständen. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer sterben zunehmend Obstbäume ab. Bei jungen Kulturen sollen teilweise bereits komplette Anlagen vertrocknet sein.
Damit können sich die wirtschaftlichen Folgen über die Ernte 2026 hinaus erstrecken. Ein ausgefallener Baum lässt sich schließlich nicht mit der nächsten Regenperiode ersetzen. Neupflanzungen benötigen Zeit, bis sie wieder wirtschaftlich relevante Erträge liefern.
Holunder besonders stark getroffen
Besonders dramatisch präsentiert sich die Situation beim Holunder. Hier zeichnet sich ein Ernteausfall von mehr als 50 Prozent ab. Regional wird selbst ein vollständiger Ausfall nicht ausgeschlossen.
Allerdings ist die Lage innerhalb Österreichs sehr unterschiedlich. Während östliche und südliche Anbaugebiete stark unter der Trockenheit leiden, werden beispielsweise aus Vorarlberg weiterhin vergleichsweise solide Aussichten für Äpfel und Birnen gemeldet. Auch Salzburg erwartet gute Erträge.
Von einer einheitlichen österreichischen Erntekrise kann deshalb nicht gesprochen werden. Die regionalen Unterschiede sind erheblich.
Gemüsebau erwartet durchschnittlich 45 Prozent weniger Ertrag
Noch stärker könnte der Gemüsebau betroffen sein.
Trockenheit und hohe Temperaturen verursachen nach Angaben der Landwirtschaftskammer unter anderem Wachstumsverzögerungen, Notreife und Verbrennungen.
Hinzu kommt ein zweites Problem: Schädlinge profitieren teilweise von den warmen Bedingungen. Genannt werden insbesondere Spinnmilben, Thripse und Raupen.
Damit entsteht für die Betriebe eine schwierige Kombination aus niedrigeren Erntemengen und steigenden Produktionskosten.
Bewässerung wird selbst zum Kostenproblem
Anders als im Obstbau verfügen viele Gemüsebetriebe zwar grundsätzlich über Bewässerungsanlagen. Doch auch diese lösen das Problem nicht vollständig.
Sinkende Wasserspiegel bedeuten, dass Wasser mit höherem Energieaufwand gefördert werden muss. Gleichzeitig steigen der Arbeitsaufwand und die Kosten für die Bewässerung.
Das verschlechtert die Wirtschaftlichkeit zusätzlich: Die Betriebe müssen mehr Geld einsetzen, um am Ende möglicherweise deutlich weniger Ware verkaufen zu können.
Ohne Bewässerung drohen bei einzelnen Kulturen sogar Totalausfälle.
Tiefkühlgemüse: Mehr als 30 Prozent Verlust erwartet
Auch die industrielle Lebensmittelverarbeitung könnte die Folgen zu spüren bekommen. Beim für die Tiefkühlproduktion bestimmten Gemüse werden trotz Bewässerung Ertragseinbußen von mehr als 30 Prozent erwartet.
Zusätzlich sorgt die Hitze für ungewöhnliche Reifeverläufe. Kulturen wie Buschbohnen, Grünerbsen und Edamame können nahezu gleichzeitig erntereif werden.
Was zunächst positiv klingt, kann logistisch zum Problem werden. Erntemaschinen, Transporte und Verarbeitungsbetriebe verfügen nur über begrenzte Kapazitäten. Reifen große Mengen gleichzeitig ab, entstehen Engpässe – und ein Teil der Ernte könnte möglicherweise nicht rechtzeitig verarbeitet werden.
Deutschland ebenfalls betroffen
Die Dürreproblematik endet nicht an der österreichischen Grenze.
Auch Deutschland erwartet eine schwächere Ernte. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes wird für 2026 mit einer Getreidemenge von rund 41,9 Millionen Tonnen gerechnet. Das wären etwa sieben Prozent weniger als die rund 45 Millionen Tonnen des Vorjahres.
Allerdings war 2025 ein vergleichsweise starkes Erntejahr. Die Sieben-Prozent-Differenz sollte deshalb nicht isoliert als außergewöhnlicher Einbruch interpretiert werden.
Auch hier zeigen sich zudem deutliche regionale Unterschiede. Besonders hohe Schäden werden aus Teilen Süddeutschlands gemeldet.
Apfelernte unter langjährigem Durchschnitt
Für die deutsche Apfelernte werden rund 934.000 Tonnen erwartet.
Das wären etwa 53.000 Tonnen weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Für Obstbauern ist das relevant, weil sich niedrigere Erntemengen nicht automatisch durch entsprechend höhere Verkaufspreise kompensieren lassen.
Entscheidend sind Qualität, Größe und Vermarktungsmöglichkeiten der Früchte sowie die Entwicklung der Importpreise.
Werden Obst und Gemüse für Verbraucher teurer?
Aus den Ernteprognosen unmittelbar starke Preissteigerungen im Supermarkt abzuleiten, wäre noch verfrüht.
Der Lebensmittelmarkt ist international. Deutschland und Österreich importieren erhebliche Mengen Obst und Gemüse. Schlechtere regionale Ernten können deshalb teilweise durch Importe ausgeglichen werden.
Allerdings könnten mehrere Faktoren gleichzeitig preistreibend wirken: geringere heimische Erntemengen, höhere Bewässerungs- und Energiekosten, steigende Arbeitskosten und mögliche Engpässe bei einzelnen Kulturen.
Besonders bei regionalen Produkten und bestimmten saisonalen Obst- und Gemüsesorten könnten Verbraucher diese Entwicklung deshalb stärker bemerken.
Streit über staatliche Dürrehilfen beginnt
In Österreich fordert die Landwirtschaft bereits schnelle finanzielle Hilfen.
Politisch dürfte vor allem die Frage schwierig werden, welche Betriebe Unterstützung erhalten sollen. Umstritten ist insbesondere, wie mit landwirtschaftlichen Unternehmen umgegangen werden soll, die ihre Ernten nicht entsprechend versichert haben.
Damit entsteht ein klassischer Zielkonflikt: Einerseits können außergewöhnliche Wetterereignisse Betriebe wirtschaftlich gefährden. Andererseits stellt sich die Frage, in welchem Umfang der Staat Risiken übernehmen sollte, gegen die grundsätzlich Versicherungen oder betriebliche Vorsorge möglich sind.
Die eigentliche Gefahr liegt in den langfristigen Schäden
Für die Landwirtschaft könnte 2026 deshalb mehr als nur ein schlechtes Erntejahr werden.
Besonders kritisch sind nicht allein die aktuell fehlenden Mengen, sondern absterbende Bäume, erschöpfte Wasserreserven und dauerhaft steigende Bewässerungskosten. Werden mehrjährige Obstkulturen beschädigt, wirken die Folgen noch in kommenden Jahren.
Die aktuelle Dürre zeigt damit auch ein strukturelles Problem: Landwirtschaftliche Betriebe müssen künftig möglicherweise deutlich stärker in Wasserspeicherung, effizientere Bewässerung und trockenheitsresistentere Sorten investieren.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie groß die Ernteausfälle 2026 werden. Für Landwirte, Lebensmittelwirtschaft und Verbraucher wird zunehmend entscheidend, wie teuer es wird, die heimische Produktion an längere Hitze- und Trockenperioden anzupassen.